Nouvelle Vague - Bande à part

Nouvelle Vague- Bande à part

Peacefrog / PIAS / Rough Trade
VÖ: 19.05.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Liedschatten

Eine der vielen Legenden der Popgeschichte stammt aus dem Jahr 1984. Ian McCulloch, Sänger der nach einer Drum Machine benannten englischen Band Echo & And The Bunnymen, konnte seine Plattenfirma davon überzeugen, daß die neue Platte statt im heimischen Liverpool im inspirierenden Paris eingespielt werden müsse. Da McCulloch allerdings zeitweise unter Schreibblockkaden litt, konnten vorerst nur einige Instrumentals aufgenommen werden. Bis zum Tag der Inspiration. Eines Morgens wachte der von der Muse geküßte Künstler mit ein paar Akkorden und Textzeilen im Kopf auf, griff sofort zur neben dem Bett stehenden Akustikgitarre und begann mit der Arbeit an "The killing moon", seinem Meisterwerk.

Wenn sich Nouvelle Vague als Opener für ihr zweites Album voller Coverversionen von Achtziger-Songs eben jenen aussuchen, so beweist das nicht nur einen exquisiten Geschmack. Sondern ist auch ein idealer Start für eine prickelnde und erfrischende Platte, die ganz und gar kein lauer Aufguß alter Titel ist wie so viele ähnliche Versuche. Auf das Grundrezept des erfolgreichen Vorgängers "Nouvelle Vague" aus dem Jahr 2004 zurückgreifend, haben sich Marc Collin und Olivier Libaux erneut einige Klassiker des Punk und Wave ausgesucht, die als Originale nie und nimmer auf eine gemeinsame Platte gepaßt hätten. Neben Charthits wie etwa Blondies "Heart of glass" oder Heaven 17s "Let me go" findet sich auch Außergewöhnliches wie "Bela Lugosi's dead" von Bauhaus oder "Human fly" von The Cramps. Die beiden Franzosen nehmen alle Songs mit gleicher Sorgfalt unter ihre Fittiche und lassen sie größtenteils von jungen Sängerinnen performen. Heraus kommen beschwingte Schunkel- und Wippnümmerchen, die eine leichte Melancholie zum Glück aber nicht verbergen können.

Gerald Toto, neuer und einziger Sänger in der Nouvelle-Vague-Community, interpretiert Yazoos "Don't go" so einfühlsam, daß man tatsächlich Alison Moyets übermächtige Stimme vergißt. New Orders Danceklassiker "Blue monday" wird einen Gang runtergeschaltet und bekommt lateinamerikanischen Rhythmus, genau wie Billy Idols "Dancing with myself" zum leichtfüßigen Rumspringen animiert. Mélanie Pain, Marina Celeste, Phoebe Killdeer und Silja sind die Interpretinnen, die (schon wieder eine Legende) die Originalversionen gar nicht kannten. Wahr oder nicht, Nouvelle Vague brauchen den Klassiker nur als Ansatzpunkt bevor sie eigenständig neue Welten zaubern. Im Vergleich zum Vorgänger ist "Bande à part" dann allerdings etwas ruhiger und schattiger: Grillen zirpen und Käuzchen schreien in der dunklen Sommernacht. Und nach 35 Grad in der Sonne sehnt sich momentan ja sowieso niemand.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • The killing moon
  • Don't go
  • Dancing with myself
  • Blue monday

Tracklist

  1. The killing moon
  2. Ever fallen in love
  3. Dance with me
  4. Don't go
  5. Dancing with myself
  6. Heart of glass
  7. O Pamela
  8. Blue monday
  9. Human fly
  10. Bela Lugosi's dead
  11. Escape myself
  12. Let me go
  13. Fade to grey
  14. Waves
  15. Eisbär

Gesamtspielzeit: 19.05. min.

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