Amusement Parks On Fire - Out of the angeles

Amusement Parks On Fire- Out of the angeles

Cooperative / Rough Trade
VÖ: 02.06.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Länge mal Breite mal Tiefe

Bitte, liebe Abkürzer! Laßt es doch wenigstens diesmal bleiben, einen Bandnamen zu verstümmeln. "APOF" klingt einfach affig. Und bei der Musik von Amusement Parks On Fire bleibt nun wirklich genügend Zeit, nicht nur den Bandnamen, sondern gleich ein ganzes Telefonbuch auszuschreiben. Im Schnitt dauern die Songs auf dem zweiten Album "Out of the angeles" um die sechs Minuten. Und doch hat sich gegenüber "Amusement Parks On Fire" etwas geändert. Michael Feerick hat sich vom Ballast befreit und den Bombast erhalten. Obwohl er sich inzwischen eine Band gesucht hat, statt wieder alles im Alleingang einzuspielen, klingt sein Zweitwerk nicht nach mehr, sondern nach weniger. Wie er mit spitzer Spachtel dichte Soundwände mauern kann, hat er mit seinem Debüt bewiesen, nun kümmert er sich vielmehr um den Fußboden. Teppich über Teppich wird aufgeschichtet, einer flauschiger als der andere.

"Out of the angeles" ist keine Mathematik mehr, es ist Philosophie. Musikgewordene Gedanken, die nur an Plätze schweifen, wo es ihnen gefällt, die das Böse ausblenden. Die sich Räume schaffen von scheinbar endlosen Ausmaßen. Kaum ein Störfeuer durchbricht den Wohlklang. Selbst massive Breitseiten wie im finalen "Cut to future shock" verlieren nie das Liebliche. In "At last the night" sorgt ein Xylophon für Harmonie, in "No lite no sound" singen Frauenchöre wie Gitarren oder Gitarren wie Frauenchöre. Der Klang ist das Ziel.

Auf dem Weg dorthin hilft Feerick vor allem seine Stimme. Die ist nicht gerade voluminös, nicht gerade wandlungsfähig und nicht gerade außergewöhnlich. Und doch springt gerade, wenn er singt, der Funke über. Dann erkennt man, wieso der inzwischen 22-jährige überall als "Wunderkind" betitelt wird. Das Genie lauert nicht in den Tönen, sondern auf höheren Ebenen, die man nicht in Worte fassen kann.

Nach dem verheißungsvollen "Amusement Parks On Fire" hätte man Feerick den ganz großen Sprung zum Weltklassemusikanten zugetraut. Den hat er sich möglicherweise noch aufgehoben. Auf seinem zweiten Werk fehlt ein verstörender Übersong wie "Venus in cancer". Ein anderer Makel ist hingegen gleichzeitig Vorteil: Die Songs rücken in den Hintergrund, überlassen dem großen Ganzen das Feld. Man hätte die 66 Minuten nicht unbedingt in einzelne Songs aufteilen müssen. "Out of the angeles" bietet kraftvolle Augenschließmusik auf höchstem Niveau. Davon kann es nie genug geben, und gerade von diesem talentierten Burschen wird noch einiges kommen. Von "APOF" ein "etc. pp." Ein endloses Weiterführen.

(Armin Linder)

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Highlights

  • A star is born
  • In flight
  • Await lightning

Tracklist

  1. Out of the angeles
  2. A star is born
  3. At last the night
  4. In flight
  5. To the shade
  6. So mote it be
  7. Blackout
  8. Await lightning
  9. No lite no sound
  10. Cut to future shock

Gesamtspielzeit: 65:57 min.

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User Beitrag

Robert G. Blume

Postings: 409

Registriert seit 07.06.2015

2018-09-04 12:35:51 Uhr
Hab mich vorhin an die Band erinnert, weil mir "Venosa" auf einer alten Mix-CD wiederbegegnet ist (war mal ein absoluter Lieblingstrack). Erfreulicherweise gibt es die Jungs noch, und sie haben sogar neue Songs veröffentlicht. Die aktuelle EP heißt "All the New Ends" und gefällt. Ziemlich sogar.

carpi

Postings: 545

Registriert seit 26.06.2013

2017-06-14 20:53:07 Uhr
Gerade den Titeltrack gehört, schon toll mit den satten Gitarrenwänden, wie ich sie auch von dem ersten Album in Erinnerung habe,"Await Ligthning" gerade auch episch und gut, "A star is born" und "In Flight" packen mich hingegen weniger. Insgesamt nach einem kurzen Höreindruck einiger Tracks wie beim ersten Album recht einförmig (auch was den Gesang betrifft) mit dem regelmäßigen Wechsel aus lauten Gitarren und Entspannungsphasen (u.a. mit Streichereinsatz). Derzeit nicht erste Priorität, Live würde ich sie aber gerne wiedersehen und das Cover gefällt mir sehr gut.

Sohiel

Postings: 160

Registriert seit 01.06.2016

2017-06-13 13:17:17 Uhr
Dann gib doch mal dem zweiten Album eine Chance. Mich würde wirklich interessieren, ob und welche Veränderungen (zum Guten wie zum Schlechten) du nach so vielen Jahren feststellen kannst.

carpi

Postings: 545

Registriert seit 26.06.2013

2017-06-13 11:45:53 Uhr
Kenne nur das Debüt, welches ich gut fand, und habe sie ebenso als Support Act von dEUS 2005 gesehen, danach völlig aus den Augen verloren. Für die damals shoegazearmen Zeiten eine schöne Sache, aber auch nicht überragend, wobei ich mich nur auf das Debüt beziehe.

Sohiel

Postings: 160

Registriert seit 01.06.2016

2017-06-13 01:21:53 Uhr
Verdient bis heute mehr Beachtung. Allein schon der Titeltrack...
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