Don Caballero - World class listening problem

Don Caballero- World class listening problem

Relapse / SPV
VÖ: 19.05.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einfache Addition

Daß dieses Kram namens Progrock sich nach dem selbstverschuldeten Tod in den Siebzigern doch noch einmal mit einem Bein aus seinem Sarg trauen würde, war nicht direkt zu erwarten. Daß er aber anno 2006 wieder so erfolgreich sein würde, kam nun gänzlich überraschend. Aber heutzutage ist ja alles Postprog - und zwar das, was nach 1990 veröffentlicht wurde, und Bands, deren maximales Durchschnittsalter bei unter 26 Jahren liegt. Und überhaupt ist alles mit "Post" im Genre aus Prinzip gut. Bestnoten gibt's dafür an jeder Ecke, und so kann man sich kaum vor immer neuen Soundperlen retten. Jetzt versorgt uns sogar unser aller Lieblings-Böse-Buben-Label von Relapse mit derartigem Stoff.

Die Urväter dieses Instrumental-Postcore-Progrock-blabla-Dingens, lassen sich dafür nicht lumpen. Don Caballero zeigen den härteren Mathe-Nachwuchs-Hühnern von The Number Twelve Looks Like You, Ion Dissonance oder Curl Up And Die, wer hier die Mathe-Formelsammlung immer noch besser beherrscht. Das Ergebnis muß sich also nicht zwangsläufig aus der Quadratwurzel von a × zerschossene Metalgitarren² + b × angepißtes Geschrei³ dividiert durch die Anzahl diverser Klangkörper zusammensetzen, wie das die jungen Wilden heute so gern fabrizieren.

Don Caballero zeigen nämlich, daß auch dezent simplere Formeln aufgehen können: 3 × den gleichen Gitarren- und Schlagzeugrhythmus + 3 × den nächsten Rhythmus + 3 × den letzten Rhythmus + 0 × Gesang + 0 × Firlefanz = "Savage composition". Fertig ist die einfache Rechnung. Während der Dreiviertelstunde werden zwar auch mal die Variablen ausgetauscht, und manchmal braucht man mehr Finger als die fünf pro Hand, um die Rhythmuswiederholungen zu zählen - die zusammengerechnete Herleitung aber ist im Grunde stets die gleiche. Die Stimmung ist obendrein stets heiter bis sonnig, was zum Großteil an der rhythmischen Spontaneität + dem jazzigen Jamcharakter aller Instrumente liegt.

Was hingegen fehlt ist die Variable x, die zum Beispiel die eingehende Melodie oder die treibenden Riffs zu Beginn des Openers "Mmmmm acting, I love me some good acting" sein könnte, aber ansonsten in der Kalkulation eher selten auftaucht. Andersherum geht aber die Kalkulation des Hörers auf, wenn trotz tanzbarer "Palm trees in the fecking bahamas"-Melodie die Endsumme durchaus abschätzbar ist. Doch statt an Logaritmen, Winkeln und Integralen zu verzweifeln, kann man sich endlich einmal freuen, Mathe ohne Taschenrechner halbwegs kapiert zu haben.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Mmmmm acting, I love me some good acting
  • Palm trees in the fecking bahamas

Tracklist

  1. Mmmmm acting, I love me some good acting
  2. Sure we had knives around
  3. And and and, he lowered the twin down
  4. I agree ... No! ... I Disagree
  5. Palm trees in the fecking bahamas
  6. World class listening problems
  7. Railroad cancellation
  8. Theme from bricktop clowns
  9. Savage composition
  10. I'm goofballs for bozzo jazz

Gesamtspielzeit: 44:53 min.

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  • Don Caballero (42 Beiträge / Letzter am 26.09.2014 - 11:51 Uhr)