The Stills - Without feathers

The Stills- Without feathers

Vice / Atlantic / Inkubator / Soulfood
VÖ: 26.05.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Was von New York übrigbleibt

Es kann einer Bandkarriere durchaus dienlich sein kann, entscheidende Dinge mit New York zu tun zu haben. Und wenn es nur fünf Monate sind, die man dort verbracht hat. The Stills wußten das und haben deshalb 2003 ihr erstes Album "Logic will break your heart" irgendwo zwischen den Wohnzimmern von Interpol und The Strokes augenommen. Um danach wieder ins lauschige Montreal zurück zu gehen und sich in die kleine Indiegemeinschaft dort einzukuscheln. Ganz schön heimatverbunden, die Stills. Aber eins ist ja auch klar: Spätestens seit The Arcade Fire und Broken Social Scene fliegen die Musikredakteure dieser Welt neben New York und London vor allem auch auf Kanada. Glaubt man hier nun an die Aussagekraft der simplen Addition, müßten The Stills mit "Without feathers" ein Album abgeliefert haben, das künstlerisch und intellektuell neue Maßstäbe setzt. Sollte man sich genau darauf gefreut haben, wird man leider enttäuscht.

Daß das Album nach einem Kurzgeschichten-Bestseller von Woody Allen benannt ist, weist die Band als offene Verehrer des gepflegten Intellektuellenwitzes aus. Genauer dem Intellektuellenwitz New Yorker Ursprungs. Vom New Wave, von New York scheint allerdings im Sound der neuen Stills-Platte nicht allzu viel übrig geblieben zu sein. Viel zu unspektakulär bröckelt sich da der Alternative Rock nordamerikanischer Spielart durch die zwölf Songs. "It's nice to see you carry on / I know it's hard to carry on." Dieses "Without feathers" ist zwar keine schlechte Platte, ganz und gar nicht. Aber erstens waren größere Erwartungen gerechtfertigt, zweitens können diese nicht erfüllt werden. Und drittens verlieren die Stills doch arg den Anschluß, wenn man sich traut, sie mit den Protagonisten ihres Klangs zu vergleichen.

Vor allem fehlen die ganz großen Momente. Diese zehn bis zwanzig Sekunden in einem Song, in denen die Kinnlade hörbar auf dem Boden aufsetzt. Diese ganz kurze Zeit, die ultimativ darüber entscheidet, ob ein Album nur ein gutes oder ein großartiges ist. "Without feathers" ist ein sehr solides, ja, ein gutes Indie-Album. Gefällige Texte, funky Gastauftritte (Jason Collett und Melissa auf der Maur), hübsche Schlagzeug-Themen. Aber man wartet bis zum Schluß auf den einen Moment, auf den großen Knall oder zumindest den kleinen Ausraster. Und man wartet fast immer umsonst, denn da kommt kaum etwas dergleichen. David Hamelin legt hörbar einige Mühe in seine Stimme, das klingt ja alles sehr gut und schön produziert. "Baby blues" ist ein wunderbarer Song mit Emily Haines (Metric) an der zweiten Stimme, der beste der Platte. Aber für die Besteigung des Gipfels inklusive Fahneneinsatz hat es diesmal nicht gereicht. "Without feathers" macht nichts falsch, und man kann mit ihm auch nichts falsch machen. Aber goldrichtig geht anders.

(Stefan Kesselhut)

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Highlights

  • Baby blues
  • Oh shoplifter

Tracklist

  1. In the beginning
  2. The mountain
  3. She's walking out
  4. Helicopters
  5. In the end
  6. Oh shoplifter
  7. Outro
  8. Halo the harpoons
  9. It takes time
  10. Destroyer
  11. Baby blues
  12. The house we live in

Gesamtspielzeit: 43:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Joe Black
2006-05-25 23:49:02 Uhr
lange nicht so frisch wie das debüt. schade drum!
hmmm
2006-05-25 23:07:31 Uhr
innere "stimmen" stinken ja meist. so auch hier. eine hoffnungsvolle band und ihr flatulenter abstieg in die belanglosigkeit.
Armin
2006-05-20 16:58:06 Uhr
THE STILLS - Without Feathers
CD, VÖ 26.05.2006
Vor fast drei Jahren sprang ganz unvermutet eine feine und bescheidene Band aus dem Gebüsch auf den Pfad, der durch den Musikdschungel führt, und präsentierte ihr Debüt-Album Logic Will Break Your Heart. Mit unspektakulären, aber dafür um so schöneren Popsongs wie Lola Stars And Stripes und dem Still In Love Song bohrten sie sich in die Indie-Gehörgänge und sorgten für große Momente im kleinen Rahmen. Ihr zweites Album nennen THE STILLS Without Feathers, ein klarer Hinweis auf das Cover des Vorgängers, das von einem Federn-Regen geschmückt wurde. Was ist aus ihnen geworden? Haben THE STILLS Federn gelassen?

Irgendwie ja. Aber auch Humor gewonnen. Denn Without Feathers bezieht sich genauso auf Woody Allens legendäre Sammlung von Erzählungen, die schon lang zu einem amerikanischen Klassiker geworden ist und von jedem in der Band geliebt wird. Denn so wie Woody Allens Un-Helden, stolpern auch THE STILLS über die kleinen Unwägbarkeiten des täglichen Lebens, und das hieß im Falle THE STLLS: Stimmausfall beim entscheidenden Live-Gig, Wechsel im Line-Up und die Belastungsprobe langen Tourens. Aber nun der Reihe nach.

Schon nach der Gründung in Montreal, im Jahre 2000, gingen THE STILLS den schwierigen Weg. Anstatt sich in die schlafende Alternative-Szene Montreals zu kuscheln, siedelte das Quartett nach New York über und suchte nach Herausforderungen. Hinlänglich bekannt ist die Geschichte der ersten Aufnahmen, die THE STILLS auf einem Vierspurgerät fertig brachten, das sie einem Junkie abgekauft hatten. Entsprechend eigenwillig waren die Ergebnisse und beinhalteten den denkwürdigen Song Still In Love Song, der mit einer discopoppigen Basshook von Crowe und Fletchers eindringlicher Tenorstimme überall Freunde fand. Damals nannte man den leicht spröden Sound und den Hang zur atmosphärischen Dämmerung noch nonkonform, aber die Zeiten ändern sich: "Irgendwann erzählte jede Vorband, sie stünde auf Joy Division," erinnert sich Fletcher. "Ursprünglich dachten wir mal, wir würden mit unserem Debüt 20 Jahre zu spät sein, und dann merkten wir, dass wir zwei Jahre zu früh waren." Etwa zwanzig 80er Jahre-Bands später schauten THE STILLS dann in den Spiegel und hörten auf die innere Stimme, die nach Veränderung rief.



einglaswasser
2006-03-26 16:28:23 Uhr
Schlechter, das wär ja schade. Den Vorgänger fnd ich echt gut.
Armin
2006-03-26 14:06:15 Uhr
Erscheint international am 09.05., ob's auch in Deutschland rauskommt, ist unklar.
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