Collective Soul - Blender

Collective Soul- Blender

Atlantic / Eastwest
VÖ: 12.02.2001

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kollektives Versagen

Lieber Elton John! Sei doch mal ehrlich: Mußte das denn sein? Hätte stattdessen nach "Don't go breakin' my heart" nicht ein zweites Ständchen mit Transen-König(in) RuPaul Genüge getan? Oder hätte sich mit Genosse George Michael nicht nochmal "Don't let the sun go down on me" schmettern und einer drauflegen lassen? Wenn es denn wenigstens nur dabei geblieben wäre.

Aber erstens kam es anders und zweitens schlimmer als man denkt: "Ich plane eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Rockbands" sabbelte Elton vor kurzem und machte sogleich ernst: Den Herren von Collective Soul jedenfalls muß es heiß und kalt geworden sein, als plötzlich ein fies grinsender, grün bebrillter Zwerg im rosa Designer-Anzug vor ihrer Haustür gestanden und etwas wie "Wir nehmen einen Song auf, Jungs!" gedroht hatte. In der vehement zugestoßenen Tür hatte womöglich die Plattenfirma ihren Fuß, und so gab es kein Entrinnen mehr. "Perfect day" klingt wie es klingen mußte: Ohne jeglichen Biß und dafür reich an klebrigem Pop, irgendwo zwischen Ronan Keating und Robbie Williams, zwischen solariumgegerbter Hausfrau und schmierigem Gebrauchtwagenhändler.

Was soll man über ein Album noch schreiben, das von einem derartigen Machwerk überschattet wird? Die Opfer von Collective Soul sind uns allen noch ein Begriff: Vor sechs Jahren hatten sie hierzulande mit der Rockballade "Shine" einen dicken Indie-Hit. Und während es in diesen Breitengraden beim One Hit Wonder blieb, verkauften sie in den Staaten weiterhin Platte um Platte wie geschnitten Brot. Indes näherten sich Collective Soul der vollkommenen Austauschbarkeit an und spülten ihren druckvollen Rock im selben Wasser weich, in das auch schon Matchbox Twenty und Tonic ihr Palmolive schütteten.

Auf "Blender" schließlich sind auch die letzten erdigen Riffs den seifigen Harmoniechören zum Mitträllern gewichen. Wenn auf "Why Pt. 2" die Gitarren kurzzeitig aufröhren und "Happiness" zu guter Letzt treibend nach vorne rockt, ist das leider Ausnahme statt Regel. Was sich wirklich im Ohr festbeißt, sind höchstens der Refrain von "Why Pt. 2", eine erträgliche Ballade namens "10 yrs later" sowie vor allem Eltons penetrantes "Whoo ho ho ho ho" aus "Perfect day". Der Albumtitel bedeutet übersetzt in etwa so viel wie "Vermischer" - und die gepanschte Brühe klingt fade wie ein lauer Verschnitt aus zwei Weinen, die schon vorher ungenießbar schmeckten. Und zwischen den verstaubten Weinfässern im Keller wartet die böse Mausefalle, die da Pathos heißt.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Why Pt. 2
  • 10 yrs later

Tracklist

  1. Skin
  2. Vent
  3. Why Pt. 2
  4. 10 yrs later
  5. Boast
  6. Turn around
  7. You speak my language
  8. Perfect day (feat. Elton John)
  9. After all
  10. Over Tokyo
  11. Happiness

Gesamtspielzeit: 39:10 min.

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