Neil Young - Living with war

Neil Young- Living with war

Reprise / Warner
VÖ: 12.05.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rockin' in the real world

Erstmal das Geld fürs Phrasenschwein rauslegen: "Sechzig Jahre und kein bißchen leise." Daß sich Neil Young ausgerechnet jetzt daran erinnert, daß man Gitarren jaulen lassen und gute Songs schreiben kann, war nicht unbedingt zu erwarten. Noch eine Sache, die man George W. Bush in die Schuhe schieben kann. Und damit vermutlich der erste tatsächlich positive Verdienst seiner Amtszeit. Stolz wird der Führer der freien Welt auf "Living with war" aber sicherlich nicht sein. Nicht mal er, der sonst genau das Gegenteil von dem macht, was Menschen mit Verstand hinbekämen.

Daß man einem - wie auch immer hohlen - Betonkopf kaum mit Subtilität begegnen kann, ist längst eine Binsenweisheit. Weswegen auch Neil Young den Parolendrescher wieder so schwingt wie zu Zeiten von "Ohio" oder "Rockin' in the free world". Wer sich so selten politisch motivieren läßt wie der Kanadier, muß vielleicht besonders auf den Tisch hauen. Das kann gut gehen, aber eben auch nicht. Young ist ja bekanntlich seit Anbeginn seiner Karriere stets für beides zu haben. Und wo das revanchistische "Let's roll" auf "Are you passionate?" noch mit Schwung ins präsidiale Gesäß kroch, schwingt er sich nun zurück auf die Seite der Guten: "Let's impeach the president for lying."

Ein großer Diskursgelehrter wird Young also wohl nie. Es hat aber durchaus etwas sympathisch Naives, wenn er mit seiner "metal folk protest music" ordentlich auf den Putz haut. Er nostalgiert vom guten, alten Hippieprotest und läßt den Präsidenten fleißig Unsinn plappern. Young wettert gegen großkapitalistische Medienverdummung, stellt die längst naheliegende Irak-Vietnam-Gleichung auf und fühlt sich in die Witwen der unnütz getöteten Soldaten ein. Daß jemand das Weiße Haus so anbellt, wäre prinzipiell nichts Besonderes. Doch es gibt Gründe, weswegen man gerade bei "Living with war" dringend aufmerksam sein sollte.

In knapp vierzehn Tagen schrieb Young die Songs herunter und spielte sie auch gleich ein. Zwar ohne Crazy Horse, aber mit deren patentiertem Rumpelsound. Die Verstärker so weit aufgerissen wie Fenster beim nötigen Durchlüften der Pennsylvania Avenue 1600. Und so knirscht und kracht es wieder so, als müsse Youngs rostige Gitarre alleine die Welt retten. Lange ist es her, daß der Godfather of grunge Ansporn, Leidenschaft und Kraft derart unter den einen Hut bekam, der mittlerweile sein schütteres Haar bedeckt. Daß es "Living with war" schon vorab im Netz zu hören hab, fachte die Zielgruppe derart an, daß jetzt selbst die gleichgeschalteten US-Radios Protestsongs wie das bittere "Shock and awe", den lärmenden Widerspruch "The restless consumer" oder das wehmütige "Roger and out" spielen müssen. Und damit einige der vielleicht besten Young-Songs mindestens seit "Mirrorball". Es stimmt wieder: Rust never sleeps.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • After the garden
  • The restless consumer
  • Shock and awe
  • Roger and out

Tracklist

  1. After the garden
  2. Living with war
  3. The restless consumer
  4. Shock and awe
  5. Families
  6. Flags of freedom
  7. Let's impeach the president
  8. Lookin' for a leader
  9. Roger and out
  10. America the beautiful

Gesamtspielzeit: 42:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2007-03-05 11:55:10 Uhr
Für die einen Werbung, für die anderen ein wertvoller Hinweis:

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Sick
2006-12-15 14:19:31 Uhr
Also ich kenne und höre den ollen Neil auch schon lange, aber nach der langen Dürrephase seit Mitte der 90er ist er gerade auf diesem Album mal wieder so richtig gut.
Schäbiger Wurzelsepp
2006-12-15 14:15:47 Uhr
Der Bursche begleitet mich ja auch nun schon mein ganzes Leben, aber irgendwie schafft er es mit seinen letzten Alben nicht mehr, mich hinterm Ofen herzuziehen, Gähn räusper, ich hör mir derweil die Decade an
Armin
2006-12-15 13:05:56 Uhr




NEILY YOUNG - Living With War - In The Beginning
CD, VÖ 15.12.2006
NEIL YOUNG selbst nennt Living With War, so der Titel des Albums, ein "Metal Folk Protest"-Album. "Auf diesem Album geht es darum, Ideen auszutauschen", so YOUNG jüngst in einem CNN-Interview. "Es geht darum, eine Botschaft zu übermitteln und Menschen Kraft zu geben, indem man ihnen eine Stimme gibt. Ich weiß, nicht jeder denkt wie ich, aber rot-blau ist nicht schwarz-weiß. Wir gehören zusammen. Es ist ein Album über Vereinigung."

Living With War wurde innerhalb von zwei Wochen geschrieben und aufgenommen. Es zeigt NEIL YOUNG an der elektrischen Gitarre und Mundharmonika, Chad Cromwell an den Drums, Rick Rosas am Bass und Tommy Bray an der Trompete. YOUNG selbst singt natürlich und wird von einem 100-köpfigen Chor begleitet. Eines der Chormitglieder erzählte in einem Interview, die Aufnahmen seien "wie ein 12-Stunden-Rennen" gewesen.

Auf dieser neuen Ausgabe des Albums sind dieselben Tracks ohne Chor und mit verbessertem Gitarren Sound zu hören.
Altbewährtes Vergnügen also, neu verpackt und mindestens genauso aufregend!



Braucht natürlich jeder! ;-)
Rick
2006-11-16 21:05:14 Uhr
Ganz schlimmes "ich-häng-mein-Fähnchen-in-den-Wind" Album .. Bei den extrem platten Texten wie "lookin for a leader" wird mir zudem noch richtig schlecht .. Jaja nur den richtigen Führer finden "straight and strong" und alles wird wieder gut, wenn er denn nur unseren Ruf hört. Pfui..
Die Songs alle schon irgendwie früher von Neil Young gehört und nur hier und da durch einen Chor oder Trompete aufgepeppt.
4 Punkte für das Album !
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