Quasi - When the going gets dark

Quasi- When the going gets dark

Touch & Go / Domino / Rough Trade
VÖ: 12.05.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Pictures of exhibitionists

Gewissermaßen, gleichsam, sozusagen. Manchem Freund von ausufernden "Quasi"-Konstruktionen würde ein Blick ins Fremdwörterbuch des geringsten Mißtrauens sicherlich nicht schaden. Manchmal jedoch wäre vielleicht auch ein Blick ins Regal von gutinformierten Vinyldealern noch eher anzuraten. Denn dort findet sich - irgendwo zwischen den Scheiben von Fuck, Pavement und Swell - sicherlich auch ein Regalfach voll Quasi. Trotzdem kann kaum jemand etwas mit den Namen Sam Coomes und Janet Weiss anfangen. Wenn überhaupt, dann kennt man eher einige der Künstler, mit denen die zwei Ex-Ehepartner schon anderweitig herumgetan haben: Built To Spill, Sleater-Kinney, Elliott Smith. Na, klingelt's?

Und doch darf mal gleich wieder alles vergessen, was man zu wissen glaubt. "When the going gets dark" beginnt nämlich mit einem elektrischen Aal. Munter taumelt Coomes in "Alice the goon" übers Piano, johlt im Chor mit Weiss einen bambiäugigen Säuferschlager, der ordentlich Wucht hat und nur kurz Pause macht, bis es mit dem verzappelten "The rhino" weitergeht. Die zurückgespulten Gitarren halten sich erst mal für ein Walroß und liefern sich dann eine spaßige Schneeballschlacht mit dem Ellbogenklavier, dem Zitterbaß und den Donnerhalldrums. Das ist Bombast. Auf Indie-Art.

Neoklassizismus nennt Coomes das. Nicht zu unrecht, will man meinen. Es sind die größten Arrangements, die in eine handelsübliche Garage passen. Wenn man nicht unter Klaustrophobie leidet, sondern eine Vorliebe für wild durcheinandergewürfeltes Inventar hat. Dann wird aus "Merry X-mas" das knackigste Weihnachtslied des sprießenden Frühlings. Aus "Peace and love" genau der überdrehte Pianorockbrecher, den Ben Folds leider nicht mehr hinbekommen wird. Und aus "Beyond the sky" ein fiependes Synthgekitsche, das es wegen seiner laufenden Nase dann doch nicht mehr auf die letzte Grandaddy-Scheibe geschafft hat.

Glückstrunken und ziemlich bärbeißig hüpfen Coomes und Weiss von Break zu Break und von euphorisch schiefem Refrain zu euphorisch schiefem Refrain. Kakophonie und Pyrotechnik. In allen Instrumenten klaffen daher herzhafte Bißlöcher. Und jede Melodie nimmt immer noch den einen Umweg mehr. Unter Dave Fridmanns Anleitung, die schon das letzte Sleater-Kinney-Album über die Klippe hüpfen ließ, stellen sich hier Boogie, Jazz, Punk, Psychedelia, Grunge, Bluesrock, Lo-Fi, Indie-Gezappel und Zappa-Freakout gegenseitig Beinchen. Und wenn schon alles da draußen Scheiße ist, kann man wenigstens feste damit werfen. So bricht immer wieder ein herrliches Chaos aus. Quasi ein echter Klassiker.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Alice the goon
  • The rhino
  • Merry X-mas
  • Invisible star

Tracklist

  1. Alice the goon
  2. The rhino
  3. When the going gets dark
  4. I don't know you anymore
  5. Peace and love
  6. Beyond the sky
  7. Presto change-o
  8. Poverty sucks
  9. Merry X-mas
  10. Death culture blues
  11. Invisible star

Gesamtspielzeit: 42:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
STSR
2010-03-07 19:45:38 Uhr
Also Featuring "Birds" gefällt mir am besten!!
smörre
2010-02-11 21:15:28 Uhr
In Deutschland via Domino. Für mich klar schwächer als die letzten beiden. Kaum Aufreibendes darauf zu finden.
bee
2010-02-11 16:10:46 Uhr
new album upcoming - American Gong - Feb. 23 auf Kill Rock Stars - man darf gespannt sein!
Senior Twilight Stock Replacer
2009-10-15 22:28:20 Uhr
Hab jetzt beide Scheiben und höre gerade zum ersten Mal When The Going Gets Dark, hört sich recht nett an! Schön chaotisch :)
Senior Twilight Stock Replacer
2009-10-05 10:39:29 Uhr
Wie befürchtet ist die LP bei jpc gar nicht mehr lieferbar...
Hab sie jetzt bei musicstack bestellt und gleichzeitig noch When The Going Gets Dark.
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