Klein - The next small thing

Klein- The next small thing

Popup / Cargo
VÖ: 12.05.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sehnsuchtgefahr

Wenn man im Frühling das frohe Treiben betrachtet, die aufgehenden Knospen bestaunt, die Liebe im Herzen einziehen läßt und das Bier am Nachmittag wieder als Erfrischungsgetränk rechtfertigen kann, setzt man sich gerne mal ans Flußufer und sehnt sich nach der Ferne. "Mal einfach ausbrechen, alles zurücklassen", denkt man, lehnt sich zurück und betrachtet die Wolken. Und dann kommen diese zwei Berufsmelancholiker um die Ecke geschlichen und liefern wie aus dem Nichts den perfekten Soundtrack für diese Gefühlsduselei. Da ist es mit der Sehnsucht dahin. Und zerrissen schlürft man wieder heim.

Knistern. Funken. Zischen. Eine kleine Welt, beschrieben mit drei Worten. Lutz Nikolaus Kratzer, ehemals der Kopf von Ich Jetzt Täglich, und Patrick Müller haben den Britpop für sich entdeckt. Nur, daß dies eine abgrundtiefe Untertreibung ist, muß man im gleichen Atemzug erwähnen. Die zwei Dramaturgen zirkeln trippelnde, verspielte und sanft perlende Elektronik unter ihre vierzehn zärtlichen Poplieder, die den cremigen Gesang von Kratzer wie Butter auf der Stulle schmecken lassen. Große Melodien treffen auf einen schwermütigen Grundstock. Doch Achtung: Die Zeche zahlt hier nicht der Wirt.

Der Hörer wird durch eine Reiselandschaft geführt, die bergische Gitarrenwege zeigt, trockengelegte Flußbetten und ein unglaublich weites melancholisches Panorama präsentiert. Der Opener "Lost" grüßt mit taumelnder Selbstverliebtheit und knarrender Traurigkeit . Das fast freudentrunkende "Anyhow" hat eine Hookline an Bord, die an die großen Momente der bittersüßen Blur heranreicht. Basierend auf einem traurigschönen Elektroniksound, knallt uns Müller eine Atmosphäre aufs Tablett, die man erstmal verdauen muß. "Focus" ist nichts weniger als eine geglückte Hommage an die übermächtigen Radiohead, und mit "Love kills" spricht man sämtlichen cognactrinkenden, verlassenen Barsitzern dieser Welt aus der geschundenen Seele.

In "Lost" singt Kratzer: "When all is lost / It includes everything / All of your teeth / And your last friend". Sofort könnte man losjammern. Doch, oh Wunder, aus des Sängers Kehle klingen diese Worte nach Trost. Die Vorstellung, daß man zu dieser Musik ausgelassen tanzen kann, wirkt wie aus den Fingern gezogen. Doch stellt man sich einen "Lonely Hearts Club" vor, dann gibt es keine bessere Indiezappelmusik als diese grandiose Debütvorlage. Und man kann sich sicher sein: Klein werden noch groß rauskommen. Mit dieser himmlischen Umarmung haben sie unsere Herzen jedenfalls schon im Sturm erobert.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Anyhow
  • Focus
  • Love kills
  • By the way

Tracklist

  1. Lost
  2. Anyhow
  3. Starscape
  4. Attention
  5. Snow
  6. Special
  7. Pong
  8. Focus
  9. Sadness part 3
  10. Love kills
  11. Scooter girl
  12. One
  13. By the way
  14. The end

Gesamtspielzeit: 41:40 min.

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