Jolie Holland - Springtime can kill you

Jolie Holland- Springtime can kill you

Anti / SPV
VÖ: 05.05.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Funeral singer

Es gibt im Prinzip nur zwei Arten von Beerdigungen: Die traurigen und die sehr traurigen. Die, auf denen es angemessen pietätvoll zugeht. Und die ganz am Anfang von Zach Braffs großartigem Debütspielfilm "Garden State". Man weiß vorher selten, auf welcher Sorte man landet, man kann sich eigentlich nur sicher sein, daß es die zweite wird, wenn irgendjemand dort die Musik von Jolie Holland spielt. Drei Soloalben hat die Frau aus Texas jetzt gemacht, und mit jedem scheint ihr die Lust am Leben noch ein Stückchen weiter vergangen zu sein. Die neue Platte heißt vielleicht auch deshalb "Springtime can kill you". Und sie ist das Gegenteil von Frühlingsgefühlen.

Wie man sich das nun wieder vorstellen soll? Vielleicht so, als hätte Cat Power ihr letztes Album "The greatest" nicht unter Zuhilfenahme einer hochglänzenden Backing-Band aus Memphis, Tennessee aufgenommen. Sondern als wäre sie dafür mit ein paar flüchtigen Bekannten in einem billigen Motel abgestiegen, um nach sorgfältiger Leerung der Minibar ein paar Songs einzuspielen. Hollands Stimme ist das Elend der ganzen Welt, ihr Gesang klingt oft, als müßte ihr mal jemand eine neue Batterie einsetzen. Und dann diese Band - Taumler und Umfaller an tausend Instrumenten, die die Sache am Ende doch noch irgendwie geschaukelt kriegen. Tom Waits sei bereits großer Fan, erzählt man sich. Und es ist wirklich ein schöner Gedanke, daß sich der alte Knurrer diese Musik anhört. Zum Beispiel in der Badewanne.

So schludert sich "Springtime can kill you" also immer wieder elegant um allzu strenge Genauigkeiten herum und verliert bei allen Detailliebeleien wie den nervösen Miles-Davis-Drums aus dem Titeltrack oder der kunstvoll dazwischenpfuschenden Fiddle in "Adieu false heart" niemals seine Trauerarbeit aus den Augen. Was auch immer Holland die Stimmung so verhagelt hat, sie verbeißt sich drin auf dieser Platte, steigert sich rein und rollt es aus in unheilvollen, hoffnungslosen, wütenden Country-, Folk- und Rock-Songs, die einem mit unlackierten Fingernägeln über den Rücken kratzen. Es wird deshalb auch in Zukunft nur zwei Arten von Beerdigungen geben: Die, auf denen Musik von Jolie Holland gespielt wird. Und dann noch die anderen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Mehitabel's blues
  • You're not satisfied
  • Nothing to do but dream
  • Adieu false heart

Tracklist

  1. Crush in the ghetto
  2. Mehitable's blues
  3. Springtime can kill you
  4. Crazy dreams
  5. You're not satisfied
  6. Stubborn beast
  7. Please don't
  8. Moonshiner
  9. Ghostly girl
  10. Nothing to do but dream
  11. Adieu false heart
  12. Mexican blue

Gesamtspielzeit: 43:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Humpty Humpty
2008-06-03 20:22:26 Uhr
Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen auf was Neues von ihr. Weiß jemand was genaues? "Springtime..." ist mittlerweile ne satte 10.
bartender
2006-11-24 21:09:57 Uhr
Ganz schön gesalzene Preise für die Springtime, sogar CDwow will noch 17,15€. Hm, vielleicht doch erstmal die Escondida...
captain kidd
2006-11-22 13:11:51 Uhr
also die springtime ist gut. das kann ich mal so sagen. ist so eine mischung aus schläfrigem songwriterkram, country und jazz. einiges wirkt geradezu hypnotisch. springtime ist schön instrumentiert und die stimme trifft so manches mal mitten ins herz. hör einfach den opener.

die anderen platten kenne ich nur von reinhören. die erste wirkte skizzenhaft, die andere sehr geschichtsträchtig. die neue wirkt rund mit trotzdem etlichen ecken und kanten. (werde mir aber auch nach un nach die anderen beiden kaufen).
bartender
2006-11-21 11:50:11 Uhr
"Escondida" oder "Springtime can kill you"?

Kenne nur "Old fashioned morphine" und glaub, ich brauche mehr.
alea iacta est
2006-08-03 19:40:38 Uhr
als ich die Rezi las, dachte ich eher an eine sophia- artige Trauer, durchzogen von Suizidvorhaben und schwelenden depressionen. Der Jazzige einschlag nimmt dann aber jegliche trägheit von der noch immer traurigen musik, jene trägheit die bei sophia zwar als "stilmittel" funktioniert, die ich aber sonst nirgends haben will.
Jolie ist klasse, und vor allem eigensinnig genug um ihre mischung durchzuziehen.
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