Phoenix - It's never been like that

Phoenix- It's never been like that

Source / Labels / EMI
VÖ: 12.05.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die neue Mitte

Rekapitulieren wir doch mal schnell die Hoffnungen ans neue Phoenix-Album. Nach fünf Sekunden: der erste verschrobene Funk-Rhythmus. Nach zehn Sekunden: die erste sämige Harmonie. Nach einer Minute: die ersten beschwingten Keyboards. Nach drei Minuten: das erste bescheuerte Gitarrensolo. Nach vier Minuten, spätestens: der erste Hit. Das und mehr wird man doch wohl alles erwarten dürfen, oder? Man kritzelt auf die Schnelle ein Blatt mit lauter Gedankenstrichen und besagten Wünschen voll. Und wartet mit frisch gespitztem Bleistift aus französischer Eiche darauf, einen Punkt nach dem anderen abhaken zu dürfen.

Und was ist? Nichts ist. Phoenix sorgen zunächst für kein einziges Häkchen, sondern nur für dicke Striche durch jede Rechnung. Ein gellender Pfeifton schlägt den "Silent alarm" aus der Ferne, Phoenix starten in ihr drittes Album als eine Art Bloc Party light. Und machen weiter, als ob sie einen großen Sonderposten Strokes-Gitarren billig bekommen hätten und dringend verhökern müßten. Würde Thomas Mars sich nicht regelmäßig die Zunge verknoten beim Versuch, seinen französischen Akzent da rauszuwringen, man hätte Phoenix beinahe nicht erkannt. War die Band früher überraschend, so scheint heute nur noch überraschend, daß nichts mehr überraschend ist. Fuhren Phoenix früher gehörig neben der Spur, so haben sie sich heute mittendrin eingeklinkt. War der Sound früher vieldimensional wie ein guter französischer Chardonnay, so scheint er heute plump und überschäumend wie Cidre. Oder gar wie billiger Äbbelwoi aus dem Hessischen Hinterland. Holzig im Bouquet, mit herber Note und kleinem Körper. Das muß man erstmal schlucken.

Und im Abgang? Zum Glück entfaltet "It's never been like that" doch noch seine Würze, und es bewahrheitet sich die alte Alkoholikerregel: Je mehr man säuft, desto besser schmeckt's. Und auch mittelklassiger Fusel hat plötzlich was für sich. Stilistisch wenig originelle Songs wie "Lost and found" und vor allem "One time too many" versprühen ihren Charme, auch wenn sie nie erfolgreich über die Enttäuschung hinweghelfen und Phoenix als austauschbare Band einfach keine gute Figur machen. Selbst dann nicht, wenn man einem doch noch das eine oder andere Phoenix-Trademark entgegenhüpft. Wie beim überzeugenden "Courtesy laughs", wo ganz am Ende doch noch ein kleines Solo entfesselt, jedoch sogleich wieder abgewürgt wird. Als ob drei Augenpaare vorwurfsvoll auf den Gitarrero blicken, im Chor "Wir hatten uns doch geeinigt, so etwas nicht mehr zu machen!" schimpfen und den Song wütend für beendet erklären würden.

Das sechsminütige "Sometimes in the fall" traut sich immerhin ein bißchen mehr, aber zu wenig für diese Länge und diese Band. Die größte Verwegenheit hingegen, das Instrumental "North", entwickelt nicht die geringste Spannung, sondern geht schlichtweg in die Binsen. Und selbst die "alten" Phoenix blieben selten so blaß: "Consolation prices" und "Long distance call" wären auf dem Vorgänger "Alphabetical" höchstens dadurch aufgefallen, daß sie ziemlich schüchtern in der Ecke stehen. Auf ihrem dritten Album sind Phoenix nicht länger die coolste Band auf Erden, sondern eine wie jede andere. Schade. "It's never been like that". So war's noch nie? Ja, und früher alles besser.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Long distance call
  • One time too many
  • Courtesy laughs

Tracklist

  1. Napoleon says
  2. Consolation prizes
  3. Rally
  4. Long distance call
  5. One time too many
  6. Lost and found
  7. Courtesy laughs
  8. North
  9. Sometimes in the fall
  10. Second to none

Gesamtspielzeit: 36:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Drums
2009-07-23 20:44:41 Uhr
Du meinst also, man hört, dass es ein Drum-Computer ist? Wie werden dann diese Hit Hats-Klänge gemacht?
jo
2009-07-23 20:32:52 Uhr
Das muss ein Gehör sein...
Drums
2009-07-23 20:16:45 Uhr
Wer spielt denn auf dem Album Schlagzeug? Oder ist das ein Drum-Computer?
Armin
2006-09-06 13:23:33 Uhr
Phoenix: Das wäre ihr Consolation Prize gewesen
Wenn ihr eure Herbstkonzerte jetzt schon plant, will ich euch das aktuelle Phoenix Video mit auf den Weg geben, um euch die Entscheidung ein wenig leichter zu machen.

Video: Consolation Prizes
Real Hi/Lo – Win Hi/Lo
http://www.emiextranet.com/Stream/6190/63096.ram http://www.emiextranet.com/Stream/6190/63097.ram http://www.emiextranet.com/Stream/6190/63098.asx http://www.emiextranet.com/Stream/6190/63099.asx


01.11.2006 Hamburg, Docks
02.11.2006 Berlin, Kesselhaus
03.11.2006 Bochum, Zeche
04.11.2006 Cologne, Live Music Hall
06.11.2006 Frankfurt, Cocoon Club
07.11.2006 Leipzig, Werk 2
08.11.2006 Munich, Backstage Werk
09.11.2006 Mannheim, Alte Feuerwache

Websites:
www.labelsmusic.de/phoenix
www.wearephoenix.com

Armin
2006-08-24 18:47:02 Uhr
Phoenix (mit Fotos)
01.11.06 - Hamburg, Übel & Gefährlich
02.11.06 – Berlin, Kesselhaus
03.11.06 – Bochum, Zeche
04.11.06 – Köln, Live Music Hall
06.11.06 – Frankfurt, Cocoon Club
07.11.06 – Leipzig, Werk 2
08.11.06 – München, Backstage
09.11.06 – Mannheim, Alte Feuerwache
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