Islands - Return to the sea

Islands- Return to the sea

Equator / Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 05.05.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gang bang

Man muß sich das mal eben auf der Zunge vorstellen: Seit sie 2000 so richtig mit der Musik angefangen haben, haben Nick Diamonds und J'aime Tambeur jetzt schon zweimal die vermeintlich coolste Band des Indierock gehabt - und jeweils ziemlich bald wieder aufgelöst. Mit den Unicorns brachten sie nur das klapprige "Who will cut our hair when we're gone?" zustande; eine Zuckertüte von einer Platte, die allerdings hintenrum jeder Niedlichkeit den faulen Zahn zog. Und als Th' Corn Gangg setzten sie ihre Unicorns-Musik zwei befreundeten Rappern vor, die daraus ein paar Gigs lang den HipHop der Zukunft machten. Islands nun sind die dritte Band in drei Jahren. Und zum ersten Mal sind die beiden nicht cool. Aber uns reicht ja auch schon, daß sie wieder ein großartiges Album gemacht haben.

Zuerst fällt dabei auf: Diamonds und Tambeur haben ihren Sound zum Friseur geschickt. Alles wirkt weniger strubbelig, insgesamt ordentlicher, und die meisten Geräusche lassen sich diesmal sogar ganz bestimmten Instrumenten zuordnen. Als Ausgleich für die therapiebedürftigen Mithörer hat man sich deshalb dem Prog-Rock zugewandt, oder - wie das bei diesen Männern üblich ist - ihn von hinten gepackt, gefesselt und geknebelt auf eine Pritsche geschmissen und schließlich nach Lust und Laune auseinandergepflückt. Für brauchbar befunden und der eigenen Musik eingeflößt wurden dabei: zwei Zehnminüter für Fortgeschrittene, ein paar dieser Soundspielereien, wegen denen sich Peter Gabriel und Phil Collins heute wieder siezen. Und die lustigen Ed-Wood-Filmkulissen vom Albumcover. Der Rest ist halt, was Diamonds und Tambeur so im Kopf haben.

Für uns bedeutet das: "Return to the sea" ist wieder ein Kirmesboxen der guten Einfälle geworden, und ohne Nehmerqualitäten geht da gar nichts. "Swans" heißt die Overture, wegen der man sich schon ab der siebten Minute selbst schlagen möchte, weil Pavement einst das Handtuch warfen, statt weiter solches Geschimpfe aus ihren Gitarren herauszukitzeln. "Humans" klingt dann, als hätten Islands die Kontrolle über Andrew Lloyd Webber erlangt und ihn ein bißchen Marschmusik schreiben lassen. Und "Jogging gorgeous summer" haut mit dem erwirtschafteten Riesengewinn nach Südamerika ab, um sich in der Abendsonne mit brasilianischer Percussion vertraut zu machen. Wurde eigentlich schon erwähnt, daß das alles viel aufgeräumter als noch bei den Unicorns klingt?

Großreinemachen war allerdings auch das Mindeste, es sind schließlich Gäste zugegen. Für die nächtlichen Irrwege von "Where there's a will, there's a whalebone" steigen die Corn-Gangg-Rapper Subtitle und Busdriver zu. Und Regine Chassagne, Tim Kingsbury und Bill Gates von The Arcade Fire sind sogar in jedem zweiten Stück an solch schönen Instrumenten wie Akkordeon, Steel Drums, Kontrabaß und Steak Fiddle zu hören. Aber ob sie es auch waren, die ihren Freunden solange ins Gewissen geredet haben, bis sie bereit waren, das Salon-Jazz-Stückchen "If" und den drolligen Piepmatz "Rough gem" am Straßengraben vorbeizulenken? Müßte man bei Gelegenheit mit dem Islands-Anwalt klären, der zuletzt das eine oder andere Interview für seine Mandanten geführt hat. Ganz gesund sind sie dann eben doch noch nicht.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Swans (Life after death)
  • Humans
  • Rough gem
  • If

Tracklist

  1. Swans (Life after death)
  2. Humans
  3. Don't call me Whitney, Bobby
  4. Rough gem
  5. Tsuxiit
  6. Where there's a will there's a whalebone
  7. Jogging gorgeous summer
  8. Volcanoes
  9. If
  10. Ones
  11. Renaud

Gesamtspielzeit: 55:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
jakob
2006-08-05 12:43:15 Uhr
also live sind die schon klasse.
war ein großartiger abend gestern im e-werk.
und schöne buttons haben die... ^^
shrink
2006-07-21 17:33:43 Uhr
Die Unicorns waren zwar besser, aber toll ist das hier trotzdem. Bis auf die letzten beiden Lieder nur Highlights.
Vor allem Volcanoes ist zu schön um wahr zu sein.
8/10
sina
2006-07-21 00:03:20 Uhr
nee. bis auf paar songs ziemlich ermüdend, nichts was mich mitreißt, keine intensität

ich geb 6,5/10
Armin
2006-07-20 14:31:05 Uhr
Das Debütalbum der ISLANDS ließ schon aufhochen. 'Return To The Sea' (VÖ:
5. Mai) bietet großartigen Indie-Pop mit fröhlich-beschwingten Harmonien,
schwermütigen, erhabenen Momenten und leicht morbiden Texten. Musik, die
zwischen Tiefe und Leichtigkeit, Ruhe und Sturm pendelt, die ,in null Komma
nichts vom leichten Leben in die schwersten Powerpop-Abgründe stolpert'
(Musikexpress). Islands haben sich mit "Return To The Sea" ,ihre kleine
Nische im Musikuniversum geschaffen' (Visions, 8)! Live sucht die Band
momentan ihresgleichen, und im Sommer kommen die bis zu 9 (!)-köpfigen
Islands nach Deutschland, ein großes Ereignis, das man sich nicht entgehen
lassen sollte.
30.07. Berlin Festival, Paaren im Glien
01.08. Gießen, MUK
02.08. Berlin, Bastard
03.08. Köln, Prime Club
04.08. Erlangen, E-Werk Garten Open Air
05.08. Haldern Festival
(www.headquarter-entertainment.de)
Armin
2006-06-09 14:07:45 Uhr
und gleich nochmal Kanada: Das ISLANDS Debüt RETURN TO THE SEA (VÖ:
5.Mai) schlägt - was die Stilvielfalt betrifft - in die gleiche Kerbe wie
die Vorgängerband The Unicorns. Lediglich die ganz schrägen Momente wurden
gegen melancholischere, gar erhabenere, eingetauscht. Die stilistische Basis
ist Indierock/-pop nordamerikanischer Prägung, von der aus jedoch ständig
Grenzen ausgelotet und Bogen zu diversen anderen Spielarten geschlagen
werden. Das reicht dann von spacigen Progrock-Gitarren über Synthieklänge,
lateinamerikanische Rhythmen und Countryanleihen bis hin zu Rap. Die
Instrumentierung ist dementsprechend vielfältig, sämtliche Tasten-, Blas-
und Saiteninstrumente kommen zum Einsatz.
Die Band live zu sehen ist ein Erlebnis der besonderen Art und das sollte
man sich nicht entgehen lassen! Demnächst in Deutschland: 12.07. GLEIS 22 -
Münster
13.07. KNUST - Hamburg
14.07. BROTFABRIK - Frankfurt
30.07. BERLIN FESTIVAL - Paaren im Glien
01.08. MUK - Gießen
02.08. BASTARD - Berlin
03.08. PRIME CLUB - Köln
04.08. E-WERK GARTEN OPEN AIR - Erlangen
05.08. HALDERN FESTIVAL - Haldern
(www.headquarter-entertainment.de)
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