Rivo Drei - Yeah! Jawohl! Und überhaupt

Rivo Drei- Yeah! Jawohl! Und überhaupt

Modul / Sony BMG
VÖ: 05.05.2006

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Funkloch

Was waren das noch für Zeiten, als das Radio zur Gesellschaftsdroge avancierte. Da versammelten sich Jung und Alt vorm Transistor und lauschten gespannt dem Kommentator Herbert Zimmermann. Man hatte die ersten Kontakte mit den Beatles und sogleich einen neuen besten Freund. Heute wirft man dem Radio Begriffe wie "Dudelfunk" an den Kopf und versucht jeglichen Kontakt mit den einschlägigen Sendern zu vermeiden. Schuld daran sind nicht nur die quäkenden Moderatoren und deren Supermarkthumor. Besonders die Musikauswahl läßt des öfteren die Ohren Bluten. Eine kleine Geschmacksprobe gefällig? Dann viel Spaß mit Rivo Drei.

Sicher: "Yeah! Jawohl! Und überhaupt" ist ein Albumtitel, um den man gerne einen großen Bogen schlägt. Die Angst vor dem Grund, weshalb man einem Album solch einen Titel verpaßt, ist groß. Doch manchmal muß es eben schmerzen, wenn man auf dem Stand der Entwicklung der deutschsprachigen Popkultur bleiben will. Unerträglich wird es sogar, wenn man aus arbeitstechnischen Gründen die Skiptaste zunächst unberührt lassen muß. Man ergibt sich seinem Schicksal, nimmt einen kräftigen Schluck Magenbitter und hofft, daß der Feierabend schnellstmöglich heranrückt.

Oliver Rivo ist eigentlich Informatiker und hatte eine Anstellung bei Microsoft sicher. Aus Angst vor der Wandlung zum Workaholic ließ er Computer PC sein und hockte sich an sein Klavier. Nach kurzem Anlauf hatte er Felix Lehrmann und Arne Nitzsche um sich geschert und ruckzuck einen Newcomerpreis in der Tasche. Silbermond-Spezi Ingo Politz machte sich gleich an die Aufnahmen des vorliegenden Werks. Ein Hoch auf die Geschichten, die das Leben schreibt.

Der Opener "So was von gut" geht noch irgendwie in Ordnung. Eine Kreuzung zwischen Laith Al-Deen und Herbert Grönemeyer, die dank virtuosem Klavier und ansprechender Mundakrobatik zunächst auf die weitere Setlist neugierig macht. "Wie Flugzeuge", eine soulige Pop-Rock-Hymne, den einzigen Achtungserfolg des Debüts, kann man sogar ruhigen Gewissens im Autoradio laufen lassen, ohne daß der Beifahrer mit grünem Gesicht das Fenster runterkurbelt.

"Sie scheint" schockiert dagegen mit Gummipathos und Pur-Gedächtnislyrik. Eine nervige Nummer, der man mit Gewißheit in Zukunft öfter begegnen wird, als man es aushalten kann. Eine welke Gefühlsduselei, von der sich nicht mal Rapunzel befreien lassen würde. "Weichei unerwünscht" ist eine ungewollte Parodie des gesamten Schaffenswerk, und wir sparen uns an dieser Stelle lieber sämtliche Wortspielereien. In "Heiße Schokolade mit Sahne" jammert Oliver Rivo: "Heiße Schokolade mit Sahne / Das bin ich." Schön wär's. Wohl doch eher kalter Kaffee.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Wie Flugzeuge

Tracklist

  1. So was von gut
  2. Was ist los
  3. Wie Flugzeuge
  4. Wir gehören dazu
  5. Sie scheint
  6. Sprich mit mir
  7. Halt ihn fest
  8. Die du so
  9. Weichei unerwünscht
  10. Heiße Schokolade mit Sahne
  11. Alle für alle
  12. Er sammelt Muscheln

Gesamtspielzeit: 52:59 min.

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