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The Tyde - Three's co.

The Tyde- Three's co.

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 28.04.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Syrfin' USA

Vielleicht war es ein ungewöhnlich verregneter Sommer vor zwei Jahren in Kalifornien. Vielleicht wollte die musikbegeisterte Rademaker-Familie auch einfach nur mal ein bißchen hip sein. So oder so war es jedenfalls höchst unüblich für ihr sonstiges Treiben, daß die Damen und Herren hinter solchen Bands wie den Beachwood Sparks (LSD-Country) oder All Night Radio (Freak-Pop) plötzlich bis zum Hals in Mutters Schminkköfferchen steckten und als Frausdots verkleidet auf "Couture, couture, couture"unterkühlten New Wave nach englischer Anleitung spielten. Erstmals in ihrer Karriere waren sie den süßlichen Hippie-Muff losgeworden, erstmals schienen sie auf Höhe der Zeit angekommen. Was man dann macht? Sich zurückfallen lassen. Surfen gehen. Sonnenbaden. Songs schreiben.

"Three's co." ist das dritte Album von The Tyde, der wohl zugänglichsten Band, die Darren, Ann Do und Brent Rademaker mit ihren zahlreichen Freunden aus L.A.s unglamouröser Underground-Pop-Szene betreiben. Es ist der Strand und das Meer, Sommer, Fernweh und sanfte Melancholie. Es arbeitet sich ab am Überschwang der frühen Beach Boys und an bodenständigem Byrds-Folk, es ist dabei aber nicht mal ein kleines bißchen psychedelisch, sondern immer sehr gesprächige und bestimmte Popmusik auf der Jagd nach dem nächsten Hit. Oh, und es ist die Sorte Platte, die jeder Mensch mit einem vernünftigen Herz mögen müßte. Das sollte man vielleicht noch dazu sagen.

Was dabei besonders schön ist: Diesmal könnten das vielleicht sogar ein paar mehr Menschen als die sonst gewohnte Handvoll üblicher Verdächtiger mitbekommen. Zum einen ist da nämlich "Brock Landers", dieses überragende Lied mit knarziger Fuzzgitarre und rührender Botschaft ("Jealousy will get you nowhere!"), an dem hoffentlich ein bißchen Indie-Radio-Airplay kleben bleiben wird. Und zum anderen singt auch gerade da noch Conor Deasy von den Thrills mit, der ja durchaus ein, zwei schlaue Dinge über guten 60er-Jahre-Pop zu berichten weiß. Paßt wie der Deckel auf den Eimer mit dem Sandkastenspielzeug.

Natürlich wird der Rest dieser Festspiele davon ziemlich in den Schatten gestellt. Aber selbst dort ist es auf "Three's co." ja immer noch mindestens 25 angenehme Grad warm. "Aloha breeze" hängt ein paar bunte Lichterketten an entspannten Surfgitarren auf, der ausgeschlafene Euphoriker "Do it again again" gibt den nächsten Hit den nächsten Hit, und wie "The pilot" sein Klavier mit dem Hammer malträtiert, während die Fuzzgitarre ihr zweites großes Coming Out zelebriert, ist sowieso eine Feier für sich wert. Zumal man diesen Menschen sowieso ein Fläschchen Sonnenmilch ausgeben sollte. Jetzt, wo sie dem Zeitgeist wieder durchs runtergekurbelte Fenster ihrer Zeitmaschine zuwinken. Zielort: 1965. Nennt sie doch Hippies, wenn Ihr wollt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Do it again again
  • Brock Landers
  • The pilot

Tracklist

  1. Do it again again
  2. Brock Landers
  3. Separate cars
  4. Too many Kims
  5. Glassbottom lights
  6. Ltd. Appeal
  7. County line
  8. Aloha breeze
  9. The pilot
  10. Don't need a leash

Gesamtspielzeit: 36:31 min.

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  • The Tyde (4 Beiträge / Letzter am 12.01.2007 - 22:35 Uhr)

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