Wilderness - Vessel states

Wilderness- Vessel states

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 21.04.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Disziplinarmaßnahmen

Es ist sicherlich schön, ein Arctic Monkey zu sein. Es kann sich aber auch lohnen, aus der anderen Richtung zu kommen. Beharrlichkeit und langen Atem unter Wettkampfbedingungen trainieren zu müssen. Auch die schwierigen, ungewissen Phasen durchzustehen. Und ein paar wertvolle Lektionen daraus mitzunehmen. Trial and error, learning by doing, Wilderness. Vier Männer aus Baltimore, die zwar nicht mehr ganz frisch aussehen, aber dafür ihre eigenen Vorstellungen von Rockmusik haben. Nur was genau an denen jetzt so furchtbar eigen ist, darauf muß man ihr zweites Album "Vessel states" erstmal festgenagelt kriegen.

Es ist wohl vor allem die große Selbstdisziplin, mit der sich Wilderness durch den Prozeß des Liederschreibens und Aufnehmens kämpfen. Keine Mätzchen, keine Schnörkel. Stattdessen sturer Perfektionismus, bis hin zur Verbohrtheit. Jeder Ton muß seinen Platz kennen, jede Note wissen, wo sie hingehört. Keine Abweichungen, keine Spontaneitäten, sonst könnte das ganze Konzept in sich zusammenstürzen. Und Geduld, Geduld braucht man schon, um zu dieser Band zu gehören. Drei Jahre haben Wilderness für ihr Debütalbum gebraucht, das 2005 und bisher nur in den USA erschienen ist. "Vessel states" dagegen ging rasend schnell, brauchte bloß ein paar Monate. Man weiß jetzt was man will, man weiß, wie man es kriegt.

Es ist eine Spezialität dieser Band, das Wesentliche an einem Song zu erkennen, das Unnötige zu vermeiden und das Überschüssige wegzuschneiden. Humorlosigkeit beschränkt sich hier allerdings nicht nur auf die Rhythmusfraktion. Auch die Gitarren wippen eher unaufgeregt von einem auf den anderen Fuß und schlängeln sich pflichtbewußt durch spartanische Hindernisparcours. Variiert wird dabei selten, das Tempo meist verschleppt und gesungen natürlich auch nur, um die allgemeine Verwirrung aufrechtzuerhalten. James Johnson heißt der Mann, dessen rätselhafte Texte voller Wiederholungen und Wortverdreher sich in langgezogenen Silben durch diese Platte ziehen. Und er erinnert tatsächlich an John Lydon zu Public-Image-Limited-Zeiten. Ein wenig. Zum Anhaltspunkt taugt auch das nicht.

Wir sind also durch, aber immer noch nicht weiter. Was ist die Kunst an diesem Art-Rock? Wieso wird man von acht spröden Fünf-Minuten-Songs gefangen genommen, in denen die ganze Zeit über nichts passiert? Es ist vielleicht diese kleine Gitarrenmelodie, um die "Beautiful alarms" immer zu kreiselt. Der dankbar angenommene Endspurt im beinahe schon spielfreudigen "Emergency". Die herrische Bestimmtheit, mit der "Last" die A-Seite des Albums in ein verschleiertes Finale hineinlotst. Oder das schwerfällige Staubaufwirbeln von "Gravity bent light", aus dem sich der imposanteste, unruhigste Song des Albums erhebt. Fest steht nur: Es läßt einem keine Ruhe mehr, irgendwann. Und es ist ganz bestimmt ein Vielleicht.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Beautiful alarms
  • Emergency
  • Last
  • Gravity bent light

Tracklist

  1. The blood is on the wall
  2. Beautiful alarms
  3. Emergency
  4. Last
  5. Fever pitch
  6. Death verses
  7. Towered
  8. Gravity bent light
  9. Monumental

Gesamtspielzeit: 39:55 min.

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