The Charlatans - Simpatico

The Charlatans- Simpatico

Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 21.04.2006

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hinterhof

Zuerst die gute Nachricht: "Blackened blue eyes" ist die bislang beste Charlatans-Single dieses Jahrzehnts. Tim Burgess und Kollegen haben die Beschaulichkeit von "Up at the lake" kurzzeitig in den Tümpel katapultiert und lange verloren geglaubte Qualitäten reanimiert. Man könnte es gar "Besinnung auf die musikalischen Wurzeln" nennen: pulsierend, hymnisch, sympathisch ungehobelt. Madchester reloaded. Und dann noch ein unerwartet euphorisches Selbstportrait zu Beginn: "A charlatan I / Noble and wild." Das sind die Charlatans, wie man sie über Jahre hinweg schmerzlich vermißte.

Nun die schlechte Nachricht: Ab Song Nummer zwei geht das schmerzliche Vermissen wieder los. Und weiter. Genau bis zu "Glory glory", einer liebevoll um einen Schellenkranz geflochtenen Ballade der guten alten Schule. Nur schade, daß die Platte keine vier Minuten später - nämlich nach dem Chill-out-Lounge-kompatiblen Instrumental "Sunset & vine" - schon zuende ist. Das neunte Album der Charlatans, produziert von Jim Lowe (Stereophonics) und in nur vier Wochen aufgenommen, ist also so etwas wie ein fad belegtes Sandwich, dessen matschige Gurkenscheiben aber immerhin von zwei erstklassigen Weißbrothälften zusammengehalten werden.

"Simpatico" wildert erstaunlich oft und teilweise auffällig ungelenk in Dub- und Reggaegefilden; Hammondorgel und Melodica wurden entstaubt, ein paar exotische Trommeln angekarrt. Wobei an dieser Stelle auch die überdrehte Big-Apple-Hommage "NYC (There's no need to stop)" erwähnt werden muß, die irgendwo zwischen The Clash, James Brown und den Village People herumflippt. Das Quintett hört sich selbst übrigens in der Kategorie "schäbige, dunkle Seitenstraße". Der Versuch, düster zu klingen, läßt sich zumindest an den Songtiteln ablesen. Wie aus dem Proberaum einer mittelmäßig kreativen Feierabend-Heavy-Metal-Band: "Dead man's eye", "Muddy ground", "City of the dead", "Road to paradise". Musikalisch ist das eher eine Spritztour auf der Straße der Langeweile. Mit halbleerem Tank und nostalgischen Sympathiepunkten im Reservekanister.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Blackened blue eyes
  • Glory glory

Tracklist

  1. Blackened blue eyes
  2. NYC (There's no need to stop)
  3. For your entertainment
  4. Dead man's eye
  5. Muddy ground
  6. City of the dead
  7. Road to paradise
  8. When the lights go out in London
  9. The architect
  10. Glory glory
  11. Sunset & vine

Gesamtspielzeit: 44:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
The MACHINA of God
2012-09-18 12:37:41 Uhr
"Blackened blue eyes" ist absolut grandios.
The MACHINA of God
2011-08-06 20:47:48 Uhr
Rezi und Meinungen gehen hier ja ordentlich auseinander.
Armin
2007-03-14 20:35:57 Uhr
The Charlatans: Forever. The Singles | VÖ: 16.03.2007 (CD Album)









Entstanden sind The Charlatans 1989 in Manchester, als die Madchester-Welle gerade um die Welt schwappte. In den folgenden Jahren erlebten sie mit den Happy Mondays und den Stone Roses ihre größten Erfolge, doch von der Bildfläche verschwanden The Charlatans nie.

Zu verlockend war und ist ihr poppiger, feinsinniger Orgel-Sound und der Gesang von Tim Burgess. The Charlatans stehen für großen Pop. Auf „Forever.The Singles“ finden sich ihre famosen Dreiminüter zu einer herrlichen Werkschau zusammen. Mit dabei ist ihre Debütsingle „Indian Robe“, die ihnen 1990 einen Plattenvertrag einbrachte. Mit ihren unsterblichen Songs wie „Weirdo“, „The Only One I Know“, „One To Another“ und „Love Is The Key“ gehören The Charlatans ohne Frage immer noch ins Repertoire eines jeden Indie-DJs.

rüde
2006-12-31 02:17:14 Uhr
kommen die mal auf tour,armin?
GoodOldMadchester
2006-07-28 19:53:21 Uhr
bin auch positiv überrascht, die CD ist echt klasse...finde beim ersten Hören v.a. "for your entertainment" geil. Die Jungs haben´s halt drauf, und bei diesem Album entdeckt man eine Songperle nach der anderen...
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