Kaizers Orchestra - Live at Vega

Kaizers Orchestra- Live at Vega

Vertigo / Universal
VÖ: 15.04.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Stadium orchestradium

Es mußte geschehen. Die Rufe waren zu laut und die Menschen zu gierig. Entfernungen spielten keine Rolle und das liebe Geld schon gar nicht. Gasmasken wurden verteilt, Ompa vorm heimischen Spiegel getanzt. Ausnahmezustand im Indieland. So wie das Kind zur Jungfrau kam, tauchte eine musizierende Bande am Himmel des tristen Einerleis auf. Diese verstand es, frenetische Jubelstürme auszulösen und die Sprachkurse "Norwegisch für Anfänger" ausgebucht werden zu lassen. Ein Geheimtip, der nicht lange als solcher währte. Schuld daran ist nicht zuletzt der Ruf einer vorzüglichen Liveband. Als Narrenkappe, Fackel und Beweis dient ihr erstes offizielles Livealbum. Ein wildes Durcheinander. Ein wirres Musizieren. Ein wahrlich königliches Orchester.

In Dänemark steppt der Bär. Natürlich glaubt das keiner, wenn man dieses kleine Sätzchen für sich stehen lassen würde. Denn erstens gibt es in Dänemark keine Bären, und zweitens kommen dort sowieso nur notorische Leisetreter wie die Schöngeister von Kashmir her. Vielleicht kommt der Stein des Anstoßes ins Rollen, wenn man den Club "Vega" in Kopenhagen erwähnt, der nicht nur Schauspiel der wundervollen Kashmir-CD/DVD "The aftermath" ist. Nein, denn man weiß auch in Dänemark um die Wichtigkeit von Importgütern. Und wäre es nicht gelacht, ein bißchen Skandinavistik zu betreiben und die Nordlichter des Kaizers Orchestra einzuladen? Die Rechnung geht vollends auf: Zwei Abende ausverkaufte Hütte. Eine Live-Doppel-CD.

Draufgepackt haben die Norweger nur Ausgewähltes. Ein Vergnügen für das Ein-Mann-Konzert im eigenen Zimmer. "Live at Vega" kommt dahergeschlendert wie der beste Freund des Menschen. Ein verspielter kleiner Hund, der keine Angst vorm Zupacken, Knochenziehen oder Ballspielen hat. Die Fans fressen selbstredend aus der Hand des lautstarken, vor Freude johlenden Janove "The Jackal" Kaizer, der die Stimmung von Siedepunkt zu Siedepunkt führt. Øyvind "Thunder" Storesund, der unlängst mit Cloroform die Tanzbeine schwingen ließ, pumpt mit Kontrabaß und Können die Adern des sich in Trance befindenden Publikums auf, und Rune "Mink" Kaizer gibt den räudigen Straßenköter am Schlagzeug. Die Hits kommen natürlich alle an der Leine.

Vorneweg schickt man das pulsierende "KGB", das die Jubelschreie einfängt, formt und zu einem einheitlichen Getöse treibt. Das traurige "Christiania" könnte neben Herzen auch Feuerzeuge entflammen. Was nicht passiert. Denn hier wird nicht geheuchelt. Hier ist man echt. Nix Bon-Jovi-Konzert-Attitüde. Der bestechende zweite Teil der Zusammenstellung zieht sämtliche Trümpfe, die man aus den Taschen des Kaizers Orchestra ziehen könnte. Sirenengeheule, "Evig pint", und schon ist man mitten im Schweinesud der Dampfpolka. Das melodische "Maestro" wird gefeiert, als gäbe es kein anschließendes "Mr. Kaizer Hans Constance & Meg", welches allerdings wiederum keinen Janove braucht. Die Stimmgewalt des Publikums reicht völlig aus, um Gänsehaut auf die Kopfhaut zu zementieren.

Die Derwische aus Norwegen wissen ganz genau, wie man einen Hasen brät. Altbewährte Powerpolka, osteuropäischer Zwiebeldampfsud auf gegerbter Ziegenlederhaut. Eine Lawine von Energie ballt aus den Boxen, und ein Entzug scheint nur durch gezwungene Abstinenz mittels Zwangsjacke möglich. "Live at Vega" ist nicht unbedingt besser oder brillanter als die durchweg guten Studioalben, aber doch zumindest stimmungsvoller. Ein Heidenspaß. Was passiert wohl nach der nächsten Platte? Wenn die Hallen größer werden? Und der Polkatanz professionalisiert wird? Kaum auszudenken.

(Christian Preußer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Christiania
  • Maestro
  • Mr. Kaizer Hans Constance & Meg

Tracklist

  • CD 1
    1. KGB
    2. Delikatessen
    3. Knekker deg til sisit
    4. Hevnervals
    5. Container
    6. Señor Flamingos Adieu
    7. Blitzregn Baby
    8. Bon fra helvete
    9. Mann mot mann
    10. Kontroll på kontinentet
    11. Christiania
    12. På fitt skift
    13. Dr. Mowinckel
    14. Di grind
    15. Dieter Meyers int.
  • CD 2
    1. Evig pint
    2. Ompa til du dor
    3. Maestro
    4. Mr. Kaizer Hans Constance & Meg
    5. Sigoynerblod
    6. Bat et halleluja
    7. Resistansen
    8. 170
    9. Die Polizei

Gesamtspielzeit: 108:28 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify