The Alpine - On feel trips

The Alpine- On feel trips

Supersonic / GUN / Sony BMG
VÖ: 15.04.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nordische Kombination

Wenn bekannt wird, daß die Wiege einer Band in der norddänischen Stadt Aalborg steht, hat man unwillkürlich den gleichnamigen Aquavit als Taufpate vor Augen. Und so ganz falsch ist das im Fall von The Alpine auch gar nicht: Das 2001 gegründete Quintett musiziert stets dicht an der Enthemmungsgrenze. Dabei klingen die vier Herren und die Quotendame ungefähr so, wie das derzeit viele Bands aus Skandinavien tun - nach schlankem Glamrock mit großzügig aufgetragener Eighties-Synthie-Schminke und deutlicher Tendenz zu metrosexueller Melodieführung. The Alpine haben ihr recht neutral formuliertes Visitenkärtchen gleich ins Albumcover eingedruckt: "Contemporary Danish beat music", steht da. An einigen Stellen ist das Debüt der Dänen ganz schön cheesy, aber Esrom ist ja durchaus auch was Feines.

Nach einigen plattenvertragslosen, aber dafür demoproduktiven Jahren waren The Alpine 2005 bei "MTV A Cut" zum ersten Mal öffentlichkeitspräsent. Gemeinsam mit neun anderen europäischen Bands wetteiferten sie in einer Reality-Doku darum, wem für ein Konzert die streitbare Ehre zuteil wurde, Anastacia zu supporten. Die Dänen schafften es zwar nur auf den zweiten Platz, schrieben während ihrer Zeit im Londoner Exil allerdings ihren ersten kleinen Indiehit, "Mondays look the same", in dem sie schamlos "I'm sick and tired / Of always being sick and tired" verkünden und zwischen dem Augenzwinkern in Richtung Anastacia noch souverän eine Keyboard-Einlage à la "Cold as ice" aus den Tasten schnitzen. "All we care 'bout / Is how to please the masses", geben sie dann auch direkt zu - die "Box office band" marschiert tatsächlich unaufhaltbar ins Ohr. Auf eine leicht zu durchschauende, aber schwer sympathische Art und Weise.

"Trigger" huscht mit gebirgsbächleinklaren Keyboardoktaven gleich hinterher, und die Percussion klingt passend zum alpinen Bandnamen nach zweckentfremdeter Aluminiummilchkanne. Das weibliche Fünftel darf "Two steps" gesanglich eröffnen, kann trotz hübschem Popstimmchen allerdings nicht vermeiden, daß sich die Nummer wie Kaugummi zieht und den Eindruck erweckt, hier würde mit halbem Tempo an technischer Perfektion gefeilt. "High underground" spielt mit dem größten Vergnügen Riffe versenken, schwimmt insgesamt aber eher an der Oberfläche. Da gestaltet sich "Winnebago" schon wesentlich interessanter: Man stelle sich eine Broadway-Produktion in einem Bergwerk vor. "Sham on" hingegen könnte glatt einer Aerobic-Platte entstammen, inklusive funky Gitarren.

Nein, an Referenzphobie leiden The Alpine nun wirklich nicht: "Iceland" mixt die Pet Shop Boys (Strophe) mit den Backstreet Boys (Refrain) - und das Ergebnis klingt trotzdem nicht so, als hätte man dort hineingegriffen, wo kleine Jungs gelegentlich mal hinmüssen. "Don't touch the china" bringt entfesselte Musicalpassion ins Spiel, und "Crazy glue", tja, das ist schönster zuckersüßer Schunkelpop, der auch nicht mit dem einen oder anderen glitzernden ABBA-Moment geizt. "Adrian" dreht nochmal richtig den Verstärker auf, während "No I in team" die Bandphilosophie erklärt: Das Team ist der Star. Und das The-Alpine-Team macht zwar in Sachen Innovation nicht viel selbst, aber dafür fast alles richtig. Darauf einen Aquavit!

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Box office band
  • Trigger
  • Mondays look the same
  • Crazy glue

Tracklist

  1. Box office band
  2. Trigger
  3. Two steps
  4. High underground
  5. Mondays look the same
  6. Winnebago
  7. Sham on
  8. Iceland
  9. Don't touch the china
  10. Crazy glue
  11. Crazy glue
  12. No I in team
  13. Adrian

Gesamtspielzeit: 55:31 min.

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