El Perro Del Mar - El Perro Del Mar

El Perro Del Mar- El Perro Del Mar

Memphis / Cooperative / Rough Trade
VÖ: 15.04.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Süßigkeiten

Nicht nur Briefträger, Fernsehkommissare und Rudolph Moshammer werden/wurden von Hunden verfolgt. Auch Songwritern mit Sinnkrise kann so was schon mal passieren. Die Schwedin Sarah Assbring etwa war vor einiger Zeit zum Nachdenken an die spanische Küste geflogen. Dort saß sie so rum, fragte sich, warum die Melodien bisher immer nur in ihren Träumen funktionierten und wollte schon alles hinschmeißen, als plötzlich ein kleiner Hund auftauchte und fortan tapfer hinter ihr herlief. "Something about this moment just spoke to me", sagt Assbring heute, obwohl sie das Tier nicht mal mit nach Hause genommen hat. Lieder schreibt sie trotzdem wieder. Und nennt sich nun El Perro Del Mar. Ist doch logisch.

Passiert ist das alles vor drei Jahren, es kommt einem aber vor, als müsse es 1968 gewesen sein, wenn man nun die Platte zur Geschichte und somit das Europa-Debüt von El Perro Del Mar hört. Assbring singt mit rotweißem Lollipop im Mund, so wie es Beth Gibbons vielleicht getan hat, bevor die Dämonen kamen. Die reinste Unschuld, aber nur gespielt, natürlich. "I'm going for to buy me some candy", lautet schon der erste Refrain, und das ist typisch für Assbring, die sich gerne verbeißt in solchen Sugar-Doll-Zeilen, ohne dabei jemals wie ein leichtes Naschkätzchen zu klingen. Bei ihren Süßigkeiten bekommt man die Bauchschmerzen ohnehin gleich mitgeliefert.

Natürlich ist "El Perro Del Mar" Bubblegum-Pop, mitunter gar angelehnt bei den klassischen Motown-Girl-Groups der 60er Jahre. Es ist aber deshalb noch lange nichts, was man gewissenlos zwischen zwei Mahlzeiten schieben sollte. Schon das leicht verrutschte "Candy" hört sich nach betäubter Traurigkeit an. In "God knows (You gotta give to get)" wird Assbrings stets präsente, immer schüchterne Akustikgitarre von süßsauren Honey-Pie-Streichern beiseite gedrängelt. Und selbst das ständige Schubidu und Shalala der bemühten Hinterfrauen will keine vernünftigen Kaugummiblasen machen. "LoFi-Phil-Spector" nennt das Label diese bitteren Pillen auf einem Extralöffel Zucker. Und das ist nicht nur das Oxymoron des Monats. Das ist sogar die Wahrheit.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Candy
  • God knows (You gotta give to get)
  • This loneliness
  • Here comes that feeling

Tracklist

  1. Candy
  2. God knows (You gotta give to get)
  3. Party
  4. People
  5. Dog
  6. I can't talk about it
  7. Coming down the hill
  8. This loneliness
  9. It's all good
  10. Here comes that feeling

Gesamtspielzeit: 32:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
smörre
2008-06-12 16:41:52 Uhr
Es gibt Beschreibungen, die sind in ihrer Kürze und Prägnanz so genial, dass jedwede andere Umschreibung ungelenk und stumpf wirken muss. »Musik wie entkoffeinierter Milchkaffee«, sagt dazu ein Freund und gewinnt damit das Dosenwerfen. Treffer, unten mittig.

Immer noch geht es im Kosmos der jungen Schwedin um moderne Liebeslieder, die in aller Bedächtigkeit und Seelenruhe intoniert werden. Süßlich und harmlos schwelgen sie in der eigenen Glückseligkeit, so dass man eigentlich nie aufschreckt und die Längen dieses Album mitunter selbst verschläft. Die erhabene Atmosphäre und die ausladenden Popsounds retten dieses Werk ins Mittelmaß.
smörre
2008-06-12 16:35:24 Uhr
Neue Platte ist sehr gleichförmig geraten. Neuerungen waren zwar nicht unbedingt zu erwarten gewesen, aber dennoch langweilt mich der ewig nette Klang ein wenig. Das Debüt hatte zudem die klar besseren Songs und Melodien. So mittelprächtiges Werk.

Konsum
2008-06-12 16:27:56 Uhr
Schon jemand was von den neuen Sachen gehört? Bin gespannt, wie die neue Scheibe so wird...
LostInACity
2006-06-12 18:29:08 Uhr
Live jedenfalls weniger süß, darum schöner. Ich würd auch eher nochmal aufs Konzert als mir die Cd zu kaufen.
Mixtape
2006-06-12 18:05:29 Uhr
Einzelne Lieder von ihr - super, hintereinander gehört, überkommt mich aber das Gefühl, schnell einen zahnarzttermin machen zu müssen. Dieses Gefühl versuche ich dann doch zu vermeiden.
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