Morningwood - Morningwood

Morningwood- Morningwood

Capitol / EMI
VÖ: 07.04.2006

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Lattenschuß

Es ist schon alarmierend, wenn direkt nach Aktivieren des Play-Buttons nur eine einzige Frage durch die Synapsen prescht: Meinen die das ernst? "Die" heißen in diesem Fall Chantal Claret und Pedro Yanowitz. Sie ist Anfang zwanzig, recht proper und auch gerne mal freizügig. Kann lüstern säuseln wie ein versautes Highschoolgirl, aber auch kreischen, als habe sie gravierende Probleme mit prämenstrueller Gereiztheit. Ihn könnte man möglicherweise noch als Drummer der Wallflowers, von Natalie Merchant oder Money Mark kennen. Mittlerweile hat Yanowitz jedoch das Schlagzeug gegen den Baß eingetauscht, dem bei Morningwood eine besonders prominente Rolle eingeräumt wird. Hin und wieder erweist es sich als aufschlußreich zu recherchieren, wie Musiker ihre eigene Band beschreiben. Bei Morningwood sieht das so aus: "A monster truck having sex with a Bond girl." Die sogleich durch die Synapsen preschende Frage kennen wir bereits.

Kennengelernt haben sich Claret und Yanowitz 2001 auf einer Party, bei der zu später Stunde lustig reihum Karaoke gesungen wurde. Noch in der gleichen Nacht gründeten die beiden Morningwood. Über die Entstehung des leicht anstößigen Bandnamens möge unter Einbeziehung der Gründungsumstände nun jeder seine eigene Theorie aufstellen. Sicher ist allerdings, daß das Debüt durchaus nicht seine Ursprünge verleugnen will: Es klingt schon gehörig nach Partygag und vor allem nach Karaoke auf Musik, die von anderen Bands in anderen Jahrzehnten geschrieben wurde. Vornehmlich in den schnellen, lauten, punkigen Spätsiebzigern, mit Augenzwinkern in Richtung nahe Vergangenheit (Glamrock), aber auch in Richtung nahe Zukunft (New Wave). "Take off your clothes", der erste Song, den Chantal und Pedro zusammen aufnahmen - auch hier denke man sich still seinen Teil - bedient sich hingegen schamlos in der Blütezeit des Grunge. Genauer gesagt direkt bei Nirvanas "Smells like teen spirit".

Auch wenn Produzent Gil Norton (Pixies, Foo Fighters, Echo & The Bunnymen) bei den Aufnahmen in London durchaus wertvolle Dienste leistete - es gelang ihm bedauerlicherweise nicht, das Virus des ständigen Zitierens und Tongue-in-cheek-Zwanges zu eliminieren. Vereinzelte Eigenständigkeit geht mit Belanglosigkeit Hand in Hand. Daß Morningwood monatelang als "next big thing" gehandelt wurden - zumindest in ihrer Heimat New York - erweist sich als vollkommen grundlos. Und man darf sich fragen, ob es bei dieser Bezeichnung denn überhaupt um Musik ging. "Nth degree" ist immerhin ein zwar leicht stupider, aber stark eingängiger Partyhit und "Jetsetter" sogar ein bißchen mehr. Der Rest besteht aus plumpen Riffs, plumper Rhythmik und plumper Schlüpfrigkeit. Die Synapsen haben nach vierzig Minuten Morningwood eine Standleitung für "Meinen die das ernst?" eingerichtet. Vorläufige Antwort: wohl kaum. Aber es wurden wahrlich schon bessere Scherze gemacht. Von anderen Bands. Auch in diesem Jahrzehnt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Jetsetter

Tracklist

  1. Nü rock
  2. Televisor
  3. Nth degree
  4. Jetsetter
  5. Take off your clothes
  6. Body 21
  7. Easy
  8. Babysitter
  9. New York girls
  10. Everybody rules
  11. Ride the lights

Gesamtspielzeit: 41:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
DerZensor
2006-05-30 13:28:20 Uhr
oh eine 3/10

ach so... Frau Mautz

na dann in wirklich eine 6
luna
2006-04-20 11:07:42 Uhr
Bin in Hamburg am Start, wer noch?
Sir Anu
2006-04-12 13:34:03 Uhr
Die Scheibe ist cool. Ich weiss nicht, was eure Frau Mautz dazu veranlasst hat, die so zu verreissen. Das rockt, macht Spass und wieso sollte das nicht Ernst gemeint sein. Ausserdem ist sie ziemlich abwechslungsreich und bietet jede Menge guter Meldodien zum Mitsingen, die auf keinen Fall belanglos sind. Naja, wenigstens ist die Userbewertung da schon etwas positiver ausgefallen.
soad
2006-04-10 15:34:21 Uhr
cool berlin, da bin ich dabei....
Armin
2006-04-10 15:29:17 Uhr
17.05. Köln – Underground (WDR Rockpalast Bootleg)

28.05. Berlin – Lido

30.05. München – Atomic Cafe
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