Dido - No angel

Dido- No angel

Arista / BMG
VÖ: 22.01.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wenn Engel reisen

In einem Moment, in dem Gut und Böse aufeinanderprallen, entsteht etwas ganz Besonderes. So liest sich auch die Geschichte von Dido und Eminem wie ein modernes Märchen. Eminems Toningenieur, so sagt man, habe ins Studio schwärmend ein Mix-Tape mitgebracht, auf dem auch "Thank you" von Dido enthalten war. Die Dinge nahmen ihren Lauf: Rap-Rüpel Eminem verliebte sich auf Anhieb in Didos bezaubernde Stimme und baute, nachdem er Didos Einverständnis eingeholt hatte, behutsam auf den Refrain von "Thank you" seine fast siebenminütige Stalker-Tragödie "Stan" auf. Der Himmel muß sich aufgetan und Funken gesprüht haben, denn was als Ergebnis herausgekommen ist, ist eine moderne Symphonie, die Charts und Anspruch, Sanftmut und Gewalt, unter einem einzigen Dach vereint.

"My tea's gone cold / I'm wondering why I got out of bed at all..." - an den acht Zeilen aus "Stan" wird man Dido in Zukunft messen. Dabei ist dies längst nicht das erste Mal, daß die Britin in Erscheinung getreten ist. In diversen Filmen war bereits ihre Schauspielkunst zu bewundern, während sie als Schwester von Faithless-Mastermind Rollo Armstrong deren Debütalbum "Reverence" ihre Stimme geliehen hat. Auf ihrem Solo-Debüt "No angel" indes sucht man nach "Stan" vergeblich, und dennoch gelang ihr damit in den Staaten, wo das Album schon über ein Jahr lang auf dem Markt ist, problemlos die Emanzipation von der Eminem-Gespielin zur eigenständigen Künstlerin. Neben "Thank you" finden sich elf weitere Eigenkompositionen vom selben Schlage, die Herzen brechen und nur einen Moment später wieder zusammenflicken können. Elfengleich windet sich Dido in "Here with me" zwischen den sanften Zeilen "I won't go, I won't sleep, I won't breathe / Until you're resting here with me", während "Slide" oder "Isobel" scheinbar schwerelos über dem Geschehen schweben und den Albumtitel unweigerlich in Frage stellt.

"You're an angel... or maybe you could have been" trällerte Heather Nova einst. Wer weiß, ob nicht genau das die beiden Künstlerinnen verbindet und Heather Nova damit Dido gemeint haben könnte. Majestätisch und sanft haucht sich Dido durch ihre zwölf Stücke, bei der die ätherischen Keyboard-Klänge oft nicht mehr als schmückendes Beiwerk darstellen, um die zarte Stimme durch die Welt zu tragen. Durchaus ist es dabei reizvoll, Dido auf ihrer Reise zu begleiten. Doch irgendwann, nach einer Minute, einer Stunde, einem Tag des Eingelulltseins scheint durch, woran es "No angel" etwas mangelt. So beginnt man allmählich, das störende Element schmerzhaft zu vermissen, den Gegenpol, der auf "Stan" so eindringlich Kontrastpunkte setzt und Reibung erzeugt. Denn ein Engel auf der linken ist ohne Teufel auf der rechten Schulter leider nur die Hälfte wert.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Here with me
  • Thank you
  • Isobel

Tracklist

  1. Here with me
  2. Hunter
  3. Don't think of me
  4. My lover's gone
  5. All you want
  6. Thank you
  7. Honestly OK
  8. Slide
  9. Isobel
  10. I'm no angel
  11. My life
  12. Take my hand

Gesamtspielzeit: 50:58 min.

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