Killing Joke - Hosannas from the basements of hell

Killing Joke- Hosannas from the basements of hell

Edel
VÖ: 31.03.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unter der Erde

Und sie kommen doch wieder zurück! Kaum eine Band hat sich schon so oft aufgelöst und wieder reformiert wie Killing Joke. Und wer auch immer der Meinung war, nach dem großartigen "Killing Joke" aus dem Jahr 2003 sei schon wieder Schluß mit lustig gewesen, sieht sich dank "Hosannas from the basements of hell" eines Besseren belehrt. Vor allem zunächst eines Lauteren. "Lift up your spirits!", bellt ein unheimlich zorniger Jaz Coleman einem unheimlich verblüfften Hörer entgegen. Puh! War "Killing Joke" schon laut, brüllt "Hosannas from the basements of hell" die höllischen Jubelchöre in einem derartigen Inferno empor, als säße Coleman tatsächlich ein paar Kilometer weiter unten.

Doch der Reihe nach: Killing Joke stehen im 21. Jahrhundert nicht mehr für fluffig-düsteren Wave-Punk-Pop, sondern für infernalische Härte. Doch keineswegs verläuft man sich auf den Irrweg der Härte um des Lärms willen. Mit virtuoser Brutalität - scheinbar widersprüchlich wie ein Tarantino-Film - schneiden Geordie Walkers Riffs durch die Szenerie, felsenfest untermauert durch die kongeniale Rhythmus-Truppe. Und wenn man meint, das richtige Nackenschüttel-Tempo gefunden zu haben, folgt mit Sicherheit die nächste Überraschung.

Zum Beispiel die orientalischen Streicher, die "Invocation" mehr als nur einmal in die Nähe von "Kashmir" stellen. Oder Colemans immer bizarrer werdende Stimme, die in wahnwitzigen Wechseln von Gebrüll auf nahezu beschwörende Klänge schwenkt. Dazu bearbeiten Walker an der Gitarre und Paul Raven am Baß stoisch ihre Geräte, kulminierend im zehnminütigen "Lightbringer", nach dem jeder Hobbydrummer ein Sauerstoffzelt benötigen dürfte. Langweilig? Mitnichten. Hypnotisch? Sicherlich. Faszinierend? Auf jeden Fall. Ein ums andere Mal stellt Coleman unter Beweis, warum Killing Joke Scharen von Rockbands inspiriert haben. Auch wenn er es mitunter mit den Beschwörungen ein wenig übertreibt, auch wenn das Album für formvollendete Intensität einen Tick zu lang ist.

"Hosannas from the basements of hell" gehört zu den größten Werken von Killing Joke. Der arg schepperige Sound, der wie ein Rough-Mix einer Kellercombo klingt, zählt hingegen nicht dazu. Dennoch ist dies Album die Vertonung von Colemans zerrissener Seele: Hier der Feingeist, der als erster Europäer orientalische Musik in Ägypten studierte, dort der von Angst vor der Apokalypse getriebene Paranoiker. Illustriert vom surrealistischen Artwork des russischen Künstlers Victor Safonkin, der wie Hieronymus Bosch hinter vermeintlich friedlicher Fassade Abgründe aufdeckt. Schaurig schön.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Invocation
  • Lightbringer

Tracklist

  1. This tribal antidote
  2. Hosannas from the basement of hell
  3. Invocation
  4. Implosion
  5. Majestic
  6. Walking with gods
  7. Lightbringer
  8. Judas goat
  9. Gratitude

Gesamtspielzeit: 62:00 min.

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