Richard Cheese - The sunny side of the moon: The best of Richard Cheese

Richard Cheese- The sunny side of the moon: The best of Richard Cheese

Surfdog / Sony BMG
VÖ: 31.03.2006

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fondue

Wer einen Song namens "Rape me" mit einem von beschwingtem Ufftata begleiteten "Here is one for the ladies" beginnt, hat entweder gehörig einen an der Klatsche oder zumindest ein etwas gewöhnungsbedürftiges Humorverständnis. Doch das ist man von Richard Cheese, nach eigener Aussage "America’s loudest lounge singer and the hardest working dick in show business", ja seit Jahren gewohnt. Waren seine bisherigen musikalischen Ergüsse teilweise nur auf dem kostspieligen Importwege zu erhalten oder wurden aus sonstigen Gründen bisher bei den Plattentestern Eures Vertrauens links liegen gelassen, ergibt sich nun mit der sonnigen Seite des Mondes die Chance, Verpaßtes nachzuholen.

Und was wäre da ein geeigneterer Anlaß als eine Best of der bisherigen gesammelten Werke des umtriebigen Herrn Cheese und seiner Big Band? Eben. Knapp vierzig Minuten lang gibt es achtzehnmal feinste Lounge-Mucke, aufgeteilt in kleine Zweiminüter-Häppchen. Klingt harmlos und unbedenklich? Zunächst ja. Von daher wundert sich manch einer sicherlich auch über den Tipper-Gore-Gedächtnis-Button ("Parental advisory – Explicit lyrics") sowie den klein gedruckten Hinweis, daß dieser Silberling auch in US-typischer, also zensierter Form käuflich erworben werden kann.

Woran das liegt? Nun ja, Mark Jonathan Davis, so der bürgerliche Name des Cover-Königs, dreht mit Vorliebe bekannte Songs der Alternative-, Rock- und Rapszene durch den chilligen Swing-Wolf. Und da es dort im Original inhaltlich zumeist deftig zur Sache geht, ändert sich das bei der neuen Version natürlich auch nicht. Zugegebenermaßen klingt aber ein "Come on motherfucker" oder "Like I got a fucking gun against my head" in "People equals shit" aus Cheeses Munde schon ziemlich knuffig im Vergleich zu Slipknots Gebrüll. Von Trent Raznors berühmten Zeilen "I want to fuck you like an animal / I want to feel you from the inside.” in "Closer” ganz zu schweigen.

Sex meets Swing. "Baby got back" (Sir Mix-A-Lot), "Girls girls girls" (Mötley Crüe), "Bust a move" (Young MC) und "Badd" (Ying Yang Twins) machen Lust auf mehr. Man schnippt mit den Fingern, nippt am Cocktail und ist freudig erregt, was die Nacht noch bringen mag. Oder so ähnlich. Neben der rappenden Zunft werden mit Disturbed, Limp Bizkit und Korn auch die Neumetaller verjazzt, verswingt und verlounget. Daß das nicht nur zu vorzüglichen Tanznummern, sondern auch bisweilen zu extrem komisch anmutenden Ergebnissen führt, beweist die herrlich bekloppte "Boom na da mmm dum na ema"-Passage in "Freak on a leash". Albern, höhnisch, zynisch, billig, aber sympathisch. Einzig und allein der relativ hohe Abnutzungsfaktor – gerade von den bekannten Coverversionen von Radiohead, U2, The Offspring oder Pink Floyd – schmälert das wiederholte Hörerlebnis. Ansonsten ist "Erlebnis" genau das richtige Wort.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Freak on a leash
  • Nookie
  • Creep

Tracklist

  1. Rape me
  2. People equals shit
  3. Baby got back
  4. Girls, girls, girls
  5. Closer
  6. Bust a move
  7. Down with the sickness
  8. Sunday bloody Sunday
  9. Freak on a leash
  10. Nookie
  11. Another brick in the wall
  12. Rock the casbah
  13. Fight for your right
  14. Hot for teacher
  15. Gin and juice
  16. Come out and play
  17. Badd
  18. Creep

Gesamtspielzeit: 39:11 min.

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