Yeah Yeah Yeahs - Show your bones

Yeah Yeah Yeahs- Show your bones

Polydor / Universal
VÖ: 24.03.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Offene Brüche

Wer schon mal eine Knochenmarkstransplantation durchgeführt hat, weiß ja wie schwierig das ist. Passende Spender sind seltener als freiwillige GEZ-Zahler, das Zeug ist irre empfindlich, und ein ruhiges Händchen muß man heute erstmal haben, wo doch jeder mit dem Handy an der Flosse geboren wird. Man könnte also auch sagen: Kein Wunder, daß die Yeah Yeah Yeahs Spaß an so was haben. Das ist zwar gerade erst ihre zweite Platte, die nun rauskommt, aber trotzdem schon ihre dritte Knochenmarksüberholung. Alter Kram raus, neues Zeug rein, und natürlich alles selbst gemacht. Ohne Betäubung oder sterile Instrumente. Wäre ja auch noch schöner.

Angefangen haben Karen O (voc), Nick Zinner (git) und Brian Chase (dr) vor etwa sechs Jahren noch als Krawallkommando in einer Hochwassergarage, festgehalten auf zwei EPs, von denen besonders die erste eine Komplettvermöblung war, wie sie genialer gar nicht geht. Mit dem Debütalbum "Fever to tell" kam dann 2003 der erste Bruch. Die Band setzte ihrem Art-School-Lärm ein paar ruhigere Momente entgegen, ihre Musik hatte plötzlich auch eine menschliche Seite. Und was nun "Show your bones" angeht, möchte man in einem Moment der Schwäche beinahe sagen, daß die Yeah Yeah Yeahs ganz normale Songs geschrieben haben. Einfache Lieder mit Strophen, Refrains und dem ganzen Quatsch, der sonst noch dazugehört. Zinner hat sich sogar eine Akustikgitarre organisiert.

Das Gute daran: Man merkt es erstmal gar nicht. Das nur scheinbar harmlose Gejodel aus "Gold lion" gefällt sich als Opener und Single darin, Queens "We will rock you" die Nase zu begradigen. "Way out" macht das gleiche mit, nun ja, Dr. Dres "Still D.R.E.", aber auch das ist nicht schlimm, weil man das stotterige Geholper schon mitpfeifen kann, bevor der Song zum ersten Mal vorbei ist. Und "Fancy"? Schleicht sich von hinten an die brodelnden, bedrohlichen Yeah Yeah Yeahs heran, die man mal zu kennen geglaubt hat. Mit anderen Worten also: Nach drei Songs steht höchstens fest, daß Karen O. mal wieder eine mächtige Show abzieht.

Aber man kommt da schon mit zurecht, so schwer ist das gar nicht, zumal die Songs sich ziemlich schnell am Riemen reißen und zu den besten auftrappeln, die die Yeah Yeah Yeahs bisher geschrieben haben. "Cheated hearts" etwa hangelt sich an Zinners erst lauernder, dann explosiver Gitarre entlang zum verstauchten, aber doch ungebrochenen Hit der Platte. "Warrior" wärmt sich ein bißchen an sentimentaler Lagerfeuerromantik, bevor es doch auf dem Scheiterhaufen landet. Und kein Stück entlarvt Os unschuldig anmutende Kinderliedmelodien deutlicher als "Turn into", das am Ende wiederum hingerissen wird von einer motzig quäkenden Gitarre, die hier noch jeder akustischen Gefälligkeit auflauert. Man weiß jetzt zwar, wo der Pop wohnt. Aber man muß ja nicht gleich über Nacht bleiben.

Daß "Show your bones" nicht nur gegen die eigenen Grenzen anrennt, bis sie eingerissen sind, sondern auch kapiert, wann es mal gut ist - das ist vielleicht sogar die größte Lektion, die O und ihre Männer in den vergangenen drei Jahren gelernt haben. Man möchte sie jetzt beinahe clever nennen, wenn man so sieht, wie sie Tempo machen und rausnehmen, die Krallen zücken oder zurückziehen und dabei immer einen Schritt weiter sind als ihre Zuhörer. Sicher, die schreiben jetzt ganz normale Lieder. Aber wer deswegen gleich übermütig werden will, hört sich besser mal den lustig eiernden Popsong "Mysteries" ab Minute zwei an. Viel Spaß beim Knochensortieren.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Cheated hearts
  • Mysteries
  • Warrior
  • Turn into

Tracklist

  1. Gold lion
  2. Way out
  3. Fancy
  4. Phenomena
  5. Honeybear
  6. Cheated hearts
  7. Dudley
  8. Mysteries
  9. The sweets
  10. Warrior
  11. Turn into

Gesamtspielzeit: 38:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dan
2007-12-22 11:45:50 Uhr

wieder rausgekramt...

mag das, wie sich "Warrior" mittendrin ändert und die Kurve nimmt ;)
Dan
2006-10-08 14:03:45 Uhr
"Turn Into" ist YYYs mit mehr Pop - steht ihnen aber sehr gut ;)
haben dieses Jahr wohl 2 perfekte und doch unterschiedliche Singles abgeliefert...

versteh auch nicht, wieso manche das Album als schlecht empfinden?
LostInACity
2006-05-01 18:39:48 Uhr
und mit ihrer frisur. was ein topf! das sieht so supi aus, die frau ist einfach ne wucht.
rolle-rückwärts
2006-05-01 18:36:17 Uhr
Stimmt. Mit ihren zittrigen Händen. Uuhaa. Doch, wer mehr Sexappeal im Geschäft hat bitte melden.
LostInACity
2006-05-01 18:33:55 Uhr
@rolle:
dann nehm ich Queen, weil die cooler sind. :D

nee, ernsthaft. gold lion reißt mich bei jedem Mal hören unheimlich mit. Karens stimme ist ja so sexy und wild(o gott, wie plakativ)und das kann total beflügeln. turn into, naja, da hab ich nicht so ein bezug zu.

vllt liegts auch daran, dass ich gold lion in vorfreude auf das neue album das erste mal auf mtv gesehen hab und dachte wow! was ein song! was ein video! was eine karen! -----bin schon wieder viel zu euphorisch..
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