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Secret Machines - Ten silver drops

Secret Machines- Ten silver drops

Reprise / Warner
VÖ: 24.03.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hoch oben

Staudammbrechende, tonnenschwere Bonzo-Gedächtnis-Grooves schleppten sich mit hypnotischer Wucht unbeirrbar vorwärts. Weltraumorgeln durchwaberten Raum und Zeit, ummauert von meterdicken Gitarrenwänden. Mit ihrem Debüt "Now here is nowhere", diesem seltsam faszinierenden, spröden Brocken zwischen stampfendem Bratgitarrengeschmadder, weitgetragenen Himmelschören und traumverloren-psychedelischem Space-Rock, hatten Secret Machines vor knapp zwei Jahren den Überraschungseffekt auf ihrer Seite. Ihr weitschweifiger Bombast forderte Geduld und aufmerksames Hören, krachte aber wie ein scharfkantiger Meteorit in viele Ohren der alternativen Rockszene. Fünf Wochen lang kerkerten sie sich im vergangenen Sommer ein, um in abgeschiedener Ödnis an ihrem neuen Epos zu feilen.

Und sie haben einige Schrauben neu justiert. Die Weite des Raumes atmet auch der neue Wurf "Ten silver drops". Ungeduldige Ohren werden auch hier schnell hibbelig auf und ab trippeln, ehe sie die Flucht ergreifen. Noch immer entfalten sich die Songs mit stoischer Ruhe, lassen kaum hetzen. Und doch hat sich einiges verändert. Ein wenig sanfter sind sie geworden, fast möchte einem das Wort "poppiger" von der Zunge hüpfen. Es kehren teilweise andere Besen auf "Ten silver drops", mit weicheren Borsten. Die schroffe, ungeschliffene Direktheit, das bollernde Scheppern ist einem vielschichtigeren Klangbild gewichen. Sie haben das wilde Tier in sich ein wenig gebändigt. So umschmiegen uns im Opener "Alone, jealous and stoned" zunächst weiche Streicherschwaden, sprudeln kleine Synthieseifenblasen, ehe die massiven Rhythmen losmarschieren, doch weit weniger mächtig, als wir es schon kennen gelernt haben. Das harmonische Gerüst tragen hier Klavierakkorde, während die Gitarre sich zunächst, von Hall umschwebt, gemütlich durch den Hintergrund zupft. Erst allmählich erobert sich die alte Wucht ihren Thron zurück, brandet mit tosender Gischt, zieht sich aber alsbald auch wieder zurück, um lyrischeren Tönen und Sphärengezwitscher Platz zu machen.

Bei der Single "Lightning blue eyes" kratzt man sich zu Beginn fast das Kinn, ob sich Jimmy Eat World unbemerkt in den Player geschlichen haben. Lupenreiner, leicht melancholischer Gitarrenpop umtanzt die Gehörgänge. Und auch wenn sich die Anfangsassoziation flink wieder verwischt: Der rauhe, schleppende Monstergroove, der große Teile des Vorgängers ausmachte, bricht sich erst in "Daddy's in the doldrum" wieder Bahn. Doch selbst hier dauert es, ehe es ungebremst schäumt. Doch scheinen sie wieder ganz zu sein, wer sie waren, um dies auch die nächsten zwei Stücke über zu bleiben. Kraftvoll, langsam, von hypnotischem Sog.

Fast schon balladesk gibt sich der Ausklang des Albums mit "I want to know if it's still possible" und dem famosen "1000 seconds". Mit beherztem Griff in die Pink-Floyd-Schatzkiste tauchen Secret Machines in sanfte, klavierbetupfte Sphären, schwurbeln sich durch synthetische Umlaufbahnen, lassen sogar Garth Hudson von The Band schlingernde Akkordeonschleifen in den Klangkosmos weben. Der Hallregler steht auf Anschlag, zarte Chöre umarmen das harmonische Fundament, das Melotron streichelt zärtlich darüber. Secret Machines lassen alles entspannt fließen, sich aufbäumen, abflauen, wieder anschwellen, auslaufen. Die neuen, feiner gewebten Kleider stehen den Songs, doch fallen die Kurven ein klein wenig flacher und weniger üppig aus. Noch sind sie unterwegs auf verschlungenen Pfaden über das Hochplateau. Sie suchen und sie finden.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Alone, jealous and stoned
  • Daddy's in the doldrums
  • 1000 seconds

Tracklist

  1. Alone, jealous and stoned
  2. All at once (It's not important)
  3. Lightning blue eyes
  4. Daddy's in the doldrums
  5. I hate pretending
  6. Faded lines
  7. I want to know if it's still possible
  8. 1000 seconds

Gesamtspielzeit: 45:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

noise

Postings: 1184

Registriert seit 15.06.2013

2026-05-20 13:57:21 Uhr
Ich war damals auch vom Debut begeistert gewesen. Konnten aber für mich das Niveau nicht ganz halten. Bin dann nach der sehr ordentlichen S/T ausgestiegen.

Huhn vom Hof

Postings: 10997

Registriert seit 14.06.2013

2026-05-20 12:02:55 Uhr
Die Band ist ja seit 2020 wieder aktiv. Hab sie leider auch noch nie live gesehen (hab die Band erst 2017 entdeckt), aber vielleicht gibt es ja irgendwann nochmal Konzerte in Deutschland.

https://en.wikipedia.org/wiki/Secret_Machines

Leech85

Postings: 1156

Registriert seit 15.03.2021

2026-05-20 10:48:29 Uhr
Gehe ich absolut mit. Habe mir dieses Weekend in einem Vinyl Shop diese Platte geholt da ich sie zufällig entdeckt habe. Schon früher liebte ich diese cd.
Jedoch sind alle Secret Machines Alben genial vor allem die self Titled.
Schade dass ich diese Band nie live sehen konnte.

Huhn vom Hof

Postings: 10997

Registriert seit 14.06.2013

2026-05-19 21:27:20 Uhr
"Alone, Jealous And Stoned" ist immer noch einer der besten Opener.

Huhn vom Hof

Postings: 10997

Registriert seit 14.06.2013

2026-05-12 12:43:25 Uhr
Ja, das Debüt "Now Here Is Nowhere" ist toll, es ist auch wuchtiger als "Ten Silver Drops".

Und "1,000 Seconds" ist eine wunderschöne Ballade.
Zum kompletten Thread

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