The Flower Kings - Paradox hotel

The Flower Kings- Paradox hotel

InsideOut / SPV
VÖ: 24.03.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Vollpension

Manchmal muß man sich wirklich fragen, ob Roine Stolt nach produzierten Songminuten bezahlt wird. Akkorde im Akkord sozusagen, um den Kalauer nicht ungenutzt zu lassen. Hat er erst vor einem halben Jahr mit "Wallstreet voodoo" solo durchaus überzeugen können, so kehrt er im "Paradox hotel" gemeinsam mit dem Rest der Flower Kings erneut zweigeschossig ein. Mit einem Doppelalbum. Seine Arbeitswut in allen Ehren. Aber die Befürchtung, hier Masse statt Klasse geboten zu bekommen, drängt sich durchaus auf.

Nach dem einfach nur langen, aber selten spannenden Zwanzigminüter "Monsters & men" vertiefen sich die Sorgenfalten in der hohen Stirn. Irgendwie zu gewollt spontan klingt so manche Jam-Einlage, zu sehr Gefrickel um des Frickelns willen. Nun gut, man sollte den Blumenkönigen zugute halten, daß das Album tatsächlich fast komplett live eingespielt wurde. Und das bei einem Genre, deren Protagonisten dafür berüchtigt sind, mehr Zeit im Studio als an der frischen Luft zu verbringen.

Trotzdem: Die anfangs lediglich gerunzelte Stirn setzt sich kurze Zeit später kopfschüttelnderweise in Bewegung; zu verschnarcht und einfallslos tröpfeln balladeske Songs wie "Selfconsuming fire" ins Ohr. Sollten die Flower Kings tatsächlich statt des Luxushotels eine Billigabsteige erwischt haben? Doch wie so oft im Artrock wird derjenige belohnt, der das nötige Durchhaltevermögen an den Tag legt und auch den zweiten Silberling ausgräbt.

Denn plötzlich sprühen die Ideen wieder aus dem Polycarbonat. Anfangen mit "Minor giant steps", das wie leichtfüßiges Tänzeln daherkommt, werden die Flower Kings auf einmal - ja, wirklich! - eingängig. Die Leichtigkeit des Prog wird mit den bisweilen völlig abgepfiffenen Polyrhythmen, insbesondere bei "The unorthodox dancing lesson", unter Beweis gestellt. Hinzu kommt, daß Sänger Hans Froberg, auf "Adam & Eve" teilweise noch außer Form, hier Großartiges leistet, streckenweise dabei gar an Doug Pinnick (King's X) erinnert.

Zum Checkout stellen wir demnach fest, daß die Flower Kings diesmal sehr spät in die Pötte kommen. Zu spät, möchte man mitunter anmerken, wenn denn mal wieder die erste CD aus dem Player fliegt und nach der zweiten gekramt wird. So bewundernswert Stolts Kreativität auch ist: Er sollte auch einmal den Mut haben, nur die wirklichen Highlights zu veröffentlichen. Im Trakt mit den Yes-Nachfolgern ist nämlich nach dem musikalischen Offenbarungseid von Spock's Beard noch ein Zimmer frei. Vermietung dringend erwünscht.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Minor giant steps
  • The unorthodox dancing lesson

Tracklist

  • CD 1
    1. Check in
    2. Monsters & men
    3. Jealousy
    4. Hit me with a hit
    5. Pioneers of aviation
    6. Lucy had a dream
    7. Bavarian skies
    8. Selfconsuming fire
    9. Mommy leave the light on
    10. End on a high note
  • CD 2
    1. Minor giant steps
    2. Touch my heaven
    3. The unorthodox dancing lesson
    4. Man of the world
    5. Life will kill you
    6. The way the waters are moving
    7. What if God is alone
    8. Paradox hotel
    9. Blue planet

Gesamtspielzeit: 136:04 min.

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