Willard Grant Conspiracy - Let it roll

Willard Grant Conspiracy- Let it roll

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 17.03.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Im Schatten

Sie sind und bleiben die ewig Unterschätzten. Während Nick Cave mit seiner sonoren Stimme seit Jahrzehnten alle Ehren einheimst, Madrugada neuerdings ähnliches geschafft haben und die Walkabouts mit ähnlicher Spielart das Publikum begeistern, fristen Willard Grant Conspiracy ein Schattendasein. Dabei hat der untersetzte Rauschebartträger Robert Fisher eine sonore Stimme, die sich nicht im geringsten von ungleich berühmteren Pendants verstecken muß. Und schreibt das Sextett aus Boston mit hartnäckiger Konstanz Songs, die feinstens austariert sind. Die weder im Wüstenstaub stecken bleiben, noch sich in zweifelhaften Gospel-Chören ergehen wie bei Herr Cave in jüngerer Vergangenheit gerne üblich.

Nein, Willard Grant Conspiracy sind ein eingespieltes Team, setzen vor allem auf eine Vielfalt von Instrumenten, und diese in Maßen statt in Massen ein. Neben Bandmitglied Josh Hillman, der nur für Geige und Viola zuständig ist, begrüßen sie auch auf "Let it roll" wieder Gäste wie Chris Eckman (The Walkabouts), Dennis Cronin (Lambchop), Steve Wynn oder Mary Lorson an Trompete, Akkordeon, Mandoline, Harmonium, Analog-Synthesizer und singender Säge. Im Hintergrund passiert eine ganze Menge, jedoch stets frei von Penetranz und immer im Dienste des Songs. Was noch sehr schablonenhaft klingen mag, geht in manchem Song mit einer Strahlkraft auf wie die Sonne nach einer durchregneten Nacht. Willard Grant Conspiracy sind trotz schleichenden Tempos und bitterer Stimme immer wieder gut für ein Hochgefühl. Und sollte man wie im Dylan-Cover "Ballad of a thin man" tatsächlich mal reif für den Galgen sein, schnibbelt der nächste Song den Strick durch.

Besonders bemerkenswert ist der Opener "From a distant shore". Hier reicht Fisher seine Hände an Geige, Gitarre und Konzertflügel, dazu spielt die Trompete ein wunderbares Motiv. Dank solcher Momente weiß man ganz genau, wieso man eigentlich Musikfan ist, wieso einem die Ohren Empfindungen verschaffen können, zu denen kein anderer Sinn imstande ist. Der Song basiert auf dem berühmten Brief von Major Sullivan Ballou, den dieser im amerikanischen Bürgerkrieg eine Woche vor seinem Tod an seine Frau schrieb, bewegt aber auch ohne Hintergrundwissen. "I'll stay awake until nothing's left to say." Fürwahr.

Daß es nach einem derart ergreifenden Auftakt die folgenden Songs schwer haben, mitzuhalten, ist abzusehen. Aber sie machen das Allerbeste daraus. Zweimal wird die Neun-Minuten-Grenze überschritten: im treibenden Titelsong und dem ungleich entspannteren "Skeleton". Auch sonst sehen Willard Grant Conspiracy keinerlei Grund zur Eile, sorgen für eine Durchschnitts-Songlänge von über sechs Minuten. Daß das aufgeputschte "Breach" etwas aufgesetzt wirkt und die breit angelegte Stimmungsmache der langsamen Songs manchen stören mag, spielt kaum eine Rolle. Gerade das Wechselbad aus Unaufgeregtheit und grenzenloser Intensität macht diese Band aus. Willard Grant Conspiracy verdienen es, endlich gehört zu werden. Weitersagen!

(Armin Linder)

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Highlights

  • From a distant shore
  • Flying low
  • Skeleton

Tracklist

  1. From a distant shore
  2. Let it roll
  3. Dance with me
  4. Crush
  5. Flying low
  6. Skeleton
  7. Breach
  8. Mary of the angels
  9. Ballad of a thin man
  10. Lady of the snowline

Gesamtspielzeit: 62:28 min.

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