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Robert Pollard - From a compound eye

Robert Pollard- From a compound eye

Vital / PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.02.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Soloalbum

Ja, schon klar. Aber es war halt so vor beinahe zwei Jahren, als Guided By Voices sich auflösten. Soooo ein Klops im Hals während dem abschließenden Decrescendo von "Huffman prarie field", der letzten Nummer auf "Half smiles of the decomposed", mit dem Guided By Voices ihr letztes Album vorlegten. Aber warum eigentlich Plural? Ohne irgendwas und irgendwen abwerten zu wollen: Guided By Voices waren Robert Pollard, so ziemlich. Das ist nun mal so. Und warum dann eigentlich dieser Klops im Hals? Total unnötig, eigentlich. Weil: Klar sind Guided By Voices tot, aber doch der Pollard nicht. Heißt also? Nun, er hätte natürlich endgültig die Gitarre an den Nagel hängen und Hobby-Blumologe werden können. Jetzt mal nur so zum Beispiel. Das hätte er natürlich können. Wirklich? Einen Scheißendreck hätte er. Nach gefühlten 30 Alben in geschätzten 20 Jahren führt eben einfach kein Weg mehr zurück.

Genau das ist es dann auch. Natürlich hatte der Pollard schon vorher unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, kollaboriert und komponiert, aber Startschuß für seine, ähm, richtige Solokarriere fiel mit dem Ende der Guided By Voices. Und jetzt mit diesem Album, das sich "From a compound eye" nennt, und bei dem man schon nach einem Blick auf die Trackliste tierisch grinsen muß. Wie gut, daß da jemand nummeriert hat, denn auf diesem Album sind 26 Stücke enthalten. Sechsundzwanzig! Gut, man hätte natürlich auch anderes erwarten können. Hätte man natürlich. Wirklich? Siehe oben.

"From a compound eye" klingt im Grunde zunächst sehr vertraut. Es sind die Lieder eines sehr, sehr passionierten Songwriters, der über die Jahre eigentlich alles über sein Fach gelernt hat, was es so zu lernen gibt. Und der dann Rock- und Folksongs schreibt, die dieses gewisse Etwas haben. Nur ist dieses Soloalbum dann doch auch irgendwie anders. Ist ja schließlich eine Robert-Pollard- und keine Guided-By-Voices-Platte. Was das bedeutet? Nun, dieses Album wirkt trotz seiner Gimmicks und Kram (Mundharmonika, Tastenstreicher, das übliche) sehr, sehr spontan. Und zwar zumindest teilweise so spontan, daß man meinen könnte, der Pollard wäre irgendwann morgens viertel neun aus dem Bett gefallen, sofort ins Studio gehüpft und pünktlich zum Abendbrot schon wieder fertig gewesen. Mit allem.

Nur so ließen sich viele der Stücke erklären, die irgendwie nach Rohfassung klingen. Als hätte der gute Mann an genau diesem Tag bis dato nur ein paar lose Einfälle in seinem Kopf gehabt und dann mal eben so lange dran rumgeschraubt, bis die Sache halbwegs paßt. Man schaue hierbei nur mal auf wirklich so vieles im Mittelteil. "Kensington Cradle", das von der Gitarre bis zu den (verzerrten) Vocals so trunken und verschleppt klingt, daß es schon fast mehr als Experiment denn als Song durchgeht. Ebenso die schrägen Sägegitarren und noch viel schrägeren Breaks in "50 year old baby". Apropos Experiment: Da hat's ja noch "Conqueror of the moon", das Robert ins Unendliche zu einem fünfminütigen Prog-Etwas dehnt. Und das aus so vielen unterschiedlichen Schnipseln besteht, daß die meisten anderen daraus locker drei bis vier Nummern gestrickt hätten. Das ist er halt mal wieder, der Pollard.

Oft sind es simple Arrangements, die beinahe einen ganzen Titel tragen. Oder lose Fragmente, die weder zu Ende gedacht, noch zu Ende gebracht werden. Gut, die Guided-By-Voices-, pardon, die Pollard-Stücke, die unter dem Namen Guided By Voices liefen, waren auch nicht immer so dröge rund und dreimal nachpoliert. Bei weitem nicht. Was sie ja auch wiederum so unverwechselbar machte. Aber hier geht das schon mal ein wenig zu weit. So weit, daß ein guter Teil dieser Platte einfach nach Lückenfüller riecht. Doch dann sind da wiederum diese herrlichen Harmonien von "Field jacket blues", "Lightshow" "U.S. mustard company" und "Fresh threats salad shooters and zip guns". Und da ist der im wahrsten Sinne des Wortes schmutzige Garagenrock von "I'm a widow" ("I'm a widow and I'm hot to do you."), und alles ist wieder eitel Sonnenschein. Fast. Nur zu schade, daß Pollard mit seinen Spinnereien bis dahin wieder die halbe Belegschaft vergrault hat. Die immer noch nicht mitbekommen hat, daß er ein so viel besserer Songschreiber ist als alle Stipes', Dandos, Mascis dieser Welt zusammen. Denn das ist er. Ohne Frage. Wenn er nur will. Verdammt.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Dancing girls and dancing men
  • Lightshow

Tracklist

  1. Gold
  2. Field jacket blues
  3. Dancing girls and dancing men
  4. A flowering orphan
  5. The right thing
  6. U.S. mustard company
  7. The numbered head
  8. Love is stronger than witchcraft
  9. Hammer in your eyes
  10. 50 year old baby
  11. I surround you naked
  12. Cock of the rainbow
  13. Conqueror of the moon
  14. Blessed in an open hand
  15. A boy in motion
  16. Denied
  17. Lightshow
  18. I'm a strong lion
  19. Payment for babies
  20. Kingdom without
  21. Recovering

Gesamtspielzeit: 70:42 min.

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