Delays - You see colours

Delays- You see colours

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 10.03.2006

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ausgebleicht

Papageienbunte, ästhetisch verknotete Kabelschwärme zieren das Cover des "Faded seaside glamour"-Nachfolgers. Hübsch. Aber man sieht auch gleich: schwarz. Und das bezieht sich nicht nur auf die visuelle Erscheinung des Booklets, sondern vor allem auf die glockenhelle Klangfarbe von Greg Gilberts Stimme, die man entweder sofort innig liebt oder aber auf Dauer nur mit medikamentöser Unterstützung erträgt. Weil sie so zielsicher Nerven tranchiert, wie das sonst nur Johann Lafer in Zusammenhang mit einem Gänsebraten gelingt. Diese feminine Lieblichkeit in Kirchenchortonlage, gepaart mit leidenschaftlich krächzenden Gelegenheitsausflügen in etwas tiefere (Grenz-)Bereiche hat ganz bestimmt einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Aber auf einen Individualitätspunkt kommen mindestens drei Minuspunkte für trommelfellstrapaziöse Koloratur.

Und dann gibt es da noch ein weiteres Manko: Die Farben, um die es bei den Delays aus Southampton geht, sind bedauerlicherweise nicht waschmaschinenfest. Vor allem dann nicht, wenn die Waschmaschine ein Achtziger-Jahre-Synthesizer ist, der auch noch das letzte bißchen "seaside glamour" ausbleicht. Der lustig-luftige Waldfeenpop des Debüts ist elektronisch aufgeblähtem Bombast gewichen, der im Schleudergang die Cocteau Twins mit The Ark, Keane und den Manic Street Preachers verquirlt. "You and me" kommt immerhin noch als veritabler Hit aus der Trommel gehüpft - aufbrausende Streicher (naja - Geräusche aus dem Synthesizer, die Streicher imitieren), kraftstrotzende Hookline, zielsichere Nach-vorne-Dynamik.

Aber dann, tja, dann warten auch schon die restlichen zehn Wäschestücke auf der Leine: fast allesamt eingelaufen. Das passiert nun mal, wenn man empfindliche Songs zu heiß wäscht. Bei der ersten Singleauskopplung "Valentine" hatte auch noch Trevor Horn seine Finger im Spiel und bügelte plumpe Discobeats (circa "Radio gaga" auf LSD) über die Helium-Vocals. "This voodoo's doing me harm / Ooh, ooh, raise the alarm / Maybe this is the moment to pray, dear." Mit dieser Erkenntnis hat Greg Gilbert vermutlich recht. Apropos beten: "This town's religion" lamentiert mit düsterer Miene und gespielt zorniger Rockerpose über begrenzte Horizonte. Und sogleich kommt ein Chor angeritten, um die Opfer des Bösen mit der simplen Formel "Don't let your heart break / This is your finest hour" zu beschwören. Der Stein von "Sink like a stone" heißt in diesem Fall leider Kreativität.

"Too much in your life" und "Given time" haben sich ihre Rhythmusgruppendominanz zwar von all den englischen Exportschlagern des vergangenen Jahres genau abgehört, wirken dabei selbst allerdings eher wie ein Schlagerexport aus einem musikalischen Entwicklungsland. Die Delays sind einfach viel zu kalkulierbar - und der süßliche Erasure-Synthiepop von "Winter's memory of summer" oder die verspielt umherhopsende Gitarre von "Hideaway" keine Retter in der Innovationsnot - auch wenn letztere Nummer zugegebenermaßen ordentlich ohrwurmt. "Lillian" ist so ein Mitsingding - schon tausendmal gehörte Akkorde, aber live vermutlich ganz nett. "Out of nowhere" hingegen liefert den endgültigen Beweis dafür, daß die Delays besser nicht versuchen sollten, auf Rock zu machen. Es paßt nunmal nicht. Und dann gibt es doch tatsächlich noch eine Überraschung: Nämlich mit "Waste of space" eine wirklich herzige Ballade als Rausschmeißer. Davon hätte man sich sogar die eine oder andere Farbkopie gewünscht.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • You and me
  • Waste of space

Tracklist

  1. You and me
  2. Valentine
  3. This town's religion
  4. Sink like a stone
  5. Too much in your life
  6. Winter's memory of summer
  7. Given time
  8. Hideaway
  9. Lillian
  10. Out of nowhere
  11. Waste of space

Gesamtspielzeit: 40:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
cream
2010-10-20 17:06:23 Uhr
krame ich jeden herbst hervor!
Patte
2006-02-21 18:41:26 Uhr
Die neue Single "Valentine" ist gelungen und lässt auf einen kleinen Stilwechsel schließen (Video hier zu sehen). :)
Patte
2006-01-26 13:05:13 Uhr
Darf 'Imone' wieder rezensieren? Hoffentlich nicht. ;)
Armin
2006-01-26 12:53:03 Uhr
Im April 2004 zeigten die DELAYS mit "Faded Seaside Glamour" ein
beachtlichtes Debüt. Im UK konnten sie vier Top Twenty Hits landen - in
Deutschland schafften sie mit 'Hey Girl' einen kleinen Radiohit und 'Nearer
Than Heaven' lief gerade in der Trailerkampagne zur RTL Serie 'Das zehnte
Königreich'. Damit stehen die Zeichen auch bei uns bestens für den zweiten
Streich: "You See Colours" (VÖ: 10. März). Die Brüder Greg und Aaron Gilbert
haben elf großartige Popsongs geschaffen, die wieder von Graham Sutton (u.a.
British Sea Power) produziert wurden. Diese ungewöhnliche Indiepopmusik
lässt sich in keine Schublade stecken und da halten wir es doch lieber mit
dem Sänger und Gitarristen Greg, der seine Band als Fabeldichter versteht -
ein schönes Bild, das Lust macht, sich einmal ganz entspannt zurückzulehnen
und zuzuhören. Im März kommt die Band dann auch gleich auf Tour:
26. 03. München - Atomic Café
27. 03. Köln - Underground
29. 03. Berlin - Magnet
30. 03. Hamburg - Molotow
(www.fkpscorpio.com)

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