Donots - Pocketrock

Donots- Pocketrock

Supersonic / BMG
VÖ: 08.01.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Melodien für Millionen

Was es nicht schon alles gab: Mini-Golf, Mini-Röcke, Mini-Bikinis und nicht zuletzt Mini-Winni-Würstchen. Und jetzt tritt auch noch ein weiterer Mini-Rock der anderen Art in unsere Welt, der allerdings mit dem gleichnamigen, eng geschnittenen Beinkleid sehr wenig gemein hat. Dennoch wird er ungefähr für genausoviel Furore sorgen und folgt nicht nur dadurch der Natur aller Minis: Vom Großen bleibt nur noch das wichtigste, die absolute Essenz übrig, und es entsteht etwas Neues in weitaus griffigerem Format, das es mit dem Vorbild durchaus aufnehmen kann. "Pocketrock" ist, um eventueller Verwechslungsgefahr vorzubeugen, der Mini-Rock der Donots betitelt und löst damit gleich unweigerlich weitere Assoziationen aus. Denn das Münsteraner Quartett kennt nicht nur den Pop-Punk wie seine Westentasche, sondern insbesondere auch die Bühnen dieser Welt. Auf mehr als hundert Konzerten spielen sich die Ibbenbürener Jahr für Jahr den Punkrockhintern wund und die schmutzigen Finger blutig. Ganz nebenbei arbeitete man dabei in stickigen Tourbussen an neuem Songmaterial, um der mittlerweile durchaus zählbaren Fanmeute das zu geben, wonach sie begehrt: frische Donotshappen!

Der Erfolg der Vorab-Single "Whatever happened to the 80s" allerdings ließ so manchen Punkrockveteranen ob der plötzlichen Medienpräsenz seiner Lieblinge ordentlich mit der Nase rümpfen. Das Baby, das auf den Namen "Pocketrock" getauft jetzt das Licht der Welt erblickt, bläst jedoch allen zu erwartenden "Ausverkauf"-Sprechchören einen geballten Orkan der Spielfreude und Klasse entgegen. Selbst dem letzten Nörgler dürfte dies zumindest einen respektvollen Blick abgewinnen können. Waren die Vorgänger "Pedigree punk", "Tonight's karaoke contest winners" und das GUN-Debüt "Better days not included" geprägt vom halbgaren Songwriting einer jungen, aber noch wachsenden Band, so zeigt sich nun, daß die Lehrjahre endgültig der Vergangenheit angehören. Geradezu bezeichnend ist es, daß mit "Whatever happened to the 80s" ausgerechnet der zweifellos eingängigste Song auf Dauer die geringste Substanz an den Tag legt. Bereits beim ersten Klopfen an die Türen des Restmaterials öffnen sich Portale zu in Donots-Dimensionen bislang ungeahnten Klangwelten.

Better songs now included: Nach vorn rockende Gitarrenriffs und mehrstimmig gesungene Ohrwurmrefrains mit Hymnencharakter bestimmen das Bild der kleinen Taschenrockmusik. Der Gabentisch ist vor allem für die Pogotänzer der Nation reichhaltig gedeckt. Beim Genuß von "Room with a view (give me shelter...)" oder etwa "At 23" schwirren unwillkürlich Bilder von schunkelnden Pärchen durch den Kopf des Konsumenten. Dazu gesellt sich bei "Jaded" Arnim Teutoburg-Weiß von den Berliner Beatsteaks, der als Überraschungsgast seine Stimmbänder wackeln läßt. Ein gutes Dutzend Kleinode, die einem gehörig den kalten Hintern warm und den Schnee zum Schmelzen bringen lassen werden. "Pocketrock" ist herzergreifend, ohne in banalen Pathos abzudriften und bietet das schillernste und frischeste Stück Punkrock, das hierzulande seit langem veröffentlicht wurde. Da brechen auch keine Zacken aus der Krone, wenn manches immer noch etwas zu gleichförmig aus den Boxen knallt. So schippert das Donots-Flaggschiff nunmehr, zumindest in einheimischen Gewässern, endgültig allein auf weiter Flur.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Superhero
  • Room with a view (Give me shelter...)
  • In too deep

Tracklist

  1. I quit
  2. Whatever happended to the 80s
  3. Superhero
  4. Today
  5. Don't you know
  6. Room with a view (Give me shelter...)
  7. Watch you fall
  8. In too deep
  9. Radio days
  10. Hot rod
  11. Jaded
  12. At 23

Gesamtspielzeit: 41:16 min.

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