Band Of Horses - Everything all the time

Band Of Horses- Everything all the time

Sub Pop / Cargo
VÖ: 24.03.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rivalen der Rennbahn

Okay, jetzt nur nicht verrückt machen lassen. Es geht hier um diese Band, Band Of Horses. Ist gar nicht lange her, da hieß sie noch einfach Horses, genau wie eine Spätsechziger-Psycho-Pop-Gruppe, die es zeitlebens auf exakt eine Platte brachte. Aber das ist natürlich trotzdem Pferdemist, so eine Koinzidenz. Also heißen die neuen Horses nun Band Of Horses, auch wenn das wiederum die Nintendo-Core-Fuzzis von Horse The Band verärgert haben könnte. Und sowieso erinnert die ganze Geschichte ein wenig an das Schicksal der britischen Retro-Träumer The Bees, die sich für den amerikanischen Markt einst in Band Of Bees umbenennen mußten. Was das alles tut? Nichts zur Sache natürlich. Aber immerhin: Der Trend zum "Wolf" in Bandnamen scheint erstmal durch zu sein.

Das Gute ist wenigstens, falls sich jetzt jemand hinsetzen mußte vor lauter Verwirrung: Was Band Of Horses auf ihrem Debütalbum "Everything all the time" so eingefädelt haben, ist prima Musik für Hinsetzer, Streßallergiker und andere Leute, die am liebsten in den Tag hineinbummeln. Nichts wird hier erzwungen, alles frei von der Leber weg erledigt. Und Topjockey Ben Bridwell singt auch noch mit einer hübsch verhallten Gemütlichkeit auf den Stimmbändern, bei der den Typen von My Morning Jacket vor Freude die Barthaare knistern müßten. Eine sehr spezielle, klischeefreie Art von Chill-Out-Pop, falls man so will. Aber ist ja auch kein Wunder. Diese Pferde sind schließlich schon ziemlich alte Hasen.

Runde zehn Jahre haben sich Bridwell und sein baßspielender Kompagnon Mat Brooke mehr schlecht als recht mit den Indierock-/Kammerpop-Dramatikern Carissa's Wierd durch die Weltgeschichte geplagt, bevor sie sich als Band Of Horses selbständig machten und sogleich bei Sub Pop landeten. Wie das eben so ist, wenn man aus Seattle kommt. Und vielleicht klingt "Everything all the time" ja deshalb wie ein solcher Befreiungsschlag, so unverkrampft und selbstverständlich. Wie sich zum Beispiel "The funeral" nach abwesendem Halbschlaf-Beginn plötzlich einen Gitarrenruck gibt, das ist schon ziemlich feist gemacht. Und vom glorreich verschaukelten "Monsters" wollen wir gar nicht erst anfangen. Banjo, Wanderklampfe, zwei Melodien und ein Doppelknoten. Man wird diesen Song tagelang nicht mehr los.

Aber nur weil "Everything all the time" so gar keine Spuren von Anstrengung offenbart, ist es natürlich noch lange nicht das platte Rumgedudel, für das es die Unaufmerksamen vielleicht halten könnten. Man möchte sich manchmal wirklich noch ein paar Feinheiten und Kleinigkeiten mehr in diesen Songs wünschen. Aber oft haben Bridwell und Brooke sie auch nur sehr tief verbuddelt unter verspielten Gitarren, handfest zerscheppertem Schlagzeug und mehrstimmigen Gesängen, die selbst nach hinten raus konsequent klingen, als wären ihre Aufnahmen von Bono höchstselbst betreut worden. Und das wär's ja noch gewesen. Auch wenn man natürlich zugeben muß, daß solches Overstatement der genügsamen Band Of Horses gar nicht so gut stehen würde.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The funeral
  • Monsters

Tracklist

  1. The first song
  2. Wicked gil
  3. Our swords
  4. The funeral
  5. Part one
  6. The great salt lake
  7. Weed party
  8. I go to the barn because I like the
  9. Monsters
  10. St. Augustine

Gesamtspielzeit: 36:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ulrike
2013-11-04 11:22:19 Uhr
Ich bin der gleiche Troll, der schon im Thread zu The National unter diversen Frauennamen solchen Verbaldurchfall von sich gegeben hat. Finde jegliche Form von ruhiger Indiemusik total schrecklich. Es muss tanzbar sein. Deshalb feiere ich auch die neue Arcade Fire total ab.
Ulrike
2013-11-04 11:04:17 Uhr
Schön verschmuste Platte für gemütliche Stunden zu zweit im Indie-Heaven, toll!
schmusie
2013-11-04 10:55:25 Uhr
sie müssten sich mit james murphy zusammentun und heiße disco-music machen. dann klappts auch mit der aufmerksamkeit und dem erfolg.
So siehts mal aus
2013-11-04 10:05:57 Uhr
Sträflich unterbewertete Band.
Dorian
2007-11-04 00:46:13 Uhr
Noch etwas:

Ich finde es sehr komisch, dass ich Dän, von dem ich bisher eigentlich NUR sehr gute rezensionen gelesen habe, hier so gar nicht zustimmen kann.

Denn ich finde zwar ein, zwei Lieder tatsächlich sehr schön und ruhig, wie zum beispiel "I go to the barn...", als typische Chilloutmusik für Stressallergiker würde ich das gar nicht bezeichnen, die Songs sind zwar musikalisch eher einfach aufgebaut, aber doch mit bedacht erfunden worden.

Und was ist mit The First Song, Wicked Gil und The Great Salt Lake.

Zusammenfassend: Die Rezi ist nur bedingt zutreffend und befasst sich leider nur mit den ruhigen Liedern und lässt die anderen, meiner Meinung nach viel stärkeren Stücke, in denen es mehr zur Sache geht, eher außen vor.

Schade, er ist also wohl doch kein Gott :(

"The Shins im ersten Gang" könnte man das übrigens unter anderem nennen.
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