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Zebrahead - Playmate of the year

Zebrahead- Playmate of the year

Columbia / Sony
VÖ: 06.11.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kunterbunte Wundertüte

Vor nicht allzulanger Zeit war der Eintrag eines A&R-Managers im Gästebuch einer bekannten Musik-Webseite zu lesen: "Wir suchen unbekannte junge Bands zum Ausbau unserer Alternative-Section. Eure Musik sollte stilistisch entweder mit Limp Bizkit oder mit Blink-182 vergleichbar sein. Schickt Eure Demos an..." Der gute Mann, ganz offensichtlich dem Trend immer zwei Schritte hinterher, hätte an Zebrahead seine helle Freude gehabt. Denn Zebrahead lassen sich nicht lumpen und haben sich die kompletten US-Charts unter den Reißbrett-Nagel gerissen: Vom Fun-Punk geht es über New Metal, Latin und Hip Hop wieder zurück zum Fun-Punk, und unterwegs wird alles mitgenommen, was ein junges Publikum gemeinhin zu ungeheuren Gefühlsausbrüchen hinreißt.

Den tiefsten Eindruck haben dabei sicherlich die Rotzlöffel von Blink 182 hinterlassen, denn nicht nur die knackigen Harmonien, sondern vor allem der oberflächlich derbe Humor ist bei Zebrahead derselbe. Daß manche Scherze auf tiefstem "American pie"-Niveau festkleben, wird die Zielgruppe wenig stören. Diese nämlich wird sich anhand der lustigen Sprüche einen Ast lachen, sich aus diesem ein Skateboard bauen und die Banalitäten an alle Halfpipes dieser Welt schmieren. Witzchen wie "I got rhymes like Jennifer Lopez gots ass" treffen dabei nicht immer wirklich ins Schwarze. Doch wenn in "Livin libido loca" (man beachte den Songtitel) die Ricky Martins und Enrique Iglesias' dieser Welt aufs Korn genommen werden, haben Zebrahead zweifellos alle Lacher auf ihrer Seite.

In Kalifornien scheint immer die Sonne, könnte man meinen, und ansonsten gibt es immer noch genügend Teppiche, unter die ernsthaftere Probleme gekehrt werden können. Daß Zebrahead hingegen nicht nur kommen, um zu unterhalten, sondern auch, um sich zu beschweren, ist auf den zweiten Blick so unerwartet wie lobenswert: "E generation" schießt mit Zeilen wie "He said 'I don't think it's wrong' / So we went all along" gegen die eindimensionalen Stars dieser Tage, denen ihre Anhänger blind folgen und sich nach deren Vorbild alles einwerfen, was die Birne auszuhöhlen vermag. Auch dem hitverdächtigen "What's goin' on?" sollte man nicht blind über den Weg trauen. Denn wenn Ohren, Gehirn und Beine von der unverschämt poppigen Melodie und Zeilen wie "This girl is pretty fly for a white gal" in Beschlag genommen sind, hört man fast nicht mehr hin, wenn gegen Ende das brave 17-jährige Mädchen vergewaltigt auf der Straße liegt und ein anderer mit einer Kugel im Kopf daneben.

Gerade noch rechtzeitig legen Zebrahead dann doch wieder den Spaßschalter um. Ein wenig berechnend mag das sicherlich sein, aber seine Wirkung verfehlt es nicht. Teenies dieser Welt, hier sind Eure neuen Helden! Das Skateboard klebt am Fuß, die rote Baseballkappe auf dem Kopf und die XXL-Skater-Hose ist dank der leichtbeschürzten Playmates kurz vorm Platzen. Spaßvögel lernen fliegen und hinterlassen mit "Playmate of the year" einen dicken Haufen übelster Trendkacke, die dennoch verdammt frisch riecht. Schade nur, daß es hierzulande so selten Pool-Parties gibt.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Playmate of the year
  • Wasted
  • What\'s goin\' on

Tracklist

  1. I am
  2. Playmate of the year
  3. Now or never
  4. Wasted
  5. I'm money
  6. Go
  7. What's goin' on?
  8. Subtract you
  9. The hell that is in my life
  10. E generation
  11. Livin' libido loco
  12. In my room

Gesamtspielzeit: 50:15 min.

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