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Motorpsycho - Black hole / Blank canvas

Motorpsycho- Black hole / Blank canvas

Stickman / Indigo
VÖ: 17.03.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ins Schwarze

Nachdem die Warterei fast unausstehlich wurde, ist sie nun glücklicherweise vorbei. Endlich wieder Motorpsycho! Man hatte sich ja fast schon Sorgen gemacht, zumal das letzte reguläre Album "It's a love cult" tatsächlich schon dreieinhalb Jahre her ist und man solche Zeitspannen von den Norwegern gar nicht kennt. Die Ängste waren auch nicht ganz unbegründet. Es kriselte in der Band, und nach dem Ausstieg von Drummer Håkon Gebhardt sind nun nur noch Hans Magnus Ryan und Bent Saether übrig, um sich die kreativen Aufgaben und die Instrumente zu teilen. Endlich wieder ein Doppelalbum! Schließlich waren die größten Motorpsycho-Taten namens "Timothy's monster" und "Trust us" auch schon auf je zwei Silberlinge verteilt. Endlich wieder die alten Motorpsycho! Hippie-Kacke recht und schön, aber nach mehreren viel zu adretten Alben war klar, daß das nicht die wahre Stärke von Motorpsycho darstellt. Um so mehr erfreute die Botschaft, daß das Comeback wieder deutlich kerniger ausfallen würde. Alles anders also mit "Black hole / Blank canvas". Und alles besser?

Der erste Blick geht Richtung Songlängen: nichts jenseits der Zehn-Minuten-Grenze, einige aber nur knapp darunter. Könnte was werden. Und wird was: Gleich der Opener "No evil" ist ein mittelschweres Groovemonster, fast schon Stoner-Rock, bis der blumige Gesang einsetzt. Sechs Minuten malmen die Gitarrenriffs gegen lieblich intonierte Zeilen, die dem Unheil der Gegenwart trotzen. Spam? Reizüberflutung? Gefühlskälte? Von allem etwas. Aber es läßt sich aushalten. "Oh, hear me calling / Hear no evil / Watch me falling / See no evil / Overload my senses / Speak no evil." Der große Knall bleibt aus, dafür steigt die Spannung immer mehr. Und rettet sich in "In our tree" rüber, nach dem sich endlich eine präzise Soundbeschreibung fällen läßt, die der Rest des Albums bestätigt: Ja, Motorpsycho wollen die letzten Jahre vergessen machen, wollen wieder Neunziger sein, circa "Angels and daemons at play". Hurra!

Vor allem ist der Groove auffallend, der das Album durchzieht, überall schlagen die Gitarren Haken, drängen nicht selten den Gesang in den Hintergrund. Dagegen sind die Flächen nicht mehr so flächig, gehen die Songs mehr in die Länge, als in die Breite. Manchmal fehlen dadurch die Spannungsbögen, und was vor allem fehlt, ist ein potentieller Klassiker für die Motorpsycho-Hall-Of-Fame neben "Vortex surfer" und "The golden core". Ein episches Meisterwerk, das etliche Minuten dauert und etliche Jahre anhält. Am nächsten kommen dem noch "The 29th bulletin", eine Art sechsminütige "Vortex surfer"-Reprise mit Streichern, sowie vor allem "Before the flood", das aber dann doch mehr die Mittel der letzten Platten einsetzt: Klavier und Anmut lassen die Seele baumeln, Soli schubsen sie immer wieder an. Wahrlich bewegend. Das gilt auch für "Kill devil hills", das beginnt wie ein Popsong, dann mehr und mehr in einem Krachinferno auseinanderfällt, bevor Bent Saether nach sekundenlanger Stille die Fetzen aufkehrt und schaut, was sich damit noch anfangen läßt. Sonderlob haben sich Motorpsycho auch für "The ace" und das finale "With Trixeene through the mirror, I dream with open eyes" verdient, mit denen sie mal wieder schöne Uptempo-Songs mit verqueren Melodien entfesseln.

Motorpsycho haben also einiges wieder auf den Tisch gebracht, wonach man allzu lange gehungert hat. Vor allem von den tiefgreifenden Texten zwischen Engel und Teufel, Gut und Böse, Himmel und Hölle, Welt und Apokalypse, werden wir noch lange zehren können. Und doch stellt sich keine vollkommene Sättigung ein: Den Melodien fehlt manchmal die nötige Klarheit, der Produktion auch. Und selbst wer das als Markenzeichen von Motorpsycho schätzt, wundert sich, daß der Funke bei manchen Songs nicht überspringt. Mindestens zwei Drittel von "Black hole / Blank canvas" bewegen sich trotzdem auf atemberaubend hohem Niveau. Die Led Zeppelin der Jetztzeit haben vielleicht noch Trainingsrückstand und brauchen ein, zwei weitere Alben, um zur alten Weltklasseform zurückzufinden. Aber sie kommen. Ganz gewaltig.

(Armin Linder)

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Highlights

  • No evil
  • Kill devil hills
  • The 29th bulletin
  • The ace
  • Before the flood

Tracklist

  • CD 1
    1. No evil
    2. In our tree
    3. Coalmine pony
    4. Kill devil hills
    5. Critical mass
    6. The 29th bulletin
    7. Devil dog
    8. Triggerman
  • CD 2
    1. Hyena
    2. Sancho says
    3. Sail on
    4. The ace
    5. L.T.E.C. (Deja-vulture blues)
    6. You lose
    7. Before the flood
    8. Fury on Earth
    9. With Trixeene through the mirror, I dream with open eyes

Gesamtspielzeit: 84:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gomes21

Postings: 3648

Registriert seit 20.06.2013

2021-04-10 23:16:13 Uhr
Cie Platte war ebenfalls mein Einstieg in die Band, höre sie immer noch sehr gerne.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 7430

Registriert seit 26.02.2016

2021-04-10 20:18:36 Uhr
Es gibt komischerweise zwei Motorpsycho-Profile auf Spotify...

Ach stimmt. Ich hatte mich schon gewundert, warum ein paar ausgewählte Alben nicht in der Liste waren. Das ist ja echt blöd.

dreckskerl

Postings: 6394

Registriert seit 09.12.2014

2021-04-10 14:55:37 Uhr
Sehr guter Hinweis.

Ist mir gestern aufgefallen, dass die 3 Alben fehlen und von daher eine Best-of-playlist unbefriedigend wäre, wenn man auf die Highlights dieser Alben verzichten müsste.

fakeboy

Postings: 1312

Registriert seit 21.08.2019

2021-04-10 14:40:21 Uhr
Auch die Fishtank findet man nur beim zweiten Profil... Komisch dass bei einer so "grossen" Band niemand dafür sorgt, dass das korrigiert wird. Ist bei Spotify nämlich denkbar einfach, die reagieren sehr schnell auf solche Hinweise...

fakeboy

Postings: 1312

Registriert seit 21.08.2019

2021-04-10 14:38:35 Uhr
Es gibt komischerweise zwei Motorpsycho-Profile auf Spotify...
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