Controller.Controller - X-amounts

Controller.Controller- X-amounts

Paper Bag / Cargo
VÖ: 10.03.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Arglos

Daß Toronto sich hervorragend für den Ausgangspunkt erfrischend feuchter Indierockträume eignet, hat der vielbehypte und mit internationalem Lorbeer bedachte bunte Bandblumenstrauß Broken Social Scene in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen. Auch Controller.Controller fischen Ihren elektronikhaltiken Post-Punkrock aus dem kanadischen Bandkreißsaal, haben sich im Fischkutter von Paper Bag eingemietet und setzen jetzt in europäische Gewässer über. Sängerin Nirmala Basnayaka und ihre instrumentierenden Kollegen haben sich in den letzen Jahren bereits einen singenden klingenden Live-Ruf erworben. Unter anderem als Supportact von Death From Above 1979 und VHS Or Beta. Und schon spült sich's rein in den Kopf: "Es gibt ja Live-Bands, die klingen nur live wirklich gut."

Betreten wir den großen großen, unendlichen Wald der Genreneuerfindungen und Beschreibungsvirtuositäten. Stichwort: Post-Dance-Disco-Indie-Punk. "X-amounts" schlängelt sich vierzig Minuten lang in einer bisweilen enervierenden Homogenität durch einen ein Meer von Dancebeats, Stakkato-Schlagzeug und an die Achtziger gemahnenden Gitarren. An der Spitze des fünfköpfigen Pfadfindertrupps gibt Basnayaka selbstverständlich-selbstbewußt die Richtung vor. Leider paßt sie aber manchmal auch nicht richtig auf, wirkt unkonzentriert und schon haben wir den Salat: verirrt.

Verloren zwischen der Joy-Division-Tanne und der Lichtung an der Grenze zu einer wirklich guten, treibenden und energischen Platte. An die stoßen Controller.Controller einige Male heran. "Poison/safe" drischt solange mit der präzise-scharfen Drummeraxt und von umfassender Nervosität geplagten Gitarrenspielhänden auf die Tanzrezeptoren ein, bis keiner mehr widerspricht, daß dies der beste Song auf "X-amounts" ist. Und daß man sich in der Zwischenzeit ohne schlechtes Gewissen ein kleines Nickerchen auf dem Kritikhochsitz gönnen kann. Man hört noch einohrig hin, es könnte ja doch noch einmal was vor die unerbittliche popjournalistische Flinte gelaufen kommen. Und dann muß man schließlich bereit sein. Bei "Magnetic strip" wird man kurz unruhig, kratzt sich dann aber doch seelenruhig noch einmal am Kopf und schlummert weiter.

Nach der 2005er EP "History" schaffen es Controller.Controller in ihrem auf elf Runden angesetzen Kampf leider nicht, über den Punktsieg in Form der Abhandlung konventioneller Post-Rock-Körpertreffer hinauszukommen. Fast allen Songs mangelt es einfach an Durchschlagskraft und an Überraschungsmoment. An Wuseligkeit und vor allem an Tempo. "X-amounts" sickert aus dem CD-Player wie Milch aus einem TetraPak, der zu lange offen neben der Heizung stand. Controller.Controller fragen uns: "Will you remember or will you forget?" Sie sind ehrlich und beantworten diese Frage gleich selbst: "It won't get better than this." Na dann.

(Stefan Kesselhut)

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Highlights

  • Poison/safe
  • City of daggers

Tracklist

  1. Tigers not daughters
  2. Pf
  3. Poison/safe
  4. Rooms
  5. Future Turtles
  6. Straight in the head
  7. City of daggers
  8. Heavy as a heart
  9. Blk glv
  10. The Raw No
  11. Magnetic Strip

Gesamtspielzeit: 38:28 min.

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