Clearlake - Amber

Clearlake- Amber

Domino / Rough Trade
VÖ: 17.03.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Reden ist Silber

Erst "Lido", dann "Cedars", nun "Amber". Die drei Plattentitel der bisherigen Alben von Clearlake aus Brighton/England lassen vermuten, daß es sich bei dem Quartett um ein recht einsilbiges Unternehmen handelt. Wer dem ""Amber"-Opener "No kind of life" lauscht, der findet diese Vermutung prompt bestätigt. Denn auch da spart Sänger Jason Pegg sehr an Worten, setzt nur einen Doppelpunkt und zwei Striche hinter Gesagtes und ruft es immerfort und wehklagend in den Raum: "You rely on someone else / To make you feel alright / As far as I'm concerned / That's no kind of life. :II" Und wer jetzt der Unterstellung einer lakonischen Grundattitüde immer noch nicht traut, der widme sich eifrig einigen Interviews des Clearlake-Sängers: Denn auch da betont Sänger Jason Pegg, daß er bei einigen Song an Lyrics gespart habe, stattdessen oft den Refrain wiederholen wollte, um die Songs einprägsamer zu gestalten. Überhaupt beschreibe das Album die Zeit nach einer durchfeierten Nacht und die Kargheit der Worte in dieser Zeit. "It's getting light outside", heißt konsequent der finale und feinste Track dieses Albums.

So einsilbig sich Clearlake zum Auftakt geben, so mehrtönig präsentieren sie sich in der Folge musikalisch. Denn im Gegensatz zum eher behäbigen Vorgänger "Cedars" prescht "Amber" an manchen Stellen ganz schön nach vorne. Wirklich besser wird aber deshalb der Sound nicht immer. Clearlake bedienen sich einiger Ingredienzien, die die britische Musikgeschichte in den vergangenen Jahrzehnten zu einem leuchtenden Vorbild der Popkulturen machten. Viel Stone Roses ("Good clean fun"), dazu die Kinks ("Finally free") und eine Menge Blur ("You can't have me"): keine ungute Mischung. Nach dem eindringlichen "No kind of life" direkt das schräg-schrille "Neon". Die Harmonika zu Beginn dröhnt, im Anschluß ein markantes Gitarrenriff. Der Sound erinnert da ein wenig an Kasabian; deren Produzent Jim Abbiss saß mit an den Reglern. Das ist wild, das ist gut. Gemeinsamer Nenner der Songs: Allesamt gestalten sie sich in der Struktur recht simpel. Gutes Beispiel ist "Far away". Es rumpelt und rasselt, die Stimme dehnt sich bequem darüber aus. Oder "I hate it that I got what I wanted". Klingt schon im Namen wie ein Smiths-Titel.

Doch eine Ausnahme gibt es: "Amber" ist wohl das gewagteste Stückchen Musik auf diesem Album. Eine kleine Geschichte, die orchestral von Geigen und einem Glockenspiel erzählt wird. Jason Pegg berichtet derweil vom Gefühl, nach einer durchzechten Nacht heimzugehen und von seinem Haus aus einen großen Hügel bei Brighton zu sehen. Hört sich banal an, klingt aber ziemlich spannend. Eine weitere Konstante ist also die Introspektive: Denn auch in der kuscheligen Downtemponummer "Dreamt that you died" erzählt Jason von einem tatsächlichen Traum. Es braucht also einige Zeit, bis Clearlake mal Worte finden. Wer sich drauf einläßt, der wird Gefallen finden. Und die, die dies nicht tun, müssen deshalb nicht gleich ein schlechtes Gewissen haben. Sie verpassen eine Band, die durchaus hörenswert ist, deren Beitrag zur britischen Popgeschichte diese grundlegend nicht revolutioniert. Und damit genug der Worte.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • No kind of life
  • It's getting light outside

Tracklist

  1. No kind of life
  2. Neon
  3. Good clean fun
  4. Finally free
  5. You can't have me
  6. Amber
  7. I hate it that i got what i wanted
  8. Here to learn
  9. Far away
  10. Dreamt that you died
  11. Widescreen
  12. It's getting light outside

Gesamtspielzeit: 44:27 min.

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