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Neil Young - Road rock, Vol. 1 (Friends & relatives)

Neil Young- Road rock, Vol. 1 (Friends & relatives)

Reprise / Warner
VÖ: 20.11.2000

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Musik im Kopf

Wer rastet, der rostet bekanntlich. Trotzdem war es lange still um Neil Youngs Solokarriere. Sicher, er war auf Tour mit seinen alten Kumpels von Crosby, Stills & Nash und lieferte auf dem gemeinsamen Album auch einige Songs ab, aber all das war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Nachdem er in der ersten Hälfte des Jahres mit "Silver and gold" dann endlich seine lang versprochene, im akustischen "Harvest" Stil gehaltene, neue Platte auf den Markt warf und dann auch noch auf große "Music in head"-Tour ging war das für die Fans endlich wieder einmal ein Grund zur Freude. Das schien ihm zwar mal wieder von der Fertigstellung der lange geplanten und von Young-Freunden sehnlichst erwarteten gigantische dreiteiligen "Archives"-Sammlung abzuhalten, die angeblich Stunden voll unveröffentlichten Musik- und Videomaterials und vor allem die sechs Platten, die immer noch nicht über den offiziellen Weg auf CD erhältlich sind, enthalten soll, aber für Neil Young selber war dies auch in diesem Jahr wohl eher nebensächlich. Er ist schließlich immer noch ein aktiver Künstler und für die Vergangenheit ist auch später noch Zeit.

Auf der Tour schien Young auf jedem Fall wieder eine Menge Spaß gehabt zu haben. In all dem Chaos voll mit unfertigen Ideen und Projekten, die für ihn ja immer schon typisch waren, gibt es jetzt mal wieder ein Live-Album. "Road rock Vol. 1". Also "to be continued"? Hoffen wir es. Zwar leider ohne seine kultige Hausband Crazy Horse, aber mit ebenfalls starker Truppe (mit alten Weggefährten wie Ben Keith, Spooner Oldham, Donald Dunn oder Jim Keltner) und sogar einem Teil seiner Familie wurden neuere Titel gespielt oder lange nicht gehörte Songs wieder einmal aus der Schublade gekramt und einer Auffrischung unterzogen. Die Band klingt dabei meist großartig, oft sogar wie eine exakte Kopie von Crazy Horse. Es scheint, daß auch hochbezahlte Studiomusiker mal die Garagenrock-Sau rauslassen wollen. Auch Neil Young selbst klang lange nicht so relaxed, erholt und ungezwungen. Er attackiert zwar weiterhin seine Gitarre mit der typischen Urgewalt, aber ihm ist klar, daß er nichts mehr beweisen muß. In Sachen Gitarren-Lärm dürfte es jedenfalls schwer sein, die letzte Tour mit dem verrückten Pferd zu toppen.

Wenn man aber so wie der Meister schon mehrere Livealben auf dem Kasten hat, sollte man mittlerweile doch eigentlich wissen, wie man eben solche interessant genug zusammenstellt. Leider ist die vorliegende CD mit ihren acht Tracks nicht unbedingt ein positives Spiegelbild dieser eigentlich großartigen Tournee. Wahllos und ohne Rücksicht auf die originalen Setlists wurden die Songs zusammengetragen. Mit "Fool for your love" wurde zwar ein unveröffentlichter Track dazu gepackt, aber die Fans mit nur acht Tracks einer Konzertreise abzuspeisen, die Abend für Abend meist aus zwanzig gespielten Titeln bestand, erscheint beinahe lächerlich. Wenn es denn schon wieder eine Live-CD sein soll, dann bitte eine richtige, Mr. Young. Schmerzlich vermißt man die oft gespielten semi-akustischen Songs von "Harvest moon" und "Silver and gold". Vielleicht aber werden diese dann auf Vol. 2 zu finden sein. Da heißt es, wie so oft bei Neil Youngs Projekten, abzuwarten und sich in Geduld zu üben.

So hinterläßt die sicher gut gemeinte Zusammenstellung einen eher zerstreuten und unfertigen Eindruck und ist wohl nicht mehr, als ein nettes Weihnachtsgeschenk für den Neil Young-Fan, der eh schon alles hat. Young-Einsteiger, die wissen wollen, wie der Mann denn live so klingt, sollten lieber zum zornigen, nervösen "Weld" oder zum psychedelischen "Year of the horse" greifen. Beide Doppel-CDs bieten schließlich im Gegensatz zu "Road rock" das ganze Konzerterlebnis. Außerdem hofft man natürlich auch noch auf die fälligen Europa-Auftritte des Musikers. Gerüchte dazu kursieren bereits seit geraumer Zeit. Auch von einer Reunion-Tour mit Crazy Horse ist die Rede. Dies alles schreit ja geradezu nach weiteren Livealben. Wie man derlei am besten anstellt, haben die Young-Ziehkinder Pearl Jam ja erfolgreich präsentiert. Es wird wohl auch nächstes Jahr wieder nichts mit den "Archives". Naja, es gibt schlimmeres.

(Thomas O. Huber)

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Highlights

  • Cowgirl in the sand
  • Walk on
  • Tonight's the night

Tracklist

  1. Cowgirl in the sand
  2. Walk on
  3. Fool for your love
  4. Peace of mind
  5. Words
  6. Motorcycle mama
  7. Tonight's the night
  8. All along the watchtower

Gesamtspielzeit: 64:29 min.

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