Scott Stapp - The great divide

Scott Stapp- The great divide

Wind Up / Sony BMG
VÖ: 03.03.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Made im Speck

Die Bilder haften noch. Der kleine Mann mit aufgeplusterten Backen thront auf der Spitze eines zerklüfteten Felsens und reckt die Arme in Richtung Unendlichkeit. Die Lacklederhose spannt im Schritt, die Ohrringe glitzern im Gegenlicht. Selbst große Gesten scheinen für Scott Stapp manchmal noch zu klein zu sein. Nur wenige vor und nach ihm haben sich derart humorfrei auch in dickstem und klebrigstem Pathos wohlgefühlt wie die Made im Speck. Inmitten des funkelnden Pomps kaum ein Funke selbstironischer Brechung. Augenzwinkern? Pustekuchen. Bierernster Breitwandrock gepaart mit messianischem Predigergestus. Weswegen Scott Stapp als die muskelfleischgewordene Pose und seine alte Band Creed als die "Schinkengötter des Alternative Rock" die Grenze zu unfreiwilliger Komik in vielen Augen mehr als nur schrammten. Zumal auch die Musik gern belächelt wurde als ungenierter Abklatsch und Zweitverwertung "echter" Grungebands wie Pearl Jam oder Alice In Chains. Grundsolide, aber kalkuliert. Eingängig, aber steril. Wenig origineller als eine Marmorkuchen-Backmischung.

Und doch verkauften sie dreißig Millionen Platten, begeisterten Massen. Die Hits wurmten als "peinliche Lieblingslieder" zuweilen selbst die Ohren ihrer schärfsten Verächter. In den letzten Jahren ging es dann zunehmend bergab. Fast wären die Jungs beim Videodreh in überfluteter Straße von einem Starkstromkabel zerbrutzelt worden. Strumpeldicht torkelte Stapp im Suff über die Bühne und wurde gar von den eigenen Fans verklagt. Sein fundamentalistisches Missionsgebahren wuchs, es knisterte und kriselte im Bandgefüge. Dann der Bruch. Die Band selbst suchte sich einen neuen Sänger und treibt seitdem unter dem Namen Alter Bridge weiter ihr Unwesen. Stapp blieb zurück. Allein. Ein wenig scheint er gebraucht zu haben, um sich zu berappeln. Aber jetzt, fast anderthalb Jahre nach "One day remains", dem ersten Album seiner Ex-Kollegen, läßt auch er mit "The great divide" wieder von sich hören.

Er hat sich wieder herangekämpft, gegen alles Unken der Skeptiker, was allem Anschein nach Kraft gekostet hat und sich nicht zuletzt in den Songtiteln wie "Broken", "Fight song", "Hard way" oder "Justify" widerspiegelt. Bei allen narzißtischen Eskapaden der Vergangenheit war man auf einiges an Selbstherrlichkeit gefaßt und rechnete vielleicht gar mit einem kreativen Schuß in den Ofen. Funktioniert Stapp ohne seine alten Kollegen? Ja. Er hat ein erstaunlich solides Werk abgeliefert. Wie zu erwarten war, zieren das Cover und Booklet gleich mehrere Fotos des Protagonisten in mindestens theatralischen Posen. Aber festzuhalten ist, daß das Artwork - vor allem verglichen mit einigen optischen Verbrechen der Creed-Ära - angenehm dezent und schlicht ausgefallen ist.

Aus seiner wohlvertrauten Höhle des alternativen Rocks der Neunziger hat er sich kaum einen Schritt herausgetraut. Der postgrungigen Linie von Creed ist er treu geblieben - dem leisen Hang zum Bombast, der melancholischen Wucht. Unberechenbare Wendungen, unerhörte Innovationen finden sich nicht in nennenswerter Zahl. Ein großer Poet ist aus ihm bis heute ebensowenig wie ein Humorist geworden. Seine Sicht der Welt dreht sich um Kämpfen, Kraft, Glauben, das Ringen mit der Welt, Lügen, Verrat, Trennungen und Liebe. In "Justify" rechtfertigt er gar sein eigenes Schaffen und Dasein. Große Themen, gepackt in große Gesten und manchmal ziemlich floskelige Texte. Inbrünstig knödelt er sich noch immer mit seinem gutturalen Reibeisentimbre durch die Songs, krächzt an einigen Stellen arg pathetisch, das kennt man.

Was bei allem bisherigen Rezensentengemürbel nicht unterschlagen werden soll, ist, daß sich durchaus einige veritable Songs auf das Album verirrt haben. Mit "Reach out" fliegt einem gleich zu Beginn schon ein ordentliches Pfund um die Ohren, mit packenden Riffs, mehrstimmigen Gitarrenlinien und den üblichen, aber gelungenen Laut/Leise-Differenzierungen, der Titelsong gehört vielleicht gar zu Stapps besten. Und auch der Rest ist durchaus ordentlich. Rifflastige Rocker, tränenverhangene Powerballaden, mit Überzeugung vorgetragen. Positiv ins Gewicht fällt vor allem die Rhythmusgruppe um Mitch Burman am Baß und Mark Archer am Schlagzeug, die den Songs druckvoll, punktgenau und teilweise pfiffig Leben einhauchen. Stilistisch ist Stapp kein großes Risiko eingegangen. "The great divide" ist eher ein sure shot. Ein Album, das ihm kaum neue Fans eintragen dürfte, aber den bisherigen Fans das ein oder andere glückliche Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte. Sauber produziert, mit einigen netten Melodien und guten Musikern. Ohne große Überraschungen, aber damit auch nicht negativ überraschend. Und das ist ja schon fast wieder eine positive Überraschung.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Reach out
  • The great divide

Tracklist

  1. Reach out
  2. Fight song
  3. Hard way
  4. Justify
  5. Let me go
  6. Surround me
  7. The great divide
  8. Sublime
  9. You will soar
  10. Broken

Gesamtspielzeit: 42:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@rotte
2016-11-23 16:17:59 Uhr
Schon mal in den Spiegel geschaut?
rötte
2006-03-21 22:59:07 Uhr
auf scott stapp hättet ihr ruhig härter eindreschen können. 5/10 ist viel zu viel für diese säuferfratze und den ekligsten poser der welt.
Armin
2006-02-23 13:49:18 Uhr
Der Scott-Stapp-Porno fällt flach:

Prozess um Kid Rocks Sex-Video

Der amerikanische Rockmusiker Kid Rock kann aufatmen: Ein Gericht in Detroit hat einer Filmfirma verboten, Videos in den Handel zu bringen, auf denen der Künstler zu sehen ist. Die Aufnahmen zeigen Kid Rock zusammen mit einem Freund bei einer Orgie.

Detroit - Ein Bundesrichter untersagte der Filmfirma aus Kalifornien die Verbreitung des anrüchigen Bildmaterials. Darauf ist Kid Rock zusammen mit dem Sänger der Band "Creed", Scott Stapp, zu sehen. Die beiden Musiker vergnügen sich nach einem Konzert in Miami mit vier jungen Damen.


Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1999 und damit aus der Zeit, als Kid Rock noch nicht mit TV-Star Pamela Anderson liiert war. Die frühere "Baywatch"-Badenixe hat ähnliche Erfahrungen: Ein Intimvideo, das sie zusammen mit ihrem Ex-Partner Tommy Lee zeigt, geriet in den Handel und ist nun weltweit zu erwerben.

Nach Angaben der Firma "World Wide Red Light District" ist das Band dem Unternehmen von einem Unbekannten zugespielt worden. "Creed"-Sänger Stapp zufolge handelt es sich um gestohlenes Material. Der Musiker zieht inzwischen anscheinend ein etwas ruhigeres Leben vor: Er befindet sich zur Zeit in den Flitterwochen mit Jaclyn Nesheiwat, der früheren Miss New York. Seine Hochzeitsreise musste er allerdings kurzzeitig unterbrechen: Auf dem Weg nach Hawaii wurde er auf dem Flughafen von Los Angeles wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit festgenommen.



Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,402567,00.html
Patte
2006-01-16 19:05:48 Uhr
*lol*
dreamp3
2006-01-16 18:08:15 Uhr
Als Sänger und Frontmann war Stapp zwischen 1997 und 2001 an der Entstehung der drei Creed-Alben „My Own Prison“, „Human Clay“ und „Weathered“ beteiligt, die sich bis dato zusammen weltweit mehr als dreißig Mal verkauften.

Dann hab ich ja sogar eine von 30, wow was hab ich ein schwein.
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