Crash My Deville - The consequence of setting yourself on fire

Crash My Deville- The consequence of setting yourself on fire

Redfield / Cargo
VÖ: 03.03.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schubladendenken

Schick, schick. Schöne Tattoos, Piercing in Nase, Mund, hier und da, gedehnte Ohrlöcher und obendrauf diese Perücke mit schwarzen, halblangen Haaren und einem Seitenscheitel, der jeden Hurrikan mit Bravour übersteht. Ob alle Hosenbeine auch vollgepint sind mit Buttons diverser halbguter Bands, erkennt man im Booklet leider nicht, aber dennoch reicht der erste Eindruck aus: Ab zum Schrank, Schublade auf und Crash My Deville reingestopft. Selbst die zehnte Schublade mit dem Aufdruck "Emocore" ist zwar mittlerweile randvoll, aber mit ein bißchen Gewalt bekommt man die schon rein.

Der Überdruß, das zwanghafte Kategorisieren und eben dieses Abschalten nach dem ersten Eindruck, lassen das Lebewesen Mensch immer öfter vorschnell Schlüsse ziehen. Das ist wie mit den Familiengeburtstagen. Geht man schon mit der Einstellung hin, daß Omas 75ter arschlangweilig wird, dann wird es auch so kommen. Und will man Crash My Deville eben wegen ihres Gebrüll-Geschrei-Wechselspiels oder diesen emoklischeemäßigen Bildern und Texten stigmatisieren, dann klappt das sicher. Ist aber auch arschlangweilig.

Nicht ganz langweilig, wenn auch nicht ganz spektakulär, kommen die Melodien bei den Saarländern daher. Ruhige Gitarren neben rockige Ausbrüche in bester Hardcore-Tradition stellen, das können die Bands aus der Referenzleiste ja alle. In Schubladen ausgedrückt nennt man sowas: emolastig. Und fertig. Dazu kommt immer mal der ein oder andere Double Bass oder kurze Mosh-Ausbruch. Schublade "solide" und zu das Ding. Der Haken liegt bei Crash My Deville ganz eindeutig im stimmlichen Bereich. Da wird tief gegrunzt, daß die ganzen wirklich bösen Bands dieser Welt Angst bekommen könnten. Sekunden später singen die beiden Vokalisten wie ausgewechselt glasklare zweistimmige Refrains, bei denen sich für gewöhnlich alle einhaken, einen Arm hochreißen und lauthals bei theatralischem Mund-Aufreißen mitgröhlen. Und weil man mit zwei Leuten am Mikro so schön viel machen kann, wird obendrein noch gekreischt wie das angestochene Schwein, werden einfach ein paar Zeilen gesprochen oder wird einfach alles durcheinander und gleichzeitig gemacht.

Heraus kommen dabei Songs wie "At least we're part of your pathetic little nightmare", die in sich selbst nicht abwechslungsreicher sein könnten und durch dieses kleine instrumentale Zwischenmotiv gar zum Hit werden. Schublade "Kreativität". Schon kurios, da fallen Wörter wie "Emo" und "Kreativität" gleichzeitig innerhalb weniger Sätze. Wer hätte das noch gedacht? Doch diese Mixtur der musikalischen Stile und der stimmlichen Vielfalt rechtfertigen den Stempel auf der Stirn keineswegs. Also raus damit aus der überfüllten "Emocore"-Kiste und ab in die Schublade "keine Schublade".

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • An essence of your devastating performance
  • At least we're part of your pathetic little nightmare

Tracklist

  1. The warm taste of human failure
  2. I wish your heart was as big as your record collection
  3. Your seduction vs. my sense of self esteem
  4. An essence of your devastating performance
  5. The consequence of setting yourself on fire
  6. At least we're part of your pathetic little nightmare
  7. Sorry for breathing too hard
  8. If you learn how to smile i learn how to break faces
  9. Prince charming has left the building
  10. Add now to here for nowhere

Gesamtspielzeit: 45:16 min.

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