And One - Virgin superstar

And One- Virgin superstar

Virgin / EMI
VÖ: 27.03.2000

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Möchtegern-Superstars

Am 9.9.99 um 9 Uhr sollte, dem Titel des Vorgängeralbums nach, diese neue And One-CD ursprünglich herauskommen. Nachdem man 'Virgin superstar' ein paar Mal angehört hat, ist man eigentlich für jede Minute, die es länger gedauert hat, dankbar. Aber der Reihe nach: Gemessen an den Szene-Klassikern "I.S.T" und "Nordhausen" war ja schon besagtes "9.9.99 9 Uhr", unverständlicherweise von der Presse durch die Bank gefeiert, aber von den Fans gehaßt, eine Enttäuschung. Die Band gelobte alsbald Besserung und kündigte an, den vielkritisierten "Humor" diesmal außen vor zu lassen und auf weitere Plattheiten wie 'Pimmelmann' zu verzichten. Des weiteren wurde mit Annelie Bertilsson ein neues Bandmitglied rekrutiert. Die hübsche Schwedin setzt nicht nur optisch neue Akzente, sondern sollte als Frontfrau der schwedischen Kult-EBM-Band Cat Rapes Dog auch musikalisch äußerst kompetent sein.

Leider war das neue Album schon so gut wie fertig geschrieben, so daß Annelies Einfluß sich größtenteils auf das Beisteuern weiblicher Vocals bei einigen Songs beschränkt. Machte einem das erste neue Stück in dieser Besetzung, "Wet spot", welches schon vor einer Weile als Geburtstagsgeschenk auf dem Sampler "10 years of Zillo" veröffentlicht wurde, ein wenig Hoffnung auf das neue Album, so verstand es die Band, mit der Vorabsingle "Wasted" diese wieder wie eine Seifenblase platzen zu lassen. "Get out of my way, cause you know that I am totally wasted - get out - get out" erschallt es da und genau das ("Get out - get out") denkt man sich spätestens zehn Sekunden nachdem das Lied begonnen hat, während man verzweifelt nach seiner Fernbedienung sucht. Ein billiger Rhythmus durchzieht das komplette Stück, die Melodie besteht aus einem traurigen Abklatsch der analogen Filtergeräusche, für die And One früher berühmt waren und spätestens der hingeblökte Refrain dreht einem vollends den Magen um.

In diversen Interviews kündigte Steve Naghavi, seines Zeichens Kopf, Sänger und Komponist der Band, mit "Virgin superstar" schon das dritte Album in Folge als den langerwarteten Nachfolger des nicht zu unrecht als Electro-Klassiker geltenden "I.S.T."-Albums an. Und einmal mehr scheitert er an der von ihm selbst anscheinend unerreichbar hoch gesetzten Latte. So soll laut Naghavi "Panzermensch" als Nachfolger früherer Hits von And One wie "Metalhammer", "Techno man" oder "Deutschmaschine" in den Clubs Einzug halten. Niemals wird jedoch ein DJ diesen musikalischen Super-GAU freiwillig auflegen! Das Stück enthält zwar alle Zutaten, aus denen die alten Hits auch gebraut waren, aber irgendwie fehlt jener Funke an Genialität, der And One früher ausmachte. Saft- und kraftlos klingt es, und wer es schafft, die vollen fünf Minuten des Stücks anzuhören, ohne die Skip-Taste zu betätigen, gehört schon zu den ganz Hartgesottenen.

Das ganze Album klingt wie der Versuch einer Indie-Band nach harten Jahren im Untergrund, jetzt endlich richtig Geld zu verdienen. Alle Bereiche sollen abgedeckt, alte wie neue Fans befriedigt werden. Chartskompatibel will man sein und populär. Leider mangelt es dem ganzen Album nicht nur an Herz und Seele, sondern vor allem auch an Spritzigkeit und Biß. Einige der ruhigeren Stücke, wie 'You don't love me anymore", sind noch als recht gelungen zu bezeichnen und wären früher durchaus als B-Seiten durchgegangen, aber im Großen und Ganzen ist "Virgin superstar" eine ziemlich traurige Angelegenheit. Und egal ob man auf Synthpop, EBM, Electro oder Dancefloor-Techno steht, gibt es im Dutzend bessere Alternativen als dieses Machwerk, welches nur Die-Hard-Fans von And One empfohlen werden kann; denen nämlich, die auch schon mit "9.9.99 9 Uhr" zurechtkamen.

(Manuel Polik)

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Highlights

  • Wet spot

Tracklist

  1. Virgin superstar
  2. Wasted
  3. You don't love me anymore
  4. Goodbye Germany
  5. Wet spot
  6. Panzermensch
  7. My story
  8. Life to lose
  9. Not the only one
  10. Don't need the drugs
  11. Mr Jenka

Gesamtspielzeit: 44:04 min.

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