Jason Collett - Idols of exile

Jason Collett- Idols of exile

Arts & Crafts / City Slang / Rough Trade
VÖ: 10.03.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Singende Sägen

Als Farin Urlaub im Jahr 2001 das Soloalbum erfunden hat, hat er gleichzeitig auch eine elementare Frage des Musikmachens aufgeworfen, die bis heute noch niemand so richtig hat beantworten können: Habe ich diesen Song nun gerade für meine Band geschrieben? Für mich selbst? Oder doch für die Katz? Es ist eigentlich egal, wie man sich letztlich entscheidet, Ärger gibt es sowieso. Weil, Kevin Drew zum Beispiel: Der hat sich in den letzten Jahren den Kopf dabei zerbrochen, mit seinen ca. 30-teiligen (Stand: 03/06) Broken Social Scene ein neues Album aufzunehmen. Und was machen die Gefährten? Ziehen rechts am eigenen Chef vorbei. Soloalben, Nebenprojekte, Gastauftritte. Da kann man schon mal ein bißchen ungehalten werden.

Aber wir wissen ja, daß die Sache am Ende doch noch gut ausgegangen ist. Und Jason Collett, 38, zweieinhalbfacher Vater, Spezialist für elaborierte Laubsägearbeiten und Gitarrist der Broken Social Scene, kann man da sowieso nicht richtig böse sein. Natürlich hat auch er heimlich nach Feierabend an seiner dritten Soloplatte gearbeitet. Was dabei aber nun rumgekommen ist, das sei zu seiner Verteidigung angemerkt, hätte die Hauptband ohnehin nochmal drei Jahre in die Soundfriteuse stecken müssen, bevor es zum undurchdringlichen Milchglasklang ihrer letzten Platte gepaßt hätte. Er selbst schreibe Songs, sagt Collett dazu. Bei Broken Social Scene gehe es darum, Songs aufzubrechen. Und damit können wir doch mal arbeiten.

Natürlich hat Collett sie alle gehört, Bob Dylan und Tom Petty, Bruce Springsteen und Neil Young. Das Schöne ist aber, daß er es nicht dabei belassen hat, die großen Altvorderen zwar unters Abpauspapier gelegt, aber später mit seinen eigenen Buntstiften auch noch jede Menge neuen Kram drum herum gemalt hat. Und so will sich "Idols of exile" niemals wie das Album eines klassischen Singer/Songwriters anhören, obwohl es eigentlich genau das und nichts anderes ist. Vielleicht, weil Collett mit Wohltemperiertem wie "I'll bring the sun" auch gerne mal die Markise runterkurbelt. Vielleicht weil doch wieder die halbe Kanada-Posse ihre Finger im Spiel hatte. Für seine Call-&-Response-Spielchen mit Emily Haines im beflügelten "Hangover days" sollte sich Collett jedenfalls schleunigst einen Rahmen basteln.

Es dauert nämlich nicht mehr lange, bis ihm die Stimmung doch noch ein wenig abrutscht. "We all lose one another" heißt das große, schwermütige Herzstück dieser Platte. Ein Song, der sich nicht weiter schert um das theatralische Drama, das er da veranstaltet, und den Weg bereitet für die selbstvergessenen Gitarrenspielereien von "Parry sound" oder "Tinsel and sawdust". Erst später wird sich Collett wieder berappeln und das Album mit dem feierlich zertröteten "These are the days" versöhnlich enden lassen. Vorher muß er noch ein paar bittere Pillen schlucken, Dinge zurechtrücken und Angelegenheiten regeln. "Music sucks / But here's your salvation", heißt es nämlich in "Another summer". Und das ist gar nicht großspurig, sondern von uns aus dem Kontext gerissen worden. Einer muß es ja tun. Damit jeder versteht.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • We all lose one another
  • These are the days

Tracklist

  1. Fire
  2. Hangover days
  3. Brownie Hawkeye
  4. We all lose one another
  5. Parry sound
  6. I'll bring the sun
  7. Tinsel and sawdust
  8. Feral republic
  9. Pavement puddle stars
  10. Almost summer
  11. Pink night
  12. These are the days

Gesamtspielzeit: 45:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
toolshed
2010-11-12 23:47:31 Uhr
Super Album! Habe ich inzwischen sehr liebgewonnen - über die gesamte Länge wirklich ganz wundervoll!
Dominik
2006-05-22 22:42:32 Uhr
War schön in Geislingen. Unglaublich charismatischer Mann mit leicht zugedröhnt wirkender Band. Ewig und so ziemlich alles seiner zwei Alben gespielt. Da freut mensch sich noch mehr auf den Immergut-Samstag. Wo er dann laut Eigenaussage gleich viermal auf der Bühne steht.

Aber Geislingen ist vielleicht..hmm.. will ja nicht unhöflich sein.. Ich kam mir sehr jung vor.. ;)
tobi
2006-05-06 11:55:16 Uhr
bin ich der einzige der vor vorfreude schon fast stirbt???

aber nächste woche ist es soweit jason Collett & Paso Mino live, huhuuuuuuuu ;)
Armin
2006-03-08 17:55:07 Uhr
“Was bei so vielen Kollegen wie eine müde, träge Pflichtveranstaltung klingt, gerät hier zu einer eleganten Kür, mit der man sich gut gelaunt auf den kommenden Frühling einstimmen
kann" schreibt die Süddeutsche Zeitung über Jason Collett und sein neues Album “Idols of Exile”. Wer von Euch noch immer Jason Collett nicht kennt, sollte bitteschön sofort auf folgenden Link klicken: http://www.cityslang.com/mp3/jason_collet_we_all_lose_one_another.mp3
Der Song routiert bereits auf diversen Radiosendern und bei seinem Radiokonzert im Roten Salon in Berlin letzte Woche bewies der 38-jährige Kanadier nicht nur sein Gesangs- und Songwriter Talent, sondern hielt die geladenen Gäste und Gewinner auch mit unterhalsamen Anekdoten bei Laune. Einer der vielen Höhepunkte des Abends war zweifellos der Überraschungsauftritt von Leslie Feist, die mit Collett das Duett “Hangover Days” sang. Feist ist nur eine der vielen Gäste, die der Broken Social Scene Gitarrist auf seinem Solo-Album versammelt: u.a. unterstützen ihn auch Emily Haines (Metric), Amy Millan (Stars) und andere Mitglieder der großen Broken Social Scene Familie. Amy Millan wird auf der Tour auch bei einigen Shows als Support dabei sein!!!

JASON COLLETT
Präsentiert von SPEX, kulturnews und gaesteliste.de

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20.05. Geislingen - Rätschenmühle ( mit Jeb Loy Nichols)
21.05. Frankfurt - Brotfabrik ( mit Jeb Loy Nichols)
23.05. Dresden - Star-Club
24.05. Hamburg - Tanzhalle
26.05. Berlin – Postbahnhof, mit Amy Millan (STARS)
27.05. Neustrelitz - Immergut Festival
28.05. Beverungen - Orange Blossom Festival, mit Amy Millan (STARS)
(BERTOLD SELIGER, Tel. 030 – 29309602; www.bseliger.de )

Armin
2006-03-08 12:26:00 Uhr
JASON COLLETT

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