Lampshade - Let's away

Lampshade- Let's away

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 24.02.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fehlalarm

Es fehlt etwas. Wir, die wir die englische Grammatik nur so aus dem Hemdsärmel schütteln, wackeln bei der Satzkonstruktion "Let's away" ob des fehlenden Verbes kräftig mit der Birne. Das kann doch nicht alles sein? Aber jetzt ist ja eh alles zu spät. Das Plattencover zu Lampshades neuem Album ist gedruckt und deshalb jeder Rat ohne Wirkung. Obwohl: Vielleicht ist es sogar Intention. Denn wer dem Albumdebüt "Because trees can fly" lauschte, der bemerkte, daß die schwedisch-dänische Formation schon immer Musik machte, die Zwischenräume und Fehlendes thematisierte. Wie von einem anderen, niemals betretenen Stern. Einer, auf dem Bäume fliegen; und nun auch Verben fehlen dürfen. Jetzt aber: Go!

"Let's away": Der zweite Teil des Albumstitels ("away") könnte sich auch auf jene Tatsache beziehen, daß ein Großteil der neuen Songs im Tourbus entstand. Neun Länder bereiste das Sextett auf der Tour zum vergangenen Album. Zwischendrin entdeckte sie A&R-Chef von Glitterhouse, holte sie auf sein Label und tat verdammt gut daran. Denn Lampshade entwickelten sich vom Geheimtipp zu Gewinnertypen. Geht das mit "Let's away" weiter? Ja, schreiben wir erst einmal, nachdem wir "Come closer" gehört haben. Ganz sanfter, filigraner und schwebender Sound. Doch das ist nur das erste von zwölf Lampenschattengewächsen.

"New legs" klingt da schon unstrukturierter. Der Sound schwebt auf dem Zweitwerk stets irgendwo zwischen schwedischer Popmusik, subtiler Wave-Tristesse und Singer-Songwriter-Melancholie. Die Düsternis des ersten Albums mit den eruptiven Gitarrenwänden wurde hier ganz klar zurückgefahren. Stattdessen Einklang. "It's okay" heißt einer der Songs, der den Beweis für obige These im Namen liefert. Hier (und natürlich nicht nur hier) klingt die Alarmsirene Rebekkamaria am Mikrofon wie Björk. Ein dunkler, treibender Baß. Im Hintergrund verhallende Gitarren. Als liege ein dicker Nebel über der Band. Zweiter Beweis: "We'll be fine". Wieder Einklang, im Titel und jetzt auch in der Musik. Und "Joy" ist fast tanzbar in seiner Geschwindigkeit (und hoffnungsfroh im Text). Das geht flott nach vorne.

Und dennoch fehlt gerade wegen der durchgehenden Eingängigkeit an der Oberfläche ein wenig die Dramatik. Wir merken: Manchmal hängt der Spannungsbogen leider durch. Zwar versuchen sie es immer wieder: Die Bläser auf "By and by I come", garniert mit einem markanten Gitarrenriff. Die glasklare bis glasbrechende Stimme bei "In the woods". Der zweifache Gasteinsatz von Songwriter Damien Jurado bei "Fjäril" und "Tonight I will retire". Alles will nicht helfen. Lampshade musizieren auf "Let's away" diesmal leider nur leicht über Durchschnitt.

Zumindest die Sache mit dem "Let's away" wird dann doch noch geklärt. Auf dem Beipackzettel zum neuen Album erklären Lampshade, daß sie sich für den Titel bei Shakespeares Romeo und Julia haben inspirieren lassen. Ach so. Wir verstehen. Da müssen ja auch erst zwei Protagonisten Romeo und Julia fehlen, ehe zwischen den Capulets und Montagues die Dissonanzen verschwinden und der Einklang regiert.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Come closer
  • Tonight I will retire

Tracklist

  1. Come closer
  2. New legs
  3. By and by I come
  4. It's okay
  5. Silver
  6. In the woods
  7. Fjäril
  8. We'll be fine
  9. Joy
  10. Disse fugle
  11. Feather of lead
  12. Tonight I will retire

Gesamtspielzeit: 48:13 min.

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