NMFarner - Das Gesicht

NMFarner- Das Gesicht

Labels / EMI
VÖ: 17.02.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mitten in die Fresse

Gegen Strukturen. Gegen Schemata. Gegen Sätze. Es ist nicht leicht, etwas zu finden, das NMFarner bedingungslos unterstützen. Knatternde Bässe vielleicht oder gefriergetrocknete Rhythmen, Schneidbrennergitarren und verschnupftes Parolisieren. Das, womit man sich beschäftigt, bevor man widerwillig das Etikett der Berliner Supergroup aufgeklebt bekommt. Wo doch kein Begriff für diese Musik unpassender wäre als "klebrig". Denn wie schon das Tanzgerumpel "Die Stadt" hat auch "Das Gesicht" eher die Konsistenz von Rasierklingen, Wäscheklammern oder Reißzwecken. Sachen also, mit denen man prima jonglieren kann.

Als vor knapp anderthalb Jahren Bands wie Die Türen, Von Spar oder Mediengruppe Telekommander anfingen, dem aufkommenden Befindlichkeitspop ein gesundes Maß an Sperrigkeit unterzujubeln, rauschte es anläßlich solcher Musik nicht nur in den Verstärkern. Die einen fabulierten irgendwas von Disco-Punk, die anderen riefen die Nächste Deutsche Welle aus. Und mittendrin schmissen Norman Nitzsche, Masha Qrella und Chrigel Farner einfach Namen und Köpfe zusammen, um etwas zu machen, was man für Pop halten könnte. Wenn man denn wollte.

Natürlich steckt auch "Das Gesicht" voll von diesem vorlauten Geplärr. Gesellschaftskritische Tanzfläche, sozusagen. Die Instrumente sind demokratischerweise alle gleich laut und marschieren im eckigen Gleichschritt. Es ploppt und scheppert, es zickt und zackt. "Familie" zerfällt wie jede dritte deutsche Schicksalsgemeinschaft mitten im Leben. Jeder schaut in andere Richtungen, und am Ende fällt niemandem auf, wieviel man letztlich doch gemein hat. "Der dreckige Dreh" flüchtet in die eigene Vergangenheit, und im "10. Stock" findet sich ein schönes Fenster zum Sprung in die Tiefe. "Der Trost, den sie Dir spenden können / Hat nichts mit Dir zu tun." Wir kommen, um uns zu beschweren.

Genauso prima, wie man den Selbstmord tanzen kann, zappelt es sich zu Klaustrophobie, Bindungspanik und Außenseiterschicksalen. NMFarner sprechen sicher irgendwem aus dem Herzen, distanzieren sich jedoch eher von allem und jedem. Ja zum Diskurs, nein zur Differenz. Das hat Schwung und Schmiß, aber nicht zwingend auch Seele. Muß ja auch nicht. Man hat ohnehin auch so schon genug zu deklamieren. "Du sagst, Du hast die Nase voll / Und Du hast mich auf Deiner Seite dabei." Sloganism begins at home.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Familie
  • 10. Stock
  • Cheapo
  • Neu hier

Tracklist

  1. Wir
  2. Familie
  3. 10. Stock
  4. Der dreckige Dreh
  5. Cheapo
  6. Another one
  7. Melodie d'amour
  8. Das Gesicht (haben)
  9. Please
  10. Neu hier
  11. Bitte anfangen
  12. I, I, I

Gesamtspielzeit: 43:31 min.

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  • NMFarner (5 Beiträge / Letzter am 13.07.2006 - 19:16 Uhr)