Howie Beck - Howie Beck

Howie Beck- Howie Beck

Ever / Rough Trade
VÖ: 10.02.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lichtmaschine

Howie Beck war früher sicher einer dieser schüchternen Jungs, die lieber im abgedunkelten Zimmer unzählige Zuneigungsbekenntnisse vertonten, als die Angebetete auf dem Schulhof auch nur ein einziges Mal anzusprechen. Einer, der Samstagabende nicht angeschickert in den Clubs Torontos verbrachte, sondern nüchtern am heimischen Plattenspieler weilte und sich im Kopfkino ausmalte, wie es denn sein könnte, wenn er nur etwas mutiger und cooler wäre. Und vor allem: wenn er die Frauen bloß verstehen würde. Wenigstens ein bißchen. Viel hat sich seit dem nicht geändert: Beck sitzt noch immer am liebsten zuhause, die Akustikgitarre im Arm und die Suche nach einer Formel für den Umgang mit Frauen und für ein gelingendes Leben im Sinn. Es sei denn, er wird mal wieder gebeten, die Wallflowers, Aimee Mann oder Josh Rouse zu supporten. Oder Nada Surf, wie letztes Jahr im November.

Daß seine Lieder mittlerweile in den Playlists populärer amerikanischer Serien auftauchen, macht Beck keineswegs nervös. Er gönnte sich großzügig ein halbes Jahrzehnt zur Fertigstellung seines dritten Longplayers - und auch der ist wieder eine typische "bedroom record" geworden. Als gelte es, die Insassen des Nachbarzimmers nicht aufzuwecken, singt er stets mit sanfter Stimme und angedeutetem Flüsterton. Zum Beispiel von "Alice", einer dieser rücksichtslosen "Ich will doch nur spielen"-Frauen, die man trotzdem nicht hassen kann. Akustikgitarre, eine relaxte Trompete, dezente Percussion - der Kanadier sucht das Schöne im Einfachen. Und findet es auch. Während "Sometimes" mit Indieappeal und Glockenspiel überrascht, fließt "My low" in südländischem Kastagnetten-Groove. Nachdem die ersten drei Songs von den seltsamen Eigenheiten einer Dame handeln, kommt Beck in Pedal-Steel-Laune zu der Erkenntnis: "I need a zombie girl / Who keeps her head on."

Weil die Umsetzung einer Erkenntnis nicht immer so einfach ist, spricht er sich mit Unterstützung von Ed Harcourt, Handclaps und typischer 60s-Pop-Baßlinie erstmal selbst Mut zu - "Don't be afraid if you're all fucked up / Everybody knows you'll get through somehow." Und plötzlich verliert auch das weibliche Mysterium seine Undurchschaubarkeit, zu filzpantoffelntragender Akustikgitarre erfährt man: "The books beside her bed / I know she hasn't even read." Begleitet von einer Streicherwoge wird die Dame im Folgenden abgehakt - aber "How do you feel?", das interessiert den Howie dann doch noch irgendwie.

"We waited" ist der eingängigste Banjo-Song seit Travis' "Sing", und neben Nada Surfs Matthew Caws ist noch ein weiterer Gast vertreten. Beck singt die wunderbar leise Ballade "I need light" gemeinsam mit der nicht weniger wunderbaren Feist. Daß bei derartig leuchtenden Melodieverläufen tatsächlich noch mehr Licht gebraucht wird, ist allerdings erstaunlich. Allein das schwerfällige "Please" will nicht so richtig zünden. Der Mann aus Toronto versucht erst gar nicht, die Tatsachen schön zu reden. "In a drunken haze / Promises were made", analysiert er zum Schluß rational in "Lay down". Aber er trägt die Realität mit Fassung. Und der Blick zurück hat ohnehin nur einen einzigen Sinn: im Spiegel die Zukunft zu beobachten. Und da müßte, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, unter anderem der lange verdiente große Erfolg für Beck zu sehen sein. Ganz deutlich.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Alice
  • Don't be afraid
  • We waited
  • I need light

Tracklist

  1. Alice
  2. Sometimes
  3. My low
  4. Zombie girl
  5. Don't be afraid
  6. The books beside her bed
  7. How do you feel
  8. We waited
  9. Everybody sold out
  10. Please
  11. I need light
  12. Floating
  13. Lay down

Gesamtspielzeit: 44:25 min.

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User Beitrag
Pascal
2006-05-26 16:39:56 Uhr
Finde den Jack Johnson Vergleich eher unpassend. Mir fallen da spontan andere Referenzen ein (Elliott Smith, Ron Sexsmith). Nichdestotrotz ist die Platte ziemlich gut gelungen; mich stört es hier weniger, dass das Album zu rund klingt.
Dazer
2006-02-24 19:28:00 Uhr
die hollow kenn ich nicht.
die platte wird immer besser. wird'ne 8, wenn das so weitergeht. auch 'sometimes' oder 'the books beside her bed' sind super...eigentlich alles von 1 bis 8...und die anderen werden auch noch, da bin ich mir sicher.
bee
2006-02-24 15:32:43 Uhr
wie ist denn die neue im Vergleich zu Hollow? ich höre immer was von Leichtigkeit - Hollow war aber eher schwermütig (s.o.) ...
Pure_Massacre
2006-02-24 12:00:00 Uhr
Eigentlich ist es nur das Feeling, das mich an Jack Johnson denken lässt. Der Howie hat aber dann doch die eindeutig besseren Songs.
Dazer
2006-02-24 11:25:23 Uhr
streckenweise isses mir ein wenig zu eingängig, und auch die eine oder andere melodie will noch nicht so recht zünden. dennoch hat die platte wahnsinns-momente. alice. oder zombie girl. oder...how do you feel wars glaub ich. aber was quatsch' ich da nach erst 2 hördurchgängen?
zu jack johnson? möglich, weiß nicht. mir auch egal, kenn den typen ja nicht mal wirklich...hat mich bisher nicht interessiert.
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