Banner, 120 x 600, mit Claim

Die Ärzte - Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!

Die Ärzte- Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!

Hot Action / Universal
VÖ: 23.10.2000

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Plüsch is peautiful

Wie führen wir unser Publikum aufs Glatteis? Packen wir das aktuelle Album doch einfach in ein kuscheliges, polarblaues Plüsch-Etwas und täuschen so Handzahmheit vor. Koppeln wir mit "Wie es geht" als erster Single einen Song aus, der überraschenderweise völlig ernstgemeint ist. Nehmen wir als Albumtitel einfach etwas völlig unmerkbares und sinnfreies, um so das Hörervolk endgültig an unserem Verstand zweifeln zu lassen. So müssen sich die Herren Urlaub, Felsenheimer und Gonzales händereibend das Marketingkonzept für "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" aus dem Fingern gesaugt haben.

Beim Saugen sind wir natürlich bereits beim Stichwort: Die Erforschung aller möglicher Körperteile und insbesonderer ihrer Öffnungen mittels multipler Techniken ist wie immer das Hauptforschungsgebiet der musikalisch promovierten Dreierbande. Zwischen morbiden SM-Phantasien und den fröhlichen Katastrophenberichten schießt man die üblichen Pfeile in Richtung Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. Im Gegensatz zu den scheinwitzigen Versuchen, für die sich die ewigen Gegenspieler aus Düsseldorf zuletzt sogar satirischer Fremdhilfe bedienen mußten, beweisen die Ärzte, daß das Zwerchfell seinen Platz wohl unter der Gürtellinie hat.

Dr. mus. Bela B. Felsenheimer entpuppt sich als schnittsicherer Chefarzt. Dabei sehnt er sich in "Manchmal haben Frauen" nach unorthodoxer Gesichtchirurgie und läßt mit der Klage "Meine Lage ist fatal / Keine Schminke, kein Kajal" in "Leichenhalle" Joachim Witt zum Vadder Abraham mutieren. Assistenzarzt Urlaub hingegen erwägt Kannibalismus als Ausweg aus der globalen Unterernährung und ergeht sich mit "Onprangering" in detaillierten Selbstdiagnosen, welche es zu beklagen gilt. Auch die Herren mit den schweren Stiefeln bekommen mit nur scheinbar naiven Zeilen wie "Können Rassisten etwa auch den blauen Himmel sehen?" einmal mehr die verdiente Klatsche.

Der Gemischtwarenladen im Berliner OP wird im übrigen auch auf "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" immer bunter. Bossanova, Rockabilly, Schlager, Boogie und Reggae werden mit aufrichtigen Anspruchslosigkeiten in einen Mixer geworfen und kräftigst umgerührt. Daß man das eine oder andere Kondom oder Körperteil dazugibt, dürfte kein Gerücht sein. Mit Punk hat das natürlich nicht mehr viel zu tun. Da dies aber seit Jahren bereits keinen Anspruch mehr für "die beste Band der Welt" darstellt, bedient man sich selbstbewußt bei ehrlicher Seichtigkeit und klischeebeladenen Rockismen. "Nie mehr schlechtes Wetter, nur noch gute Musik." Die Ärzte fragen schon lange nicht mehr nach. Es fragt sich nur, wie lange man noch nach den Ärzten fragt.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Leichenhalle
  • N 48.3
  • Manchmal haben Frauen
  • Ein Sommer nur für mich

Tracklist

  1. Wie es geht
  2. Geld
  3. Gib mir Zeit
  4. Dir
  5. Mondo Bondage
  6. Onprangering
  7. Leichenhalle
  8. Der Optimist
  9. Alles so einfach
  10. N 48.3
  11. Manchmal haben Frauen
  12. Las Vegas
  13. Yoko Ono
  14. Rock Rendezvous
  15. Baby
  16. Kann es sein?
  17. Ein Sommer nur für mich
  18. Rock'n'Roll Übermensch
  19. Herrliche Jahre

Gesamtspielzeit: 63:49 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7813

Registriert seit 23.07.2014

2020-11-06 13:29:14 Uhr
Gestern nochmal gehört und wieder richtig begeistert! Locker Platz 2 der Diskographie für mich, so herrlich vielseitig, super lustig und auch durchgehend stark. Die Songs haben Wendungen, die Band scheut sich nicht vor Stilen und Ideen und sorgt für einen Kracher nach dem nächsten.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23374

Registriert seit 07.06.2013

2020-11-01 18:10:49 Uhr
Trifft es gut. Ordentlich freidrehende Wundertüte, das Album.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5943

Registriert seit 26.02.2016

2020-10-31 23:40:41 Uhr
Hier haben sie am meisten freigedreht von allen Alben. Man merkt, dass sie nach dem Megaerfolg der "13" wirklich gar keine Hemmungen hatten – auch wenn ja schon seit der "Bestie" immer einige Ausreißer dabei waren.
Nicht alles hier ist super gealtert, aber gut genug, dass ich es noch zu großen Phase zählen würde.

Mr. Orange

User und News-Scout

Postings: 1723

Registriert seit 04.02.2015

2020-10-31 21:55:20 Uhr
„Rock’n’Roll Überkater“ wohl der Ärzte-Song, der von allen Songs der Band - vor allem in Verbindung dem unsagbar tollen Video! - vielleicht am allermeisten mein persönliches Humorzentrum trifft. Natürlich auch dank der depressiv-psychedelischen Lo-Fi-Psycho-Dub-Mucke, dem evtl. meistunterschätzten Musikgenre aller Zeiten.

Gordon Fraser

Postings: 1721

Registriert seit 14.06.2013

2020-10-31 21:44:32 Uhr
Ja, der Humor ging ihnen seinerzeit noch leichter von der Hand, noch nicht so erzwungen wie manches der letzten Alben.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify