The Most Serene Republic - Underwater cinematographer

The Most Serene Republic- Underwater cinematographer

Arts & Crafts / City Slang / Rough Trade
VÖ: 03.02.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rhythmische Sportgymnastik

Die Idee kam uns gerade, weil doch bald Winterspiele sind. Wenn Stefan Raab mit ehemaliger und zukünftiger Hartz-IV-Prominenz alle sechs Wochen in Teflonpfannen die oberbayrischen Eiskanäle hinunterjagen darf, dann könnte doch bestimmt auch irgendwer in Kanada so etwas wie ein jährliches Achter-Bob-Rennen für Großfamilienbands organisieren. Meinetwegen auch in Gitarrenkoffern. Weil, bitte, was das für Bilder wären: The Arcade Fire im Dreireiher und mit Sturzhelm - gut, dafür müßte man sie jetzt nicht gleich zum Wintersport verdonnern. Aber Kevin Drew als Steuermann im Broken-Social-Scene-Bob, aus dem ein hoffnungsloses Knäuel Arme, Beine und Haare rausflattert, während es ihn in jeder Kurve anschlägt? Architecture In Helsinki als australische "Cool runnings"-Gastmannschaft, der das Eis nur so unter den Kufen wegschmilzt? Ist das Entertainment? Hä? Verdammt nochmal, diese Tagträume müssen aufhören!

Vorher aber noch schnell auf ein Wort zu The Most Serene Republic. Das sind schon wieder recht viele Jungs und auch ein Mädchen aus Ontario, und wenn die sich bei obiger Veranstaltung ein bißchen ins Zeug legen würden, dann wäre mindestens mal Bronze drin für sie. Es schlittert und schlingert nämlich in einer Tour bei dieser Band. Es bricht ihr immer dann das Eis unter den Füßen weg, wenn alle gerade schön ordentlich ihre Sachen aufgebaut hatten. Und auch hier gilt natürlich Helmpflicht, bei all den Switches, Breaks und Computerneustarts, die sich die Songs auf "Underwater cinematographer" gefallen lassen müssen. The Hackl Schorschs. Das wäre auch mal ein toller Bandname gewesen.

Probieren wir nun aber etwas aus, daß dieser Truppe niemals in den Sinn käme. Konzentrieren wir uns wenigstens für die nächsten fünf Minuten mal auf die gleiche Sache. "Underwarter cinematographer" ist das erste Album einer Band auf Arts & Crafts, die sich keine Mitglieder mit Broken Social Scene teilt. Zumindest offiziell. Und bei aller klanglichen Verwandtschaft zu den üblichen Verdächtigen bringen The Most Serene Republic auch wirklich einen neuen Aspekt mit aufs Label. Dürfen wir vorstellen? Der komplette Kontrollverlust. Ryan Lenssen hat ihn passieren lassen, der latent überforderte Spielleiter in dieser lustigen Gameshow aus verschleierten Nebelgitarren, dampfender Querstraßen-Elektronik und unerschrockenen Pop-Geistesblitzen. Und Sänger Adrian Jewett darf ihn verkörpern, ihn ausleben und drin aufgehen. Im kompletten Kontrollverlust.

Es passiert hier folglich schon mal, daß Jewett eben noch mit süßer Säuselstimme dem nervösen Flirren von "Content was always my favorite colour" hinterhersingt, dann für die letzten dreißig Sekunden des bemerkenswert schnörkellosen "(Oh) God" zum Zweitdrummer umgeschult wird und in "Proposition 61" schließlich zwischen Handclaps und Regieanweisungen seiner Hinterleute die Human Beatbox anwirft. Und überhaupt ist dieser Hühnerhaufen kaum beisammenzuhalten, stürzt sich mit Vorliebe in zünftige Singalongs, kommt immerhin mit der Siesta-Vorstellung "King of no one" mal zwei Minuten zur Ruhe und schwebt im instrumentalen Tagträumer-Finale "Epilogue" schließlich an einem Bündel Luftballons baumelnd davon. Wir sagen's ja: super Skigymnastik, ein prima Synchronschwimmen und allergrößtes Rollstuhltennis. Nur gut, daß bei dieser Randsportartenolympiade keine Dopingkontrollen durchgeführt werden.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Content was always my favorite colour
  • (Oh) God
  • Proposition 61
  • Where cedar nouns and adverbs walk
  • You're a loose cannon McArthur ... but you get the job done

Tracklist

  1. Prologue
  2. Content was always my favorite colour
  3. (Oh) God
  4. The protagonist suddenly realizes what he must do in the middle of downtown traffic
  5. Proposition 61
  6. Where cedar nouns and adverbs walk
  7. In places, empty spaces
  8. Relative's eyes
  9. King of no one
  10. You're a loose cannon McArthur ... but you get the job done
  11. Epilogue

Gesamtspielzeit: 40:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hörtipp
2016-05-25 19:46:54 Uhr
Für Leute die das möden: Zac Nelson - New Once!!!

2011-10-22 23:19:51 Uhr
ummirfälltnixein
Red Animal War
2011-02-21 04:08:00 Uhr
The Most Serene Republic - "Underwater cinematographer" - their best.
Gordon Fraser
2011-02-16 06:20:23 Uhr
Gefällt mir, gut dass ich nach dem etwas verschlafenen "Population" mich nochmal mit der Band beschäftigt habe.
hoch damit
2010-09-22 11:38:34 Uhr
Wirklich ein spaßiges Album, gebe ihm 9,5/10! Die Klangwelten hauen einen echt um...
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