Kelley Stoltz - Below the branches

Kelley Stoltz- Below the branches

Sub Pop / Cargo
VÖ: 07.02.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wie Oskar

Kelley Stoltz ist kein Mann, der sich aufdrängen würde. Eher einer, der macht und tut und ausprobiert; immer darauf hoffend, daß mal einer guckt. Das heißt nicht, daß er keine Ambitionen hätte: Als Junge hat er Echo & The Bunnymen auf der Luftgitarre begleitet, später dann hat es ihn von Detroit nach New York und von dort nach San Francisco verschlagen - immer auf der Suche nach dem Ort, wo die Träume wahr werden, wo seine eigene Vorstellung von Musik sich durchsetzt. Viel zu lange hat natürlich keiner geschaut, doch Stoltz ist nicht verzweifelt, hat ein kleines Debüt aufgenommen und mit der zweiten Platte "Antique glow" schließlich einen Achtungserfolg - zumindest bei der Musikkritik - gelandet. Die Aufmerksamkeit hat Stoltz dann aber doch nicht gut getan. Er verkrampfte, fragte sich: Wie weitermachen? Über ein Coveralbum - das seinen Ursprung in einem Echo-&-The-Bunnymen-Stück hatte - fand er in die Spur zurück, und mit Scott Kannenberg (Ex-Pavement) gewann er einen Fan und Mitstreiter, der ihm ganz neue Chancen eröffnete.

Kelley Stoltz ist ein Mann der schönen Worte. Was er in den Mund nimmt, klingt gereift, lange überlegt und rund. Man hört dieser Platte förmlich die Stunden an, die Stoltz vor seinem Rekorder gehangen und gepuzzelt hat. Immer neu hat er sie angeordnet, diese Ahnungen einer Melodie, diese leuchtenden Ideen. Nie würde er einen Song wegschmeißen. Er bastelt und bastelt, er holt heraus, was immer drinsteckt. Unter seiner Hand wächst es und gedeiht es, es ist seltsam und ein wenig verschroben, doch in erster Linie ist es schön. Es fühlt sich warm an und geht zu Herzen. Ein matter Glanz geht von dem Album aus. Es mag an der Lo-Fi-Aufnahme liegen, die die Schönheit der Songs leicht bricht und ins Gedankenverlorene trägt oder an der Stimme, die nicht ausgeprägt, aber doch eigenartig klingt. Interessant wird man, durch den eigenen Kopf, das weiß einer wie Stoltz - und deshalb macht er Musik.

Kelley Stoltz ist Kelley Stoltz, ganz jenseits aller Kategorisierungen. Diese Platte nicht zu mögen, fällt schwer. Sie ist nicht essenziell, vielleicht ist sie sogar zu lang und stellenweise ein bißchen überkandidelt. Das tut dem großen Ganzen keinen Abbruch. Ein paar Melodien finden sich hier, die man - wenn sie dereinst vergessen sind - gerne wiederfinden würde. Und eine Attitüde spiegelt sich hier, die nicht nur Achtung, sondern auch Aufmerksamkeit verdient.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Memory collector
  • Words

Tracklist

  1. Wave goodbye
  2. Little lords
  3. Ever thought of coming back
  4. Words
  5. Mystery
  6. Summer's easy feeling
  7. Memory collector
  8. Birdies singing
  9. The rabbit hugged the hound
  10. The sun comes through
  11. Winter girl
  12. Prank calls
  13. No world like the world

Gesamtspielzeit: 39:37 min.

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