200 Sachen - Reich und schön

200 Sachen- Reich und schön

Columbia / Sony BMG
VÖ: 10.02.2006

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Show total

Mediale Show-Berieselung und kein Ende. Die privaten TV-Sender geben die Richtung vor, die staatlichen Fernsehsender ziehen mit. Die Attentäter sind allgemein bekannt: Hugo Egon Balder, Oliver Geißen, Kai Pflaume. Ein großflächig geplanter Anschlag auf die Synapsenschaltung des kreativen Schaffens. "Das Beste der..." hier, "Die lustigsten..." dort. Was fehlt, ist ein Aushängeschild des Poprock. Eine Band, die im Senf badet und sich freiwillig im Affenkostüm zum Schimpansen macht. Kaum ausgesprochen, gibt es die volle Dröhnung. Tob Le Rone, versteckt unter einer Tigermaske, blickt in die Kamera und verkündet: "200 Sachen sind eine Showband." Was für ein Glück.

Katta Strophe, Fabi Feuer von Zeug, Uzi Mayer, Lefty Luv und besagter Tob Le Rone hauen mit ihrem Debütalbum "Reich und schön" voll auf den Lukas. Der Hammer schwingt über den Erzeugnissen von Astra Kid, Sofaplanet und Schein23. Oder anders: NDW meets 70er-Jahre-Punk. Jedenfalls irgendwo dazwischen. Die Trademark lautet "hip". Hinzu kommt eine Prise Witz mit Umzingelung und ein Paul Breitner-Gedächtnis-Look. Das Ergebnis der Addition ist Poprock fürs Vorabendprogramm, oder eben für den Bundesvison Songcontest. Seien wir ehrlich: Gewartet hat darauf niemand so wirklich.

Die guten Momente der Platte sind schnell aufgezählt. Doch dauert es eine Weile, bis man diese auch als solche erkennt. Ganz offensichtlich ist, daß der Opener "200 Sachen" nicht zu den Glanztaten der Wiesbadener gehört. Ein langweiliges Uptempogeplänkel, zwischen Lückenfüller und Platzhalter. Und das als Startnummer. Was zunächst an eine verschollene B-Seite der "Von hier an blind"-Sessions von Wir Sind Helden mahnt, entwickelt sich zum eigentlichen Hit der Platte: "Ganz neu" hat eine frische Hookline an Bord und in der Bridge ein Gitarrensolo, das offensichtlich von den Queens Of Stone Age geklaut wurde. Macht aber nichts, weil es paßt. Ebenfalls überraschend, weil anders, ist "Schiffe versenken". Katta Strophe haucht über einer orchestralen Instrumentierung ein Liebesliedchen, das zuckersüß und sanft zwischen all den professionellen Showeinlagen herauslugt.

So richtig ärgerlich und störend ist vor allem "Der Baron von Münchhausen". Alleine das Intro beschert Kopfzerbrechen. Man fragt sich, ob die falsche Platte aufgelegt wurde. Doch wird schnell klar: Hier hat man eins zu eins bei den Streets geklaut. Nur, daß "Fit but you know it" ein richtiger Hit und die 200 Sachen Version nicht ansatzweise gelungen ist. Was aber wiederum auch nicht allzu schlimm wiegt. Denn einer selbsternannten Showband einen Smashhit zuzugestehen, würde wohl das Ego so mancher Musikpolizisten ankratzen. Stefan Raab findet es jedenfalls klasse. Na also.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Ganz neu
  • Schiffe versenken

Tracklist

  1. 200 Sachen
  2. Video raus
  3. Ganz neu
  4. Freier Fall
  5. Sekt zum Frühstück
  6. Der Baron von Münchhausen
  7. Schiffeversenken
  8. Vielen herzlichen Dank
  9. Was du willst
  10. Riviera
  11. Monopoly
  12. Lauter bis es explodiert
  13. Lebenslauf
  14. Ich will dich hören

Gesamtspielzeit: 40:29 min.