Ursula Rucker - Ma'at mama

Ursula Rucker- Ma'at mama

!K7 / Rough Trade / SonyBMG
VÖ: 27.01.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Supa Mother

Ursula Rucker ist vierfache Mutter. An dieser Stelle eine Bitte: weiterlesen! Denn wer schon jetzt denkt, er hätte versehentlich auf http://www.brigitte.de/ die Rubrik "Job und Kind" angeklickt, der soll durch die folgenden Zeilen eines Besseren belehrt werden. Man wird ja wohl noch anfangen dürfen mit dem, was einem persönlich als äußerst wichtig erscheint. Jener Tatsache nämlich, daß (welch Wunder!) die Popmusik auch solche Biografien wie die der Amerikanerin Ursula Rucker aus Philadelphia erlaubt. Viermal Mama von vier kleinen Jungs, und daneben mal eben dreifach schwanger mit den Alben "Super sista" (2001), "Silver and lead" (2003) und "Ma'at mama" (Geburt in 2006). In Deutschland wäre die Frau Familienministerin geworden. In Bushs Amerika ist dies aber nur schwerlich möglich. Ursula Rucker ist schwarz, macht Spoken-Wort-Triphop und ist vor allem eine Frau, die sich für die Rechte von weiblichen (und männlichen) Bürgern einsetzt. In Form von Musik.

Womit wir langsam aber sicher zu dem dichten Breakbeat-Jazz-Teppich kommen sollten, den sie für ihr aktuelles Album geknüpft hat. Jenes Werk, in dem Rucker, wie uns die Promotionabteilung wissen läßt, vom alt-ägyptischen Prinzip der Kemetik beeinflußt wird, welches wiederum nach der ägyptischen Gottheit Ma'at benannt ist. Alles klar? Was jedenfalls so langsam klar wird: Die Gedanken drohen abzuschweifen, wenn der Soundkulisse von Ruckers drittem Album dauerhaft gelauscht wird. Diese Frau hat einfach reichlich zu erzählen. Und konsequenterweise gibt es eine Menge, was es über sie zu berichten gäbe. Zum Beispiel, daß sie Afrikanistik studierte, daß sie Journalistin war und daß sie der gegenwärtigen Politik in den Vereinigten Staaten mit musikalischen Manifesten die Stirn bietet. Zum Beispiel, daß sie Tracks zu Alben solch verschiedener Künstler wie Silent Poets, King Britt oder 4hero beisteuerte. Und und und.

Zur Sache und zur Frage: Wie diese Musik beschreiben? Denn Langeweile wäre ein falsches wie gemeines Wort. Hintergrundsound beispielsweise wäre eine schönere und adäquatere Umschreibung. Was will man der Rucker auch vorwerfen? Jene Tatsache, daß sie mehr mit Worten spielt, als Töne sprechen zu lassen. Der Vorwurf gilt nicht. Denn dies hier ist erklärtermaßen mehr Spoken-Word-Poetry als Dancefloor-HipHop. Für all die guten Ionen: Revolution im Sinne einer gerechten Neuordnung, Emanzipation als Neuordnung der Geschlechterzuschreibung, Variation zur beständigen Selbstbehauptung. Und gegen die schlechten Ismen dieser Welt: Rassismus, Sexismus, Nationalismus.

Wer den Melodien im Hintergrund ein wenig mehr Gehör schenkt, dem wird sehr wohl wohlige Abwechslung unterbreitet. Mal ist es Kontrabaß-Jazz mit Miles-Davis-Trompetensoli ("Black erotica", "Childrens poem"), mal ist es Percussion-Jungle ("Libations"). Und, höre da: Gar ein richtiger HipHop-Song tummelt sich unter den 15 Songs. "Rant (Hot in here)" heißt er. Und er groovt. Auch "Uh uh" mit seinem sich windenden Trompetenhintergrund gefällt. Und "Broken" hat feine Beats: "When I rock the mic I rock the mic right." Doch die HipHop-Platitüde will so gar nicht zum restlichen Kontext passen. Die Kopflast eines Großteils der Tracks ist das Problem. Die Spannung kann der Rest des Albums aller verbalen Eleganz der Dame zum Trotz nicht immer halten. In "Church party" etwa gibt es nur Stimme, keine Töne. Und auch "Poon Tang Clan" ("Poon Tang Clan ain't nothin to fuck with!") kickt mehr in den Worten als in der Melodie. Bei aller Liebe: Auch das finale "L.O.V.E." ist dann ein wenig zu viel der Zuneigung. Und doch ist man fasziniert. Wie also bilanzieren? Wenn der Verfasser nicht ein Verfechter jener Spielart von Populärmusik wäre, die sich einmischt, würde er schreiben: Nächstes Mal besser in der Sparte "Politisches Hörbuch" einordnen. Aber diese Kritik überlassen wir besser den Kolleginnen von http://www.brigitte.de/.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Rant (Hot in here)
  • Uh uh

Tracklist

  1. Humbled
  2. Rant (Hot in here)
  3. Black erotica
  4. I ain't (Yo' punk ass bitch)
  5. Sol's intro
  6. Children's poem
  7. Libations
  8. Church party
  9. Uh uh
  10. Spiri chant
  11. For women
  12. Broken
  13. Sudan's intro
  14. Porn Tang Clan
  15. L.O.V.E.

Gesamtspielzeit: 55:52 min.

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