LaSalle - Expedition songs

LaSalle- Expedition songs

Thick / Southern / Soulfood
VÖ: 03.02.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Leichtfüßige Herzensschwere

Die Straßenlaternen sieben einen bleichen Lichtschauer auf den vereisten Bürgersteig unter Deinen Füßen. Die Schritte tasten sich behutsam vorwärts, um nicht zu rutschen. Kurz hältst Du inne und läßt den triefäugigen Kinnbartträger passieren, der volltrunken aus der Kneipe vor Dir taumelt. Die Nacht hat ihren dunklen Mantel über die Stadt gebreitet, aber die Stadt schläft noch nicht. Gedankenverloren starrst Du in den sternübersäten Himmel. Dann schälst Du Deine klammen Finger kurz aus dem Handschuh und schaltest die Musik ein. Ein rauhes Riff reißt Dich zurück ins Hier und Jetzt. Locker-flockig, aber zupackend sägt die Gitarre, mit gewitzten Synkopen schmiegen sich Baß und Schlagzeug an. Dein Gang wird prompt federnder, die Mundwinkel klettern aufwärts. Es ist fast, als ob das Eis unter Deinen Schuhsohlen schmilzt. Das kleine Indie-Trio LaSalle schafft das paradoxe Phänomen, melancholische Stimmungen auf eine Weise auszuloten, die prompt die Laune hebt.

Noch bis vor einiger Zeit turnten Sänger Mike Reed und Drummer Dan Jaquint mit den Postrockpunkern Small Brown Bike durch den amerikanischen Untergrund. Nach deren Ende haben die beiden sich gemeinsam mit Mikes Ehefrau Katy im gemütlichen Keller verschanzt und an neuen Songs gefeilt. Als sie wieder aus dem Keller herauskletterten, hatten sie einen ganzen Haufen famoser Songs im Gepäck für ihr neues Projekt, das sie LaSalle tauften – nach einer drögen Provinzkleinstadt in ihrem Heimatstaat Michigan. Elf dynamisch enorm vielseitige Songs irgendwo im Bermudaquadrat von Postrock, Indie-Folk, Emo und Country haben sie nun auf ihren Erstling "Exhibition songs" geschrubbt.

Verspielt und doch schwermütig, schlicht und doch ausgefeilt, mit Wumms und doch auf leichtem Fuß schlendern die Songs um die Ecke. Mal pfeffern sie Dir augenzwinkernd mit Dreck um die Ohren, schubsen Dich mit ihren knackigen Riffs und erstaunlichen Breaks herum wie in "Oasis in the sun", schrammeln Dich um Kopf und Kragen, dann schwelgen sie wieder in hauchzartem Schönklang und streichen Dir sanft über die Schläfe. Dann perlen wie im herrlichen "Other side of night" kristallklare Gitarrentrautopfen auf Deine Stirn oder die Slide-Gitarre singt Dir ein Gutenachtlied wie dentraumwandelnden Schleichwalzer "Don't call".

Jeder der Titel lotet eine leicht andere dynamische Facette aus. Zeigt, wie viele Klangschattierungen man aus einer Trio-Besetzung herauskitzeln kann. Nicht selten alles zusammen in einem Song. Und doch ist kein einziger überfrachtet. Gemeinsam schließen sie sich zu einem erstaunlich homogenen Gesamtbild zusammen. Ein wenig schlapp auf der Brust scheint die Stimme von Mike Reed zunächst zu sein. Das Ohr sträubt sich dezent gegen die tastenden, etwas unbeholfen schlingernden Melodien. Und doch wächst einem sein Organ mit jedem Hören näher ans Herz, liegt in der feinen Schieflage ein charmanter Reiz, entpuppen sich die Gesangslinien als liebevoll kletternde Ohrwürmer - vor allem in den zweistimmigen Passagen und den Momenten, in denen auch Katys Stimme in die Songs schwebt. "Expedition songs" ist ein rohes Juwel. Nicht mit Drahtwolle glattgeschmirgelt, gerade zu Beginn gern sperrig und verschroben, aber mit jedem Hören tauchst Du tiefer ein. Mit jedem Schritt kommst Du näher nach Hause.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Oasis in the sun
  • Other side of night
  • Don't call

Tracklist

  1. A prescription for a social life
  2. Oasis in the sun
  3. Move, stop, repeat
  4. Flip flops and white suits
  5. Hurt for long
  6. Other side of the night
  7. Little kicks
  8. Vanishing point
  9. Kissinger
  10. The ancient mariner of 1989
  11. Don't call

Gesamtspielzeit: 45:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dan
2007-01-11 00:05:38 Uhr

mag sein, aber gegen Ende ufert der Song so wunderbar aus, wird ein wenig komplexer und härter...

und - mit WEEZER kann ich nix anfangen :P
Strombuli
2007-01-10 21:59:38 Uhr
bei Oasis in the sun sind Weezer schon naheliegend, da kannte ich aber auch das Album noch nicht. Arctic Monkeys ja aber wohl kein Stück
Dan
2007-01-10 21:34:35 Uhr

tolle Band, Album taucht aber leider nirgends in den Top 50 auf :/

Weezer?
nee...
eher wie Arctic Monkeys meets Arcade Fire-Sängerin :D
Strombuli
2007-01-10 20:51:09 Uhr
leider komplett untergegangen, starke Platte
Strombuli
2006-02-01 13:35:52 Uhr
die beiden songs von der Homepage gefallen mir sehr. Als Referenz würde mir als erstes mal Weezer einfallen, die fehlen bei euch aber ganz
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