Electric President - Electric President

Electric President- Electric President

Morr / Hausmusik / Indigo
VÖ: 13.01.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Spielraum

Alex Cane und Ben Cooper aus Jacksonville Beach in Florida haben in den letzten Monaten viel Zeit in Schlafzimmern und Geräteschuppen verbracht. Sollen sich doch die anderen in einem bis zu den goldenen Monitorboxen mit Produktionsschnickschnack bewaffneten professionellen Studio die Shirts durchschwitzen. Electric President haben lieber alle zehn Songs ihres ersten Albums in diesen für Musikaufnahmen eher unüblichen Örtlichkeiten in den Laptop gewuppert.

Die beiden Nerds aus Jacksonville/Florida spielen unbekümmert mit der verschwimmungsanfälligen Grenze zwischen elektronischem Pop und poppigem Elektro. Beat an, Beat aus. Gitarre rein, Gitarre raus. "Advanced Verspieltheit", speit die für musikbezogene Neologismen zuständige Gehirnregion aus. Es klickt und klackt, es kratzt und schmiegt sich an, mal atmosphärisch großflächig und in latent märchenhafte Sphären entrückt, dann wieder ganz nah dran am Irdischen. Auf sympathisch-unaufgeregte Art pirschen sich die neuesten Gäste im Tanzcafé des Morr-Labels an die Death-Cab-For-Cutie-gewöhnten Ohren heran. Scheinbar klingen sie ähnlich und öffnen dann doch mit einem verschmitzt-wissendem Gesicht den Überraschungspräsentkorb. Wie in "Ten thousand lines" oder "Farewell". All diese Kleinigkeiten machen die papierne Tür auf zum Electric-President-Paralelluniversum. "I hope you're learning to listen."

Reduziertheit und auf Klarheit bestehende Bodenständigkeit auf der einen Seite. Über den noch warmen Strand schwebende Beinahe-Hymnen auf der anderen Seite. So lauten die beiden Pole dieses Albums. Mal ist der eine stärker, mal gewinnt der andere die Oberhand. Die Eingängigkeit, die damit erreicht wird, ist beeindruckend. Und sie kommt doch nie in den Verdacht, in beliebige oder an Liebesentzug leidende Serienbegleitmusik abzugleiten.

Aus dem Fenster schauen. Der Melancholie den richtigen Spielraum lassen. Sie genau so weit treiben, daß es nicht weh tut, daß es eigentlich nicht schlimm ist. Aber nicht das Gefühl wegschieben, sich nicht erkalten lassen vom Fabulieren. Die Hoffnung an sich kleben. An einem neuen Tag aufwachen. Sich die Träume aus den Augen wischen und trotzdem immer noch nicht desillusioniert sein. Immer noch ein Lachen in der Hinterhand haben. Genau das.

(Stefan Kesselhut)

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Highlights

  • Good morning, hypocrite
  • Insomnia
  • Grand machine no. 12
  • Farewell

Tracklist

  1. Good morning, hypocrite
  2. Insomnia
  3. Ten thousand lines
  4. Grand machine no. 12
  5. Hum
  6. Snow on dead neighborhoods
  7. Some crap about the future
  8. Metal fingers
  9. We were never built to last
  10. Farewell

Gesamtspielzeit: 46:21 min.

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musie

Postings: 2273

Registriert seit 14.06.2013

2013-07-02 07:37:36 Uhr
habe the postal service am primavera gesehen diesen frühling, und nun staubt give up nicht mehr nur rum und ich mag die zwei neuen songs auf der neuen zehnjahresjubiläumsausgabe sogar sehr.

aber danke für die erwähnung von electric president, die muss ich unbedingt wieder ausgraben. zeitlose musik.

Cosmig Egg

Postings: 766

Registriert seit 13.06.2013

2013-07-01 21:55:31 Uhr
habe damals lange nach etwas vergleichbarem wie Postal service gesucht.
War anfangs nicht so begeistert, aber jetzt läuft das gute Stück nach Jahren immer mal wieder, und ich bin jedesmal hin und weg.

Während give it up nur noch im cD Regal hängt und einstaubt.

solea
2010-10-28 05:08:54 Uhr
ganz starke Rezi übrigens, muss man auch mal sagen!
solea
2008-10-07 00:59:52 Uhr
jo dagegen hätt ich auch nichts :)
Luis
2008-10-06 19:58:19 Uhr
Touren sollen die endlich mal!
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