Foil - Never got hip

Foil- Never got hip

13th Hour / Mute
VÖ: 27.11.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am Ende der Welt

Schottland ist nicht der hipste Platz der Welt. Gerüchte über ewig währenden Nebel auf der Insel halten sich hartnäckig. Die zerklüftete Landschaft von West Lothian scheint ein besonderes Flair zu haben, das Sturmwolken wie ein Magnet anzuziehen scheint. Im Niemandsland zwischen Glasgow und Edinburgh war zudem noch nie viel los. Beste Voraussetzungen für Alkoholiker und junge Rockbands. Foil, vier nachdenkliche Jungs, die vor zwei Jahren mit ihrem Debüt "Spread it all around" auf sich aufmerksam machen konnten, sind wahrscheinlich von beidem etwas, haben sich aber vornehmlich für letzteres entschieden. "Never got hip", das zweite Album des Vierers, zeigt, daß dies nicht die schlechteste Wahl war.

Versetzen wir uns also noch ein Weilchen in die schottische Provinz. Der Regen läuft in kleinen Bächen an der Fensterscheibe herunter. Wind pfeift eine verlassene Plastiktüte um die Ecken der Reihenhäuser. "Counting down the seconds till dawn / Waiting for the end to come". Kaum aber hört man die sehnsüchtigen Gitarren aus dem Probekeller heraufklettern, erhebt sich in der Ferne ein Turm, der überraschende Ähnlichkeit mit der Space Needle hat. Auch für Foil gilt jedoch die tocotronische Weisheit "Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk". Natürlich ist aber auch dies kein Grund, den Union Jack zu schwingen. Britpop überläßt man lieber seiner Selbstbezüglichkeit. Schließlich hat der genug damit zu tun, langsam bedeutungslos zu werden.

Hier im eher unbedeutenden Nordosten der Insel sind andere Dinge wichtig. Es gilt, mit leidenschaftlich aufgerissenen Verstärkern den Dreck von den Wänden zu pusten. So erinnert das Gefühl für verschrobene Melodien gelegentlich an die Zeit vor dem Grunge-Hype. Dann wieder schaffen flirrende Gitarren Platz für die ungepflegte Depression. Die gebrochene Stimme von Hugh Duggie verliert sich zwischen enttäuschten Hoffnungen und gebrochenen Versprechen. Statt Computern sind hier noch Menschen mit all ihren Ängsten, Hoffnungen, Nöten und Leidenschaften OK. "How, how can I make you notice?" lautet die Frage. Die Sehnsucht nach Anlehnung teilt sich das Bett mit Routine. "You breath new life into me / And I'll do what's necessary." Diese Geborgenheit schmeckt bitter. Love will tear us apart.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Never got hip
  • End of the world
  • Claremont junction optimist

Tracklist

  1. Never got hip
  2. Easy life and ignominy
  3. Superhero No. 1
  4. End of the world
  5. Groundwork
  6. Half life bunker
  7. British East India Co. trafficker
  8. Weird kid
  9. I'll take my chances
  10. The ghost of Vernon Howell
  11. Claremont junction optimist

Gesamtspielzeit: 46:24 min.

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